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Hüttenplatz 14 35683 Dillenburg Telefon 0 27
71-72 38 Telefax 0 27 71-82 91
46 Montag -
Freitag 8:30 -
12:30 14:00 -
18:00 Samstag 9:00 -
13:00
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Verlag Buchhandlung Rübezahl
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Neu im Verlag
Buchhandlung Rübezahl
Roderich
Feldes – Der Werwolf – Zwei Erzählungen 160
Seiten, ISBN 978-3-9813197-2-9, gebunden, 15,90
€
In Verbindung mit dem Verlag Albrecht
Thielmann
Herausgegeben von der
Roderich-Feldes-Gesellschaft
Wenn der Wohlstand kein Zuhause schafft, wenn Ehemänner auf
Wände prallen!
In den zwei Erzählungen vom Wohnen und Leben in den
Neubausiedlungen der Dörfer erfahren wir, was dann geschieht. Wir
erfahren von der brodelnden Gewalt, die ‚In einem toten Haus‘ zu
einem befreienden Schlag führt, in der Geschichte vom ‚Werwolf‘ im
tödlichen Rassismus endet. Wie einst die Gewalt Juden traf, die man
als fremde Nachbarn kennzeichnete, trifft sie hier die Fremden, die
in der Nachbarschaft leben. Feldes zeigt hier wie kein anderer, dass
er sich auskennt in den Ehen und Sitten von Wohlstandsbürgern und
dass er benennen kann, was fehlt und was uns blüht, wenn das so
bleibt.

„Und ich hab mich gefragt: wo ist hier in meinem Haus das
Zentrum, der Zapfhahn, das Feuer? Nirgends. Wie in einem Museum,
alles sieht echt aus, aber irgendwie greifts nicht ineinander, es
fehlt was. Ich sitz hier wie in einer Kirche und versuch keine
Geräusche zu machen aus lauter Ehrfurcht vor der unbewohnbaren
Pracht.“ (In einem toten Haus)
„Nur Galle, Galle, die raus mußte, eh ihr Gift den Körper
zerfressen konnte.“
Über Roderich Feldes
Roderich Feldes (1946 -1996) lebte nach seinem Studium in
Eiershausen (Eschenburg) in der Nähe seines Geburtsortes, dem Dorf Offdilln. Seine
Kindheit im noch bäuerlichen Dorf blieb ihm eine prägende Erfahrung. Er war eine
Ausnahmefigur unter den deutschen Autoren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Seine
Geschichten vom Dorf bezeugen
den Wandel in der Welt. Feldes sah sich als Zeuge einer
Zeitenwende. Mit seiner Heimat im oberen Dilltal verbunden, bewahrte er
sich bei seinem Schreiben eine kritische innere Distanz zu den unmittelbaren Vorgängen um
ihn herum. Er beschreibt den
Wandel im Dorfleben als Folge der hochgerüsteten Konsumwelt.
Er konstatiert eine Zerbröselung der Gesellschaft in
Einzelne, „weil eben nicht mehr das ganze Spektrum des Lebens die Klammer ist“. Über seine Situation
als Schriftsteller im Dorf sagte er: „Wenn die Verstädterung der Dörfer auch nicht
aufzuhalten sei, gebe es doch noch immer ein beispielhaftes soziales
Geflecht,in dem sich die allgemeine soziale Wirklichkeit genauer widerspiegele,
jedenfalls für ihn deutlicher sichtbar würde, als das in einer größeren Stadt sein
könnte….“
Hans Bender – Die
Wallfahrt - 2 CD Erzählungen aus der Zeit zwischen Weltkrieg und
Wunderjahren
Es lesen Annelie Geyer und Hans
Bender Instrumentalmusik mit Flügelhorn (Stephan M.
Goecke) und Leon Schurz (Kontrabass) Gesamtspielzeit 136
Minuten ISBN 978-3-9813197-0-5 24,50 €

Über Hans
Bender
1919 in Mühlhausen/Kraichgau geboren, lebt Hans
Bender seit 1959 in Köln.
"Hans Bender gehört aus mindestens
zwei Gründen ins Zentrum der westdeutschen Nachkriegsliteratur: als
Meister der realistisch-knappen, dichten, scharf beobachteten
Kurzgeschichte und als Herausgeber von Anthologien und
Zeitschriften, vor allem der bedeutsamen Literaturzeitschrift
"Akzente" (1954-1980). Seit den sechziger Jahren spätestens hat der
Vermittler den Poeten immer mehr zurückgedrängt, doch sind auch
weiterhin literarische Texte entstanden, die vom Rang dieses Autors
zeugen." (Michael Buselmaier).
Michael Krüger, Lyriker und
Lektor des Hanser-Verlages, erinnerte an Benders Vermittlertätigkeit
so: "Wir dagegen, die diese Generosität, diese lebenslange
Freigiebigkeit erleben und empfangen durften… haben alle von ihm
profitiert."
Bender selbst wollte lebenslang nichts anderes
sein, als ein Regionalist, also jemand, der - wie Günter Grass,
Martin Walser oder Uwe Johnson - von seiner ihm vertrauten Heimat
erzählt. Der Kraichgau, in dem er als Sohn eines Gastwirtes im
katholischen Dorf geboren wurde, ist Mittelpunkt von Benders Welt.
Sein umfangreiches Prosawerk "reicht tief in die Jahre der Kindheit,
Wirtsstube und Klosterschule zurück, ohne ein anderes Hauptthema,
Krieg und Gefangenschaft, aus dem Auge zu lassen." (Michael
Buselmaier)
"Fünf Jahre Krieg als Soldat wider Willen, fünf
Jahre Gefangenschaft in Rußland … Hans Bender ("Ich schreibe kurz")
ist einer der wenigen, die nicht wehleidig über die vertanen Jahre
klagen und das erlittene Unrecht anprangern. Er berichtet hart,
kalt, schmucklos. Er schreibt sich einen Albdruck vom Herzen, ohne
Wehleidigkeit, ohne Pathos, ohne große Szenerie. Jeder Satz trifft,
und wie sparsam er die Farben auch setzt, sie prägen sich
unvergesslich ein und lassen den Leser nicht mehr los" schreibt
Walter Widmer über Hans Benders frühe Geschichten.
