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Verlag Buchhandlung Rübezahl


Neu im Verlag Buchhandlung Rübezahl




"Etz bass off"
von Eberhard L. Betz und Albrecht Thielmann

Wir leben in einer Zeitenwende. Die Menschen verlassen die alte Welt. Was einst fest schien, trägt nicht mehr. Was hinter uns liegt, soll in Erinnerung bleiben. Was vor liegt, ist bedenklich. Mitten drin stehen wir und lachen dabei auch schon mal.

An vieles Erfahrene erinnern wir in diesem Buch. Eberhart L. Betz hat es in Platt gedichtet: Von uns, den Menschen im alten Dillkreis und er hat es gleich auf "fürnehm" übersetzt und dazu hat er noch Bilder gemalt.

Die Stimmen von Brunhilde Cuntz, Helmut Nix, Marianne Seibert, Annelie Geyer und Ulrich Betz sind ein lebensechtes Hörerlebnis unseres heimischen Dialektes. So wird Dorfgeschichte wieder zum Leben erweckt und auf einer "modernen" CD gebrannt, dauerhaft bewahrt.

Unsere Sprecher haben auch von ihrer Zeit in den Dörfern erzählt und Albrecht Thielmann hat es aufgeschrieben.
Illustriert durch Genrebilder, des Grafikers und Malers Wilhelm Thielmann und des Malers Heinz Aubel, entsteht ein anschauliches Bild des dörflichen Alltagslebens.

Stadtarchivar Rüdiger Störkel schreibt: "Einer der wichtigsten Autoren der heutigen Heimatliteratur an der Dill ist Eberhard L. Betz."


"Etz bass off" in Sechshelden vorgestellt
(Carsten Müller in der Haigerer Zeitung vom 4.12.2007)

"Dem Dialekt ein Denkmal setzen"


Haiger-Sechshelden. "Etz bass off" ist der Titel eines Mundart-Sammelbandes, der übersetzt ins Hochdeutsche "Jetzt pass auf" lauten würde. Dieser Aufforderung sind am Wochenende viele interessierte Besucher nachgekommen, als die Herausgeber Albrecht Thielmann und Eberhard Betz das Buch gemeinsam mit ihren Co-Autoren vorstellten. Schon die ersten Kostproben aus dem vielseitigen Werk, gelesen von Marianne Seibert und Eberhard Betz, wurden von den mehr als 100 Zuhörern im Dorfgemeinschaftshaus Sechshelden positiv aufgenommen.

Bürgermeister Gerhard Zoubek (Haiger) und Stephan Aurand (Dietzhölztal), deren Kommunen das Buch finanziell unterstützt hatten, würdigten es als einen wichtigen Beitrag. Beide bedankten sich für das Engagement aller Mitwirkenden und wünschten dem Projekt viel Erfolg.

"Wir wollten dem Dialekt ein Denkmal setzen und ihn fördern", erklärte Albrecht Thielmann die Motivation der Herausgeber. Eberhard Betz ergänzte: "Mit dem Aussterben der Mundart gewinnen unsere Dörfer zwar an Weltläufigkeit, aber sie verlieren an Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl".

Wer "Etz bass off" durchblättert, der erkennt eine klare Struktur. Im ersten Teil finden sich Gedichte und Geschichten auf "Platt", die der aus Sechshelden stammende Eberhard Betz verfasst hat. Seine Texte sind nach Themen geordnet - er widmet sich der Zeit "Noo'm Kriich" (nach dem Krieg) ebenso wie den "Mannsleu" (Mannsleuten) oder der "Mamme" (Mutter). Alle Beiträ
ge finden sich auch in hochdeutscher Übersetzung und sogar ein kleines Nachschlage-Wörterbuch haben die Herausgeber im Anhang ausgearbeitet.