Bender
beschreibt nicht die Aktionen des Krieges, wie ein Ernst Jünger nach
dem ersten Weltkrieg es tat. Nein, nicht von "Mannesmut und
Tapferkeit" erzählt er, sondern, "von menschlichem Verhalten in
seiner Ohnmacht und seinen kleinen, vergeblichen Protesten. - Mein
Verhalten vor allem. Mein zwiespältiges." präzisiert er. Mit dieser
unheroischen Sicht auf unsere Existenz ist Bender einem Tschechov
verwandt und darum sind wohl auch seine frühen Erzählungen
merkwürdig frisch geblieben, im Unterschied zu vielen engagierten
Erzählungen seines Freundes Heinrich Böll und seiner Kollegen aus
der Gruppe 47.
Einige seiner Geschichten, die hier zu hören
sind, gingen um die Welt, so "Iljas Tauben" und "Die Wölfe kommen
zurück". Sie haben ein "wildbewegtes Leben" (Michael Krüger) hinter
sich. Sie sind "Facetten seiner Biographie, die Kindheit auf dem
Dorf, Stationen seiner Generation, Kaserne, Front Gefangenschaft:
Mitschuld und Sühne, die seine Erinnerung
bedrängen."
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Im Verlag Buchhandlung
Rübezahl
"Etz bass off" von Eberhard L. Betz und Albrecht
Thielmann
Wir leben in einer Zeitenwende. Die
Menschen verlassen die alte Welt. Was einst fest schien, trägt nicht
mehr. Was hinter uns liegt, soll in Erinnerung bleiben. Was vor
liegt, ist bedenklich. Mitten drin stehen wir und lachen dabei auch
schon mal.
An vieles Erfahrene erinnern wir in diesem Buch.
Eberhart L. Betz hat es in Platt gedichtet: Von uns, den Menschen im
alten Dillkreis und er hat es gleich auf "fürnehm" übersetzt und
dazu hat er noch Bilder gemalt.
Die Stimmen von Brunhilde
Cuntz, Helmut Nix, Marianne Seibert, Annelie Geyer und Ulrich Betz
sind ein lebensechtes Hörerlebnis unseres heimischen Dialektes. So
wird Dorfgeschichte wieder zum Leben erweckt und auf einer
"modernen" CD gebrannt, dauerhaft bewahrt.
Unsere Sprecher
haben auch von ihrer Zeit in den Dörfern erzählt und Albrecht
Thielmann hat es aufgeschrieben. Illustriert durch Genrebilder,
des Grafikers und Malers Wilhelm Thielmann und des Malers Heinz
Aubel, entsteht ein anschauliches Bild des dörflichen
Alltagslebens.
Stadtarchivar Rüdiger Störkel schreibt: "Einer
der wichtigsten Autoren der heutigen Heimatliteratur an der Dill ist
Eberhard L. Betz."
"Etz bass off" in Sechshelden
vorgestellt (Carsten Müller in der Haigerer Zeitung vom
4.12.2007)
"Dem Dialekt ein Denkmal
setzen"
Haiger-Sechshelden. "Etz bass off" ist der Titel eines
Mundart-Sammelbandes, der übersetzt ins Hochdeutsche "Jetzt pass
auf" lauten würde. Dieser Aufforderung sind am Wochenende viele
interessierte Besucher nachgekommen, als die Herausgeber Albrecht
Thielmann und Eberhard Betz das Buch gemeinsam mit ihren Co-Autoren
vorstellten. Schon die ersten Kostproben aus dem vielseitigen Werk,
gelesen von Marianne Seibert und Eberhard Betz, wurden von den mehr
als 100 Zuhörern im Dorfgemeinschaftshaus Sechshelden positiv
aufgenommen.
Bürgermeister Gerhard Zoubek (Haiger) und
Stephan Aurand (Dietzhölztal), deren Kommunen das Buch finanziell
unterstützt hatten, würdigten es als einen wichtigen Beitrag. Beide
bedankten sich für das Engagement aller Mitwirkenden und wünschten
dem Projekt viel Erfolg.
"Wir wollten dem Dialekt ein Denkmal
setzen und ihn fördern", erklärte Albrecht Thielmann die Motivation
der Herausgeber. Eberhard Betz ergänzte: "Mit dem Aussterben der
Mundart gewinnen unsere Dörfer zwar an Weltläufigkeit, aber sie
verlieren an Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl".
Wer "Etz
bass off" durchblättert, der erkennt eine klare Struktur. Im ersten
Teil finden sich Gedichte und Geschichten auf "Platt", die der aus
Sechshelden stammende Eberhard Betz verfasst hat. Seine Texte sind
nach Themen geordnet - er widmet sich der Zeit "Noo'm Kriich" (nach
dem Krieg) ebenso wie den "Mannsleu" (Mannsleuten) oder der "Mamme"
(Mutter). Alle Beiträge
finden sich auch in hochdeutscher Übersetzung und sogar ein kleines
Nachschlage-Wörterbuch haben die Herausgeber im Anhang
ausgearbeitet.
Im zweiten Teil geht es weiter mit
"Biografischen Erzählungen". Albrecht Thielmann hat Erlebnisse und
Berichte von Brunhilde Cuntz, Marianne Seibert, Helmut Nix, Ulrich
Betz, Eberhard Betz und Annelie Geyer niedergeschrieben. Hier werden
Erinnerungen an das frühere dörfliche Leben und an den Umgang mit
der Mundart festgehalten.
Im dritten Teil widmet Thielmann
sich den Malern, denn "Etz bass off" wartet auch mit vielen Bildern
auf. Diese stammen vor allem von dem Herborner Maler Wilhelm
Thielmann, der in seinen Darstellungen die Lebenswelt der Menschen
in früheren Zeiten veranschaulicht.
Den abschließenden Teil
des Buches bilden einige Aufsätze, die das Thema Mundart noch einmal
differenziert beleuchten. Mit Martin Walser, der "Bemerkungen über
unseren Dialekt" macht, findet sich auch ein prominenter Name unter
den Autoren. Natürlich darf in diesem Abschnitt auch ein Beitrag in
Anlehnung an den heimischen Schriftsteller Roderich Feldes nicht
fehlen, dem der Wandel des Dorfes ein wichtiges Anliegen
war.
Dass das Buch nicht in der Vergangenheit verharrt, macht
eine Analyse der Jugendsprache von Albrecht Thielmann deutlich.