Im zweiten Teil geht es weiter mit "Biografischen Erzählungen". Albrecht Thielmann hat Erlebnisse und Berichte von Brunhilde Cuntz, Marianne Seibert, Helmut Nix, Ulrich Betz, Eberhard Betz und Annelie Geyer niedergeschrieben. Hier werden Erinnerungen an das frühere dörfliche Leben und an den Umgang mit der Mundart festgehalten.

Im dritten Teil widmet Thielmann sich den Malern, denn "Etz bass off" wartet auch mit vielen Bildern auf. Diese stammen vor allem von dem Herborner Maler Wilhelm Thielmann, der in seinen Darstellungen die Lebenswelt der Menschen in früheren Zeiten veranschaulicht.

Den abschließenden Teil des Buches bilden einige Aufsätze, die das Thema Mundart noch einmal differenziert beleuchten. Mit Martin Walser, der "Bemerkungen über unseren Dialekt" macht, findet sich auch ein prominenter Name unter den Autoren. Natürlich darf in diesem Abschnitt auch ein Beitrag in Anlehnung an den heimischen Schriftsteller Roderich Feldes nicht fehlen, dem der Wandel des Dorfes ein wichtiges Anliegen war.

Dass das Buch nicht in der Vergangenheit verharrt, macht eine Analyse der Jugendsprache von Albrecht Thielmann deutlich. Viele Beispiele, so führte er bei der Buch-Präsentation aus, seien darauf zurückzuführen, dass einer Sprache ohne Dialekt oft die Deutlichkeit fehle.

Das Mundart-Werk ist allerdings nicht nur ein Lese- und Bilderbuch, sondern beinhaltet zugleich auch noch ein Hörbuch. Brunhilde Cuntz, Marianne Seibert, Helmut Nix, Eberhard und Ulrich Betz sowie Annelie Geyer haben in einem Tonstudio die Dialekt-Texte aufgenommen. Einen kleinen musikalischen Beitrag steuerte der Niederschelder Gesangverein mit "Zwischer Kornberg on Schdroud" bei.

Einen ersten Eindruck von Buch und Hörbuch vermittelten die Mitwirkenden bei der Premiere, zu der sie kleine Ausschnitte lasen. Da ging es beispielsweise um den Alltag einer Mutter im Jahr 1946 und im Jahr 1996, um die Ankunft der "Bittschöner" genannten Sudetendeutschen oder um "Neues vom Ausscheller", der die Dorfnachrichten verkündete. Das Publikum quittierte das Gehörte mit kräftigem Beifall und verlangte nach Zugaben und damit nach weiteren Einblicken in "Etz bass off".

Das als "Sprachmuseum der Region" gedachte Buch (Verlag Buchhandlung Rübezahl, Dillenburg) ist ab sofort im Handel erhältlich und kostet inklusive Doppel-CD 27,80 Euro.


... ein Beispiel aus der Buchwerkstatt des
Verlags Buchhandlung Rübezahl ...



Bücher von Eberhard L. Betz


Das Ende und ein Anfang - Heimkehr an die Dill
112 Seiten, 8,90 Euro
Verlag Buchhandlung Rübezahl

Hüttenplatz - Mord und Erinnerung
312 Seiten, viele Illustrationen,
14,50 Euro
Verlag Weidenbach

Malukkes Experiment

165 Seiten, 12,80 Euro
Verlag Buchhandlung Rübezahl


Das Ende und ein Anfang - Heimkehr an die Dill

Die Nachkriegsgeschichte des früheren Dillkreises wäre ohne Eberhard L. Betz ärmer dokumentiert. Immer wieder erzählt er in seinen zeitgeschichtlichen Romanen von der extremen Erfahrung seiner Generation, die als Jugendliche in den Krieg ziehen mußten und stark dezimiert heimgekehrt, ein ruiniertes Land vorfanden. Er hat in seiner ersten Erzählung "Gustav" die Indoktrination dieser Jungen durch die nationalsozialistische Ideologie und ihre "Verheizung" an den Fronten beschrieben.

In der hier vorliegenden Erzählung "Das Ende und ein Anfang", die in dem lange vergriffenem Band "Wie Bäume im Sturm" erschien und dort chronologisch "Gustav" folgt, berichtet Betz von der Zeit nach dem Zusammenbruch des Hitlerregimes, von der "Umerziehung" im amerikanischen Lager und von der Heimkehr in die Heimat. Betz berichtet auch von uns unbekannten Seiten der Umerziehung im Lager. Er erinnert an Demütigungen, die an Ereignisse in Abu Ghureib (Irak) denken lassen.

Die Familien in den Dorfern - zunächst unter Besatzungsregime - haben auf die Heimkehrer gewartet. Viele kommen nicht mehr. Fremde Deutsche aus dem Osten sind in die Häuser eingewiesen worden.

Vieles ist zerrüttet, aber nicht alles ist hoffnungslos. Sein Protagonist wandert durch ein von Bomben verwüstetes Land in sein Dorf an der Dill. So ist schon ein weiß überzogenes, sauberes Bett für den Heimkehrer ein Wunder. Das vertraute, leicht fehlerhafte Spiel des Organisten im Gottesdienst rührt unendlich und zeigt ihm: Du bist noch einmal davongekommen.

Betz beschreibt die so merkwürdig sich neu ordnende Gesellschaft nach der Katastrophe und überliefert uns eine äußerst seltene Beschreibung der Gefangenschaft bei den Amerikanern.

Albrecht Thielmann





Dillenburger Geschichte am Hüttenplatz

Hüttenplatz - Mord und Erinnerung

Geschichte aus unserem heimischen Raum, in den Archiven vergessen, anschaulich erzählt. Eberhard L. Betz holt sie in unsere Erinnerung zurück. In vier Erzählungen wird das Leben unserer Vorfahren auf dem Hüttenplatz lebendig.

"Herwensches Viertel" und Antreteplatz

Gern berichte ich hier von den heiter durchmischten Erzählungen, die die Dillenburger kennen müssen, weil die eigene Stadt im Gedächtnis ein Gesicht haben muß mit Lachfältchen und Narben und Wehmut. Dazu helfen die Erinnerungen von Betz an den alten Hüttenplatz und an den Adolf Hitlerplatz (30iger Jahre!, sonst Wilhelmsplatz) mit Zimmerschieds Gasthaus, wo es auch das "Herwensches Viertel" gab. Ferner gab es am Platz einen kuriosen Laden voller süßer Köstlichkeiten.
Betz erinnert an seine Schulzeit im Gymnasium in der Maibach, beschwört dabei den alten Schulgeist und Lehrergestalten. Heimatkunde und sogar die Geschichte vom Hüttenplatz zu lernen war damals eiserne Pflicht. Die kuriose Feuerzangenbowle wäre nicht weit weg, wenn da nicht die strammen Aufmärsche der militärisch gedrillten Hitlerjugend auf dem manchmal rußbedeckten Platz wären und der bald folgende Marschbefehl für den erst 17-jährigen an die Front.
An die Menschen in den Häusern und ein Findelkind auf dem Hüttenplatz erinnert Betz, auch an den Zauber den Dorfkinder empfanden, die an Marktagen mit der in allen Dingen imposanten Tante Erna in die Stadt durften und am Hüttenplatz bei der vornehmeren Tante Lies städtischen Kuchen aßen. Schön zeichnet Betz hier nebeneinander vergangene Frauenfiguren aus Dorf und Stadt.