Viele Beispiele, so führte er bei der Buch-Präsentation aus, seien
darauf zurückzuführen, dass einer Sprache ohne Dialekt oft die
Deutlichkeit fehle.
Das Mundart-Werk ist allerdings nicht nur
ein Lese- und Bilderbuch, sondern beinhaltet zugleich auch noch ein
Hörbuch. Brunhilde Cuntz, Marianne Seibert, Helmut Nix, Eberhard und
Ulrich Betz sowie Annelie Geyer haben in einem Tonstudio die
Dialekt-Texte aufgenommen. Einen kleinen musikalischen Beitrag
steuerte der Niederschelder Gesangverein mit "Zwischer Kornberg on
Schdroud" bei.
Einen ersten Eindruck von Buch und Hörbuch
vermittelten die Mitwirkenden bei der Premiere, zu der sie kleine
Ausschnitte lasen. Da ging es beispielsweise um den Alltag einer
Mutter im Jahr 1946 und im Jahr 1996, um die Ankunft der
"Bittschöner" genannten Sudetendeutschen oder um "Neues vom
Ausscheller", der die Dorfnachrichten verkündete. Das Publikum
quittierte das Gehörte mit kräftigem Beifall und verlangte nach
Zugaben und damit nach weiteren Einblicken in "Etz bass off".
Das als
"Sprachmuseum der Region" gedachte Buch (Verlag Buchhandlung
Rübezahl, Dillenburg) ist ab sofort im Handel erhältlich und kostet
inklusive Doppel-CD 29,50 Euro.
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... ein Beispiel aus der Buchwerkstatt
des Verlags Buchhandlung Rübezahl ...
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Bücher von Eberhard L. Betz
Das Ende und ein Anfang -
Heimkehr an die Dill 112 Seiten, 8,90
Euro Verlag Buchhandlung
Rübezahl
Hüttenplatz - Mord und
Erinnerung 312 Seiten, viele
Illustrationen, 14,50 Euro Verlag Weidenbach
Malukkes
Experiment 165 Seiten, 12,80 Euro Verlag
Buchhandlung Rübezahl
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Das
Ende und ein Anfang - Heimkehr an die Dill
Die
Nachkriegsgeschichte des früheren Dillkreises wäre ohne Eberhard L.
Betz ärmer dokumentiert. Immer wieder erzählt er in seinen
zeitgeschichtlichen Romanen von der extremen Erfahrung seiner
Generation, die als Jugendliche in den Krieg ziehen mußten und stark
dezimiert heimgekehrt, ein ruiniertes Land vorfanden. Er hat in
seiner ersten Erzählung "Gustav" die Indoktrination dieser Jungen
durch die nationalsozialistische Ideologie und ihre "Verheizung" an
den Fronten beschrieben.
In der hier vorliegenden Erzählung
"Das Ende und ein Anfang", die in dem lange vergriffenem Band "Wie
Bäume im Sturm" erschien und dort chronologisch "Gustav" folgt,
berichtet Betz von der Zeit nach dem Zusammenbruch des
Hitlerregimes, von der "Umerziehung" im amerikanischen Lager und von
der Heimkehr in die Heimat. Betz berichtet auch von uns unbekannten
Seiten der Umerziehung im Lager. Er erinnert an Demütigungen, die an
Ereignisse in Abu Ghureib (Irak) denken lassen.
Die Familien
in den Dorfern - zunächst unter Besatzungsregime - haben auf die
Heimkehrer gewartet. Viele kommen nicht mehr. Fremde Deutsche aus
dem Osten sind in die Häuser eingewiesen worden.
Vieles ist
zerrüttet, aber nicht alles ist hoffnungslos. Sein Protagonist
wandert durch ein von Bomben verwüstetes Land in sein Dorf an der
Dill. So ist schon ein weiß überzogenes, sauberes Bett für den
Heimkehrer ein Wunder. Das vertraute, leicht fehlerhafte Spiel des
Organisten im Gottesdienst rührt unendlich und zeigt ihm: Du bist
noch einmal davongekommen.
Betz beschreibt die so merkwürdig
sich neu ordnende Gesellschaft nach der Katastrophe und überliefert
uns eine äußerst seltene Beschreibung der Gefangenschaft bei den
Amerikanern.
Albrecht Thielmann

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Dillenburger Geschichte am Hüttenplatz
Hüttenplatz - Mord und
Erinnerung
Geschichte aus unserem heimischen Raum, in den Archiven
vergessen, anschaulich erzählt. Eberhard L. Betz holt sie in unsere
Erinnerung zurück. In vier Erzählungen wird das Leben unserer
Vorfahren auf dem Hüttenplatz lebendig.
"Herwensches
Viertel" und Antreteplatz
Gern berichte ich hier von den
heiter durchmischten Erzählungen, die die Dillenburger kennen
müssen, weil die eigene Stadt im Gedächtnis ein Gesicht haben muß
mit Lachfältchen und Narben und Wehmut. Dazu helfen die Erinnerungen
von Betz an den alten Hüttenplatz und an den Adolf Hitlerplatz
(30iger Jahre!, sonst Wilhelmsplatz) mit Zimmerschieds Gasthaus, wo
es auch das "Herwensches Viertel" gab. Ferner gab es am Platz einen
kuriosen Laden voller süßer Köstlichkeiten. Betz erinnert an seine Schulzeit im Gymnasium
in der Maibach, beschwört dabei den alten Schulgeist und
Lehrergestalten. Heimatkunde und sogar die Geschichte vom
Hüttenplatz zu lernen war damals eiserne Pflicht. Die kuriose
Feuerzangenbowle wäre nicht weit weg, wenn da nicht die strammen
Aufmärsche der militärisch gedrillten Hitlerjugend auf dem manchmal
rußbedeckten Platz wären und der bald folgende Marschbefehl für den
erst 17-jährigen an die Front. An die Menschen in den Häusern und
ein Findelkind auf dem Hüttenplatz erinnert Betz, auch an den Zauber
den Dorfkinder empfanden, die an Marktagen mit der in allen Dingen
imposanten Tante Erna in die Stadt durften und am Hüttenplatz bei
der vornehmeren Tante Lies städtischen Kuchen aßen. Schön zeichnet
Betz hier nebeneinander vergangene Frauenfiguren aus Dorf und
Stadt.