Mord am Hüttenplatz

In der Erzählung "Mord am Hüttenplatz" steht das Leben der Bewohner und die Arbeit in den Werkstätten in der ersten Hälfte des 16.Jahrhunderts noch einmal vor uns auf. Ein Mord geschieht im Gasthaus Stiefel. Wir lernen nun im Zuge der Aufklärung der schlimmen Tat den Alltag unserer Vorfahren kennen. Am Hüttenplatz wurden Rennöfen gebaut, um Eisenerz zu verhütten. Technischer Fortschritt eines findigen Hüttenmanns führt zu Spannungen und auch zu diesem Mord. Und wir sehen die uns bekannten Straßen, die Gebäude und das Schloss über der Stadt von unseren Vorfahren bewohnt, die so ganz anders lebten als die Heutigen und harte Überlebenskämpfe im Krieg und im Frieden auszufechten hatten.
Viel erfahren wir von der Welt der Handwerker. Ihre Produkte haben bei Betz noch eine Aura, verkörpern einen Wert, weil sie noch notwendig waren in jenen Zeiten als es noch keine Wegwerfgesellschaft gab. Wir lesen auch von frommen Bauern, die Gerechtigkeit und ihren Seelenfrieden suchen. Und die Frühzeit der Reformation bricht in ersten Blitzen in der Dillenburg auf dem Schlossberg ein.

Waffen SS und Dillenburger Spruchkammer

Auch die Erzählung "Auch eine Heimkehr" enthält markante lokale Ereignisse aus der Nachkriegszeit und wird die "political correctness" gewaltig stören: Spruchkammer und Wirtschaftswunder im Dillkreis; den Lebensweg eines ehemaligen Waffen-SS-Manns, der ein Motor beim Aufbau eines aufblühenden heimischen Bauunternehmens wurde, als man die Vergangenheit vergessen wollte.
Betz erzählt von seiner Generation, die blutjung in jenen Eroberungskrieg gezogen wurde; in seiner Geschichte wird der Protagonist in eine Waffen- Einheit gezwungen. Betz plädiert, genau hinzusehen, gerecht zu urteilen.

Da steht vor der Türe des Elternhauses ein blutjunger Kriegsheimkehrer namens Alfred. Ihm fehlt ein Bein, eine Gesichtshälfte krampft und das wird so bleiben. Seine zerlumpten Kleider tragen die Buchstaben PG (d.h. Kriegsgefangener) und darunter das SS-Zeichen. Er gehörte zu jener berühmten Flakhelfergeneration. Er ging nicht freiwillig zur Waffen-SS. Er wurde in keine Verbrechen verstrickt. Vor der Spruchkammer für Entnazifizierung wird er wegen Mitgliedschaft in der Waffen-SS zu einer Geldstrafe verurteilt. Sein ehemaliger Lehrer hat sich in der Kammer in einen selbstherrlichen Richter gewandelt. Eine Laufbahn im öffentlichen Dienst wird unmöglich.
Wird man ihm noch gerecht werden? Er bleibt mitten im für ihn so erfolgreichen "Wirtschaftswunder" ein Mensch, der seine Identität verloren hat. Er fühlt sich als Verbrecher gebrandmarkt. Betz beschönigt nichts: Er hat die Konsequenzen der nationalsozialistischen Ideologie, die in den zweiten Weltkrieg führte, in seiner früheren Erzählung "Gustav" beschrieben. Betz plädiert: Die Menschen nicht über einen Kamm scheren, niemanden mit pauschalen Urteilen erschlagen. Das Leben der Menschen in den Zwängen, denen sie ausgesetzt waren, erfassen. Das Prüfen ist eine Forderung der Humanität. So hält es Betz mit seinem Waffen- SS-Mann, dem Kind seiner Generation, die, blutjung, in jenen Eroberungskrieg gezwungen wurde. Diese Kriegsgeneration hat es den Jüngeren allerdings schwer gemacht, eine gerechte Antwort zu finden, denn Widerständler waren im besiegten Volk nicht beliebt.

Ein Buch von und für die Dillenburger Geschichte, dass sie in Erinnerung bleibt.

Auf dem Hüttenplatz

Als 1998 der eiserne Hüttenmann ohne Worte plötzlich auf diesem Platz stand, wie der berühmte Kaspar Hauser und nicht wußte, wer er war, entstand die Hüttenplatzinitiative, die dann die Geschichte der Hüttenmänner und der Platzbewohner ausgrub, sie mit einem fröhlichen Volksfest feierte und so den eisernen Mann doch noch ohne herrschaftlichen Segen in die Historie einweihte. Herr Betz war dabei. Und er hat damals das bunte Leben an diesem Platz in einem heiteren Gedicht gewürdigt. Das Oranierdenkmal auf dem Schloßberg wenige Jahre später wurde dagegen mit Pomp wahrhaft offiziell und feudal begrüßt. Wie früher also: die da oben und die da unten.



Der Autor, Dr. med. Eberhard Ludwig Betz, wuchs in Sechshelden auf und war bis 1993 Professor und Direktor eines Lehr- und Forschungsinstituts in der medizinischen Fakultät in Tübingen. Er ist Autor zahlreicher Fachbücher. Er ließ den Kontakt zu seinem Heimatdorf nie abreißen, seine Mundart verlernte er nicht. In Pension, als "Emeritierter"- er war nun von der täglichen Fron befreit- begann er von seinem Dorf und aus der Geschichte des alten Dillkreises zu erzählen.

Die alten Dörfer lebten einst als Fixpunkte in den Menschen weiter, wenn sie in die" Fremde" gingen; die alten Lieder bezeugen noch die Gefühle. Eine solche Erfahrung muß auch der Sechsheldener Eberhard Betz gemacht haben.

Ei Lina’sche, ei Miel’sche

Der Sechsheldener Heimatforscher Walter Klein erzählte gern die Anekdote von einem Sechheldener Jungen, der es zum Professor in Gießen gebracht hatte.
Jener Professor, von dem Klein erzählte, war in den dreißiger Jahren mit seinen Studenten in Gießen unterwegs und erkannte unter den Passanten zwei ältere Bäuerinnen aus seinem Heimatdorf. Er ließ sofort seine Studenten stehen und begrüßte die Frauen in der Mundart der Sechsheldener: "Ei Lina’sche, ei Miel’sche "und er erkundigte sich eingehend nach ihnen und dem Dorf. Erstaunt waren die Studenten über die Sprache ihres Professors - sie verstanden sie nicht - über seine überschwengliche Freude, seine Leutseligkeit, seine Vertraulichkeit – war doch ihr Lehrer sonst gemessen und zurückhaltend. Ein solches Verhalten würde auch zu dem Professor Betz passen.
Solche Lebensgeschichten von Menschen, die ein Bild von ihrem Dorf in sich tragen, als ruhenden Punkt , wird es nicht mehr geben. Die Kinder des Fernsehens nehmen nur noch einen schmalen Ausschnitt ihres Wohnortes wahr; der Dialekt mit seinen eigenen Ausdrucksmöglichkeiten für das Gefühl und die Umwelt stirbt aus.



Der Professor und sein Dorf

Eberhard l.Betz veröffentlicht in diesem Band neue Erzählungen. Das Leben unserer Vorfahren am Hüttenplatz steht im Mittelpunkt. Als 1998 der eiserne Hüttenmann ohne Worte plötzlich auf diesem Platz stand, wie der berühmte Kaspar Hauser und nicht wußte, wer er war, entstand die Hüttenplatzinitiative, die dann die Geschichte der Hüttenmänner und der Platzbewohner ausgrub, sie feierte und so den eisernen Mann doch noch in die Historie einweihte. Herr Betz war dabei und er hat damals das bunte Leben an diesem Platz in einem heiteren Gedicht gewürdigt. Das Oranierdenkmal auf dem Schloßberg wenige Jahre später wurde mit Pomp wahrhaft offiziell und feudal begrüßt.Diese war fürstlichen Geblüts, die erste nur bürgerlicher Herkunft.