Mord am Hüttenplatz
In der Erzählung
"Mord am Hüttenplatz" steht das Leben der Bewohner und die Arbeit in
den Werkstätten in der ersten Hälfte des 16.Jahrhunderts noch einmal
vor uns auf. Ein Mord geschieht im Gasthaus Stiefel. Wir lernen nun
im Zuge der Aufklärung der schlimmen Tat den Alltag unserer
Vorfahren kennen. Am Hüttenplatz wurden Rennöfen gebaut, um Eisenerz
zu verhütten. Technischer Fortschritt eines findigen Hüttenmanns
führt zu Spannungen und auch zu diesem Mord. Und wir sehen die uns
bekannten Straßen, die Gebäude und das Schloss über der Stadt von
unseren Vorfahren bewohnt, die so ganz anders lebten als die
Heutigen und harte Überlebenskämpfe im Krieg und im Frieden
auszufechten hatten. Viel erfahren wir von der Welt der
Handwerker. Ihre Produkte haben bei Betz noch eine Aura, verkörpern
einen Wert, weil sie noch notwendig waren in jenen Zeiten als es
noch keine Wegwerfgesellschaft gab. Wir lesen auch von frommen
Bauern, die Gerechtigkeit und ihren Seelenfrieden suchen. Und die
Frühzeit der Reformation bricht in ersten Blitzen in der Dillenburg
auf dem Schlossberg ein.
Waffen SS und Dillenburger
Spruchkammer
Auch die Erzählung "Auch eine
Heimkehr" enthält markante lokale Ereignisse aus der Nachkriegszeit
und wird die "political correctness" gewaltig stören: Spruchkammer
und Wirtschaftswunder im Dillkreis; den Lebensweg eines ehemaligen
Waffen-SS-Manns, der ein Motor beim Aufbau eines aufblühenden
heimischen Bauunternehmens wurde, als man die Vergangenheit
vergessen wollte. Betz erzählt von seiner Generation, die
blutjung in jenen Eroberungskrieg gezogen wurde; in seiner
Geschichte wird der Protagonist in eine Waffen- Einheit gezwungen.
Betz plädiert, genau hinzusehen, gerecht zu urteilen.
Da
steht vor der Türe des Elternhauses ein blutjunger Kriegsheimkehrer
namens Alfred. Ihm fehlt ein Bein, eine Gesichtshälfte krampft und
das wird so bleiben. Seine zerlumpten Kleider tragen die Buchstaben
PG (d.h. Kriegsgefangener) und darunter das SS-Zeichen. Er gehörte
zu jener berühmten Flakhelfergeneration. Er ging nicht freiwillig
zur Waffen-SS. Er wurde in keine Verbrechen verstrickt. Vor der
Spruchkammer für Entnazifizierung wird er wegen Mitgliedschaft in
der Waffen-SS zu einer Geldstrafe verurteilt. Sein ehemaliger Lehrer
hat sich in der Kammer in einen selbstherrlichen Richter gewandelt.
Eine Laufbahn im öffentlichen Dienst wird unmöglich. Wird man ihm
noch gerecht werden? Er bleibt mitten im für ihn so erfolgreichen
"Wirtschaftswunder" ein Mensch, der seine Identität verloren hat. Er
fühlt sich als Verbrecher gebrandmarkt. Betz beschönigt nichts: Er
hat die Konsequenzen der nationalsozialistischen Ideologie, die in
den zweiten Weltkrieg führte, in seiner früheren Erzählung "Gustav"
beschrieben. Betz plädiert: Die Menschen nicht über einen Kamm
scheren, niemanden mit pauschalen Urteilen erschlagen. Das Leben der
Menschen in den Zwängen, denen sie ausgesetzt waren, erfassen. Das
Prüfen ist eine Forderung der Humanität. So hält es Betz mit seinem
Waffen- SS-Mann, dem Kind seiner Generation, die, blutjung, in jenen
Eroberungskrieg gezwungen wurde. Diese Kriegsgeneration hat es den
Jüngeren allerdings schwer gemacht, eine gerechte Antwort zu finden,
denn Widerständler waren im besiegten Volk nicht beliebt.
Ein
Buch von und für die Dillenburger Geschichte, dass sie in Erinnerung
bleibt.
Auf dem Hüttenplatz
Als 1998 der
eiserne Hüttenmann ohne Worte plötzlich auf diesem Platz stand, wie
der berühmte Kaspar Hauser und nicht wußte, wer er war, entstand die
Hüttenplatzinitiative, die dann die Geschichte der Hüttenmänner und
der Platzbewohner ausgrub, sie mit einem fröhlichen Volksfest
feierte und so den eisernen Mann doch noch ohne herrschaftlichen
Segen in die Historie einweihte. Herr Betz war dabei. Und er hat
damals das bunte Leben an diesem Platz in einem heiteren Gedicht
gewürdigt. Das Oranierdenkmal auf dem Schloßberg wenige Jahre später
wurde dagegen mit Pomp wahrhaft offiziell und feudal begrüßt. Wie
früher also: die da oben und die da unten.

Der
Autor, Dr. med. Eberhard Ludwig Betz, wuchs in Sechshelden auf
und war bis 1993 Professor und Direktor eines Lehr- und
Forschungsinstituts in der medizinischen Fakultät in Tübingen. Er
ist Autor zahlreicher Fachbücher. Er ließ den Kontakt zu seinem
Heimatdorf nie abreißen, seine Mundart verlernte er nicht. In
Pension, als "Emeritierter"- er war nun von der täglichen Fron
befreit- begann er von seinem Dorf und aus der Geschichte des alten
Dillkreises zu erzählen.
Die alten Dörfer lebten einst als
Fixpunkte in den Menschen weiter, wenn sie in die" Fremde" gingen;
die alten Lieder bezeugen noch die Gefühle. Eine solche Erfahrung
muß auch der Sechsheldener Eberhard Betz gemacht haben.
Ei Lina’sche, ei
Miel’sche
Der Sechsheldener Heimatforscher Walter Klein
erzählte gern die Anekdote von einem Sechheldener Jungen, der es zum
Professor in Gießen gebracht hatte. Jener Professor, von dem
Klein erzählte, war in den dreißiger Jahren mit seinen Studenten in
Gießen unterwegs und erkannte unter den Passanten zwei ältere
Bäuerinnen aus seinem Heimatdorf. Er ließ sofort seine Studenten
stehen und begrüßte die Frauen in der Mundart der Sechsheldener: "Ei
Lina’sche, ei Miel’sche "und er erkundigte sich eingehend nach ihnen
und dem Dorf. Erstaunt waren die Studenten über die Sprache ihres
Professors - sie verstanden sie nicht - über seine überschwengliche
Freude, seine Leutseligkeit, seine Vertraulichkeit – war doch ihr
Lehrer sonst gemessen und zurückhaltend. Ein solches Verhalten würde
auch zu dem Professor Betz passen. Solche Lebensgeschichten von
Menschen, die ein Bild von ihrem Dorf in sich tragen, als ruhenden
Punkt , wird es nicht mehr geben. Die Kinder des Fernsehens nehmen
nur noch einen schmalen Ausschnitt ihres Wohnortes wahr; der Dialekt
mit seinen eigenen Ausdrucksmöglichkeiten für das Gefühl und die
Umwelt stirbt aus.

Der
Professor und sein Dorf
Eberhard l.Betz veröffentlicht in
diesem Band neue Erzählungen. Das Leben unserer Vorfahren am
Hüttenplatz steht im Mittelpunkt. Als 1998 der eiserne Hüttenmann
ohne Worte plötzlich auf diesem Platz stand, wie der berühmte Kaspar
Hauser und nicht wußte, wer er war, entstand die
Hüttenplatzinitiative, die dann die Geschichte der Hüttenmänner und
der Platzbewohner ausgrub, sie feierte und so den eisernen Mann doch
noch in die Historie einweihte. Herr Betz war dabei und er hat
damals das bunte Leben an diesem Platz in einem heiteren Gedicht
gewürdigt. Das Oranierdenkmal auf dem Schloßberg wenige Jahre später
wurde mit Pomp wahrhaft offiziell und feudal begrüßt.Diese war
fürstlichen Geblüts, die erste nur bürgerlicher Herkunft.
Mit seiner neuen Erzählung "Mord am Hüttenplatz" belebt er
den Platz noch einmal mit seinen Bewohnern in der ersten Hälfte des
16.Jahrhunderts. Ein Mord geschieht im Gasthaus Stiefel. Wir lernen
im Zuge der Aufklärung die Arbeitswelt unserer Vorfahren kennen. Am
Hüttenplatz wurden Rennöfen gebaut, um Eisenerz zu verhütten.
Technischer Fortschritt eines findigen Hüttenmanns führt zu
Spannungen und auch zu diesem Mord. Betz schildert die Mühsal der
alten Hüttenarbeit. Wir sehen die uns bekannten Straßen und Gebäude
und das Schloß über der Stadt von unseren Vorfahren bewohnt, die so
ganz anders lebten und harte Überlebenskämpfe auszufechten hatten.
Wenn Geschichte etwas lehrt, dann dieses: Durch jeden Fortschritt
geht viel Wissen verloren. Eberhard Betz hält Epochen heimischer
Geschichte fest.
Das ganze Spektrum des
Lebens
Die Schriftsteller begannen sich Ende der
siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts auffallend mit "Heimat"
zu beschäftigen. Sie registrierten verwundert, daß mit dem
Verschwinden der herkömmlichen Landwirtschaft ihre Dörfer sich
rapide wandeln, offensichtlich in "Schlafdörfer", denn man fuhr zum
Schlafen dorthin. Schriftsteller, die aus Dörfern stammten,
begannen die dörfliche Lebenswelt zu rekon-struieren; sie
beschrieben den Wandel, sie hielten das fest, was überlebte. Es
wurde offensichtlich, daß mit den Dörfern und ihren Landschaften
unwiederruflich eine 1000-jährige Lebenskultur
verschwand.
Roderich Feldes, Autor in unserem heimischen
Raum, hat hartnäckig in seinem Werk das Besondere dieser dörflichen
Welt noch einmal aufleben lassen und ihren Verlust angezeigt. In
seinem Roman " Verschwinden der Harmonie" sagt eine Figur: "Und auch
im Dorf werden die Gruppen immer kleiner, maximal noch
Kegelclubgröße, weil eben nicht mehr das ganze Spektrum des Lebens
die Klammer ist, sondern Berufe, Anschauungen, Selbsteinschätzungen,
Hobbys, die Kontakte bedingen."
Die alten Dörfer lebten
einst als Fixpunkte in den Menschen weiter, wenn sie in "die Fremde"
gingen; die alten Lieder bezeugen noch die Gefühle. Eine solche
Erfahrung muß auch der Sechsheldener Eberhard Betz gemacht haben. Er
lies den Kontakt zu seinem Heimatdorf nie abreisen, seine Mundart
verlernte er nicht. Als Emeritierter, er war nun von der täglichen
Fron befreit, begann er von seinem Dorf zu erzählen.
Eine
Anekdote, die der Sechsheldener Heimatforscher Walter Klein gern
erzählte, macht deutlich, was jene lebenslange Verbundenheit mit dem
Heimatort bedeuten kann. Ein Sechsheldener wurde in den 30iger
Jahren Professor in Gießen. Als er einmal in der Universitätsstadt
mit seinen Studenten unterwegs war, erkannte er unter den Passanten
zwei ältere Bäuerinnen aus seinem Heimatdorf. Er ließ seine
Studenten stehen und begrüßte die Frauen in der Mundart der
Sechsheldener: "Ei Lina’sche, ei Miel’sche "und er erkundigte sich
eingehend nach ihnen und dem Dorf. Erstaunt waren die Studenten über
die Sprache ihres Professors - sie verstanden sie nicht - über seine
überschwängliche Freude, seine Leutseligkeit, seine Vertraulichkeit
– war doch ihr Lehrer sonst gemessen und zurückhaltend.- So ähnlich
könnte man auch von Eberhard Betz erzählen. Lebensgeschichten von
Menschen, die aus dem Dorf in die ferne Welt gehen und das Bild
ihrer Heimat mit sich tragen, als ruhenden Ort in sich, wird es bald
nicht mehr geben. Die Kinder des Fernsehens nehmen nur noch einen
schmalen Ausschnitt ihres Wohnortes wahr; der Dialekt mit seinen
reichen Ausdrucksmöglichkeiten des Gefühls und der Umwelt stirbt
aus. Vom Stadtteil (Sechshelden ist heute ein Stadtteil) bleibt den
heute Heranwachsenden die Erinnerung an ihren privaten Bereich,
ansonsten Erinnerungen, die alle Kinder haben: vielleicht an das
Sandmännchen, aber nichts sozial Übergreifendes: kein ganzes
Dorfspektrum prägt sich mehr ihrem Inneren ein.
Eberhard
Betz, ein Verfasser von viel genutzten medizinischen Standardwerken,
schrieb auch Gedichte in der Mundart, die er als Kind lernte. Den
Dialekt nahm er so genau, daß er zunächst in Holzhäusener Dialekt
schrieb; dort wohnten in seiner Kindheit seine Eltern. Sein weit
verbreiteter Gedichtband "Aus’m Dellfeld" ist dann im Sechsheldener
Dialekt verfaßt.
Seine Gedichte haben Bodenhaftung. Sie
verehren nicht im vagen Raum große Gefühle, sie haben konkrete
Geschichte und halten fest, was unsere Dörfer waren, was aus ihnen
wurde.
So wird in einer gewitzten Gegenüberstellung berichtet
vom Alltag einer Mutter im Jahre 1946 und einer Mutter1996. Die
Mutter 1946 ist ausgefüllt mit ihren Pflichten in Haus und
Landwirtschaft und sie wirtschaftet in ihrer kargen Küche. Ihre
Arbeit und die alltäglichen einfachen Gegenstände ihres Lebens haben
eine bezwingende Würde: Sie sind noch notwendig. !996 steht die
Hausfrau in ihrer modernen Küche mit einem komfortablen
Maschinenpark. Jetzt hat sie leichte Herzbeschwerden und schwere
Probleme mit der Freizeitgestaltung. Dieses balladenhafte Gedicht,
mit dem jeder Lehrer seine Schüler im auch vergnüglichen
Sauseschritt durch einige Jahrhunderte ländlicher Kulturgeschichte
führen könnte, kennt vermutlich kaum ein Pädagoge in unserer ganzen
Region.
Die Flakhelfergeneration – Arzt auf dunklem
Pfad
Die Nachkriegsgeschichte des früheren Dillkreises
wäre ohne Betz ärmer dokumentiert. Immer wieder erzählt er in seinen
zeitgeschichtlichen Romanen die unglaubliche Erfahrung seiner
Generation , der jungen Kriegsgeneration, die ungefragt als Schüler
in nationalsozialistische Organisationen eingegliedert wurde, ebenso
ungefragt in den Krieg ziehen mußte und stark dezimiert heimgekehrt,
ein ruiniertes Land vorfand. Ihr jugendlicher Idealismus war
betrogen worden; gedemütigt und kriegsversehrt mußte sie
schnurstracks an die Aufbaufront. Diese Generation der Flakhelfer
waren Kinder der Diktatur. Woran sollten sie sich
orientieren?
In der Nachkriegserzählung "Wie Bäume im Sturm "
berichtet Betz, wie Umerziehung im amerikanischen Lager auch ging:
Antreten mußten die Gefangenen und sagen: "Ich bin ein deutsches
Schwein." Dieser Teil der Umerziehung zur Demokratie ist wenig
dokumentiert. Er war tabuisiert. Betz erinnert an sie. Wie schwer
selbst der "Nation der Menschenrechte" im konkreten Fall, hier im
Irak, die Einhaltung dieser Rechte fällt, haben uns die törichten
Sieger in Abu Ghureib ins Stammbuch der menschlichen Geschichte
geschrieben.
Auch im Roman "Arzt auf dunklem Pfad" erfahren
wir auf dem Lebensweg eines Arztes im Dillkreis vom Trauma der
Kriegsgeneration, vom Leben der kleinen Westerwalddörfer nach
Kriegsende, von der trostlosen Verlassenheit einer
Flüchtlingsfamilie in einer armseligen Stube im
Westerwald.
Auch eine Heimkehr
Die zweite große
Erzählung in diesem Band "Auch eine Heimkehr" enthält ebenfalls
markante lokale Ereignisse zur Nachkriegszeit. Da steht vor der Türe
des Elternhauses ein blutjunger Kriegsheimkehrer namens Alfred. Ihm
fehlt ein Bein. Seine zerlumpten Kleider tragen die Buchstaben PG
(d.h. Kriegsgefangener) und darunter das SS-Zeichen. Auch er gehörte
zu jener Flakhelfergeneration. Dieser blutjunge Alfred ging nicht
freiwillig zur Waffen-SS. Er wurde in keine Verbrechen verstrickt.
Eine Folge des Krieges: Seine eine Gesichtshälfte krampft und das
wird so bleiben.
Ihm steht die Spruchkammer für
Entnazifizierung bevor. Er ist belastet durch jene Mitgliedschaft
(unfreiwillig, wie er verzweifelt erinnert) in der Waffen-SS und
einer Geldstrafe verurteilt. Sein ehemaliger Lehrer hat sich in der
Spruchkammer in einen Richter gewandelt und übt selbstherrlich
Justiz. Eine Laufbahn im öffentlichen Dienst ist
unmöglich.
Wird man ihm noch gerecht werden? Seine spätere
Laufbahn repräsentiert das merkwürdige " Wirtschaftswunder", das aus
den Trümmern erwuchs. Er aber bleibt mitten in diesem "Wunder" ein
Mensch, der seine Identität verloren hat. Er fühlt sich als
Verbrecher gebrandmarkt.
Betz beschönigt keine Schandtaten:
Er hat die Konsequenzen der nationalsozialistischen Ideologie, die
in den zweiten Weltkrieg führte, in seiner Erzählung "Gustav"
beschrieben. Diese Erzählung erschien mit breiter Wirkung als
Fortsetzungsroman in der heimischen Zeitung, wurde gelesen und von
manchen aufbewahrt.
Betz plädiert: Die Menschen nicht über
einen Kamm scheren, niemanden mit pauschalen Urteilen erschlagen.
Das Leben der Menschen in den Zwängen, denen sie ausgesetzt waren,
erfassen.
Das fällt meist sehr schwer. Jede Generation formt
ihre eigenen Bilder vom Guten und Bösen. Diese Bilder werden zu
einer kollektiven Macht, die scheinbare Sicherheit verleihen. Als
kollektive Vorgaben werden sie wie Parolen leicht befolgt und ebenso
leicht wird man im Kollektiv schuldig. Aber nicht jeder, der ins
Kollektiv gezogen wurde, ist schuldig.
Das genaue Prüfen, ob
einer in einer Uniform der Bösen auch schuldig wurde, ist eine
Forderung der Humanität. Diese ist kein Geschenk, das in den Schoß
fällt, sondern eine Anstrengung. Gerechtigkeit durch genaues
Hinsehen auf die Person, ihr Alter und die Umstände. So hält es Betz
mit seinem Waffen- SS-Mann, dem Kind seiner Generation, die blutjung
in jenen Eroberungskrieg gezwungen wurde.
Allerdings: Zu
jeder Zeit gab es Menschen, die sich den Trommeln und Befehlen der
Diktatoren entzogen und widersetzten. Wer verhalf dem etwas älteren
Schreiner Georg Elser 1940 zur Einsicht in die Diktatur und zum
Entschluß, sein kühnes Attentat auf Hitler allein zu planen und
durchzuführen. Nur der Münchner Nebel hat den Erfolg verhindert. Die
politischen Lehren aus der Arbeiterbewegung belehrten ihn. Aber ohne
seine Kühnheit und Ausdauer wäre ihm nichts möglich
gewesen
Solche Widerständigen müssen einem gegenwärtig sein,
wenn man hört und sieht, daß sich Menschen den Parolen ihrer Zeit
fügen, früher, wie heute.
Als Eberhard Betz in der
Buchhandlung Rübezahl Teile der Erzählung vom jungen Waffen-SS-Mann
Alfred vorlas, stellte ich den Älteren im Publikum die Frage: Haben
die Soldaten nicht, als sie mit den Panzern über die Grenze nach
Rußland fuhren, das Gefühl gehabt:" Wir sind hier Fremde, wir haben
hier nichts zu suchen, wir betreten fremdes Territorium?" Meine
Frage wurde wohl als ignorant empfunden: "Sie können so was leicht
fragen, das war eine ganz andere Zeit" Hier haben wirklich beide
Seiten massiv recht.
Die Kriegsgeneration hat und Jungen
allerdings eine gerechte Antwort schwer gemacht, denn Widerständler
waren im besiegten Volk nicht beliebt: Ein junger Willy Brandt wurde
für seinen untadeligen Weg in die Emigration und in die
Widerstandarbeit als Vaterlandsverräter denunziert, aus der Mitte
der Gesellschaft heraus.
Die Obrigkeit und die
Untertanen
Betz schrieb drei Geschichtsromane, der
jüngste wird in diesem Band veröffentlicht. Alle sind in Dörfern und
kleinen Städten Dorf angesiedelt. Zwei im heimischen Raum. Der
Roman" Bauernkappe und Fürstenhut" ist einer Sechsheldener Chronik
aus dem 18 Jahrhundert nacherzählt und spielt zur Zeit des letzten
Dillenburger Fürsten Christian. Fürstlich war in dieser Zeit der
Stand der Dillenburger Schlossherrn, denn im 30-jährigen Krieg wurde
der Frontwechsel und teure Kriegseinsatz des Landesherrn auf dem
Schloß lediglich mit der Beförderung in den fürstlichen Stand
belohnt. Auch seine Untertanen wurden damit in eine höhere Stufe
gehoben. Sie durften höhere Abgaben leisten, denn ein fürstlicher
Hofstaat mußte auch fürstlich gehalten werden. Von der Lebenswelt
dieser armen Bauern erfahren wir durch jenen Bauernjungen im Roman,
der Kammerdiener beim Fürsten wurde.
Einen großen Stoff über
das untertänige Leben unserer bäuerlichen Vorfahren fand Betz auch
dokumentiert in der schwäbischen Alb, in der Nähe von Hechingen. Die
Herren aus dem Fürstenhaus von Hohenzollern hatten ohne
Rechtsgrundlage eine Grenze gegen die Pirsch, die freie Jagd gezogen
und beschnitten damit den verarmten Untertanen in der kargen Alb ein
angestammtes Naturrecht. Auch den immensen Wildschaden mußten sie
dulden. Einige nehmen die Willkür nicht hin. Ein Jagdaufseher kommt
durch einen unglücklichen Schuß durch heimlich jagenden Bauern zu
Tode. Zynische Rechtssprechung und eine grausame Strafe soll an
einem jungen Burschen ein Exempel für alle Zeiten
statuieren.
Betz gelingt der Kunstgriff, das Verhältnis von
Obrigkeit und Untertanen im zentralen wunden Punkt der feudalen
Machtverhältnisse dramatisch zu entfalten: Die Kampfparole im
Bauernkrieg wird sonnenklar:" Die Herren machen es selbst, dass
ihnen der arme Mann Feind wird."
Die Beschreibung einer
Folterszene von Betz könnte den wohligen Schauer erkalten lassen,
wenn unsere heimischen Historiker auf historischen Märkten
geschmäcklerische Wiederholungen der Folter und des Scheiterhaufens
inszenieren.
Wir erfahren in diesem Roman wie auch im
"Hüttenplatz" viel von der Welt der stolzen Handwerker, deren
kunstvolle Arbeitsweise Betz genau beschreibt. Ihre Produkte haben
noch eine Aura, verkörpern einen Wert, weil sie noch notwendig sind
in jenen Zeiten , als es noch keine Wegwerfgesellschaft gab. Wir
hören Bibelworte, die von den frommen Bauern aufmerksam gelernt und
bedacht werden, um in ihnen Gerechtigkeit und Seelenfrieden zu
finden. Wie ich am Anfang sagte: Durch jeden Fortschritt geht
viel Wissen verloren. Eberhard Betz erinnert
daran.
Albrecht Thielmann

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Malukkes Experiment
Erinnerung an
Heimat - mit Hilfe von Elektroden
Der Autor Prof. Dr. med. Eberhard Ludwig Betz wuchs in
Sechshelden auf und war bis 1993 auch Direktor eines Lehr- und
Forschungsinstituts in Tübingen. Er ist Verfasser zahlreicher
Fachbücher und wurde später, eine für unsere Heimatgeschichte so
fruchtbare Entscheidung, Autor zahlreicher Romane, die beeindruckend
die Welt unserer heimischen Vorfahren schildern. Das Leben in den
Jahrzehnten um 1520, 1750 wird anschaulich. So erzählte er zuletzt
aus der Zeit der Reformation in Dillenburg in "Hüttenplatz Mord und
Erinnerung"( Weidenbach-Verlag.) Die Nassauischen Annalen würdigten
jüngst das Werk in einem großen Aufsatz. Sein Hauptmerk richtet sich
allerdings auf die Nachkriegsgeschichte. Seine Kriegs- und
Nachkriegschronik unserer Region ist sein bleibendes und noch nicht
ganz wahrgenommenes Verdienst. Immer wieder berichtet er von der
extremen Erfahrung seiner Generation, die als Jugendliche in den
Krieg ziehen mußten und stark dezimiert heimgekehrt, ein ruiniertes
Land vorfanden. Im Frühjahr erschien dazu seine Erzählung "Das Ende
und ein Anfang, eine Heimkehr an die Dill".
Er ließ den
Kontakt zu seinem Heimatdorf nie abreißen, seine Mundart verlernte
er nicht. Das schönste, was er seiner alten Heimat schenkte, sind
seine zur Zeit vergriffenen weit verbreiteten Dialektgedichte "Aus’m
Dellfeld" die mit ihrem Witz und Charme zum festen Bestand unseres
Heimatgedächtnisses wurden. Sie werden erweitert wieder
erscheinen.
Der neue Roman von Betz ist für Betz- Leser
ungewohnt. Der kubistische Kopf auf dem Buchdeckel, gemalt von
Picasso, zeigt, daß Betz hier einen neuen Weg geht. Das Bild
signalisiert: Die Teile des Kopfes können sich verselbständigen. Sie
haben Funktionen, die ganz verschiedene Teile des Menschen leiten.
Und doch bleibt Betz auch hier dem ihm eigenen Thema, der
Rekonstruktion von Heimat, treu und bereichert es als Arzt und
Forscher mit seinem Wissen über moderne Gedächtnis- und
Hirnforschung, sowie deren Folgen. Es war jetzt zu lesen, Grey,
Deutschlands zweitgrößte Werbeagentur, arbeitet mit dem Hirnforscher
Prof. Elger zusammen. Im Sinne unserer Kunden müssen wir deren
Kunden besser kennenlernen, begründet der Grey-Mann die
Zusammenarbeit: Die Hirnforschung könne den Zugang zur Gefühlswelt
der Konsumenten verbessern.
Bei Betz sind es allerdings noch
neugierige Forscher, die ohne derlei Absichten mit einem neuen,
genialen Verfahren der Gehirnbeeinflussung experimentieren. Der
Hirnforscher Malukke hat eine Methode erfunden, mittels eines
einfach anwendbaren elektromagnetischen Impulsverfahrens über
Elektroden am Kopf längst vergangene, vergessen geglaubte oder auch
nicht lange zurückliegende Ereignisse ganz intensiv wieder erleben
zu lassen. Menschen, die sich diesem Verfahren unterziehen, haben
das Gefühl, sie erleben das Ereignis jetzt. Im Roman lassen vier
Forscher an sich selbst das neue Verfahren zuerst ausprobieren. Wie
schon gesagt, bleibt Betz selbst in diesem Laborszenario unserer
Landschaft treu. Die Forscher stammen offensichtlich aus unserer
Gegend, denn ihre Labor- Erlebnisse spielen sich hier in unserer
Landschaft ab und handeln, wie so oft bei Betz, vom Krieg und von
der Nachkriegszeit.
Der Autor beschreibt nebenbei, was
moderne, sogenannte, bildgebende Verfahren an neuen Erkenntnissen
über eventuelle künftige Schmerzbehandlung in Aussicht stellen.
Einer der Beteiligten erlebt sogar eine Zukunftschau auf diesem
Gebiet.
Auch idyllische ländliche Szenen tauchen auf, schön,
wie sie einmal waren, wenn man von ihnen träumt. Dabei hindert ein
Computerprogramm, mißliche Erinnerungen in der Wahrnehmung
aufzutauchen, indem es Erregungsänderungen im zuständigen Gehirnteil
auslöst.
Kleine Vorlesung: Freier Wille?
Das
heutzutage heftig diskutierte Problem, wie weit die im Gehirn
ablaufenden Prozesse vom Willen völlig frei beeinflußbar sind , wird
von einem der vier Forscher intensiv erlebt und er berichtet,
während er selbst als Versuchsperson den elektromagnetischen
Reizungen ausgesetzt ist. Seine bildhafte Antwort fußt auf einem
umfassenden Wissen der heutigen Hirnforschung und versetzt den Leser
in eine überraschende Vorlesung. Was bleibt in diesem weitgehend
automatisch funktionierenden, materiellen Beziehungsgeflecht vom
freien Willen übrig? Nicht viel, das wird deutlich.
Was
machen Dr. Malukkes Kollegen?
Den Forschern wird bewußt:
Wie weit soll der Mensch seine Forschung treiben? Kann der Forscher
voraussehen, was er mit seinen Verfahren schließlich bewirkt? :
Quidquid agis, prudenter agas et respice finem!, was heißt: Was
immer du tust, tue es mit Fleiß und bedenke das Ende! – auch wenn er
gar nicht weiß, ob das Ende ein Segen oder ein Fluch für die
Menschheit sein wird? Ich denke, nicht nur Firmen wir Grey warten
auf die Ergebnisse solcher sympathischen Forscher. Viele Regimes
dieser Erde verspüren Heißhunger auf solche tiefgreifenden
Möglichkeiten der Manipulation.
Text Buchrückseite:
Bei Experimenten mit einem neuen, genialen Verfahren der
Gehirnbeeinflussung erleben vier Forscher längst vergessen
geglaubte, anrührende Geschichten aus ihrer Vergangenheit. Es sind
sogenannte Déja-vu- Erlebnisse. Einer der Forscher, Dr. Malukke,
findet sich sogar in die Zukunft versetzt.
Der neue Roman von
Professor Eberhard Betz, mit genauer Sachkenntnis der Hirnforschung
geschrieben, erhellt wenig bekannte Grenzbereiche der menschlichen
Willensfreiheit. Mit Realismus und Science–Fiction wird klarer, was
künftig möglich sein könnte.

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