Mit seiner neuen Erzählung "Mord am Hüttenplatz" belebt er den Platz noch einmal mit seinen Bewohnern in der ersten Hälfte des 16.Jahrhunderts. Ein Mord geschieht im Gasthaus Stiefel. Wir lernen im Zuge der Aufklärung die Arbeitswelt unserer Vorfahren kennen. Am Hüttenplatz wurden Rennöfen gebaut, um Eisenerz zu verhütten. Technischer Fortschritt eines findigen Hüttenmanns führt zu Spannungen und auch zu diesem Mord. Betz schildert die Mühsal der alten Hüttenarbeit. Wir sehen die uns bekannten Straßen und Gebäude und das Schloß über der Stadt von unseren Vorfahren bewohnt, die so ganz anders lebten und harte Überlebenskämpfe auszufechten hatten. Wenn Geschichte etwas lehrt, dann dieses: Durch jeden Fortschritt geht viel Wissen verloren. Eberhard Betz hält Epochen heimischer Geschichte fest.

Das ganze Spektrum des Lebens

Die Schriftsteller begannen sich Ende der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts auffallend mit "Heimat" zu beschäftigen. Sie registrierten verwundert, daß mit dem Verschwinden der herkömmlichen Landwirtschaft ihre Dörfer sich rapide wandeln, offensichtlich in "Schlafdörfer", denn man fuhr zum Schlafen dorthin.
Schriftsteller, die aus Dörfern stammten, begannen die dörfliche Lebenswelt zu rekon-struieren; sie beschrieben den Wandel, sie hielten das fest, was überlebte. Es wurde offensichtlich, daß mit den Dörfern und ihren Landschaften unwiederruflich eine 1000-jährige Lebenskultur verschwand.

Roderich Feldes, Autor in unserem heimischen Raum, hat hartnäckig in seinem Werk das Besondere dieser dörflichen Welt noch einmal aufleben lassen und ihren Verlust angezeigt. In seinem Roman " Verschwinden der Harmonie" sagt eine Figur: "Und auch im Dorf werden die Gruppen immer kleiner, maximal noch Kegelclubgröße, weil eben nicht mehr das ganze Spektrum des Lebens die Klammer ist, sondern Berufe, Anschauungen, Selbsteinschätzungen, Hobbys, die Kontakte bedingen."

Die alten Dörfer lebten einst als Fixpunkte in den Menschen weiter, wenn sie in "die Fremde" gingen; die alten Lieder bezeugen noch die Gefühle. Eine solche Erfahrung muß auch der Sechsheldener Eberhard Betz gemacht haben. Er lies den Kontakt zu seinem Heimatdorf nie abreisen, seine Mundart verlernte er nicht. Als Emeritierter, er war nun von der täglichen Fron befreit, begann er von seinem Dorf zu erzählen.

Eine Anekdote, die der Sechsheldener Heimatforscher Walter Klein gern erzählte, macht deutlich, was jene lebenslange Verbundenheit mit dem Heimatort bedeuten kann. Ein Sechsheldener wurde in den 30iger Jahren Professor in Gießen. Als er einmal in der Universitätsstadt mit seinen Studenten unterwegs war, erkannte er unter den Passanten zwei ältere Bäuerinnen aus seinem Heimatdorf. Er ließ seine Studenten stehen und begrüßte die Frauen in der Mundart der Sechsheldener: "Ei Lina’sche, ei Miel’sche "und er erkundigte sich eingehend nach ihnen und dem Dorf. Erstaunt waren die Studenten über die Sprache ihres Professors - sie verstanden sie nicht - über seine überschwängliche Freude, seine Leutseligkeit, seine Vertraulichkeit – war doch ihr Lehrer sonst gemessen und zurückhaltend.- So ähnlich könnte man auch von Eberhard Betz erzählen. Lebensgeschichten von Menschen, die aus dem Dorf in die ferne Welt gehen und das Bild ihrer Heimat mit sich tragen, als ruhenden Ort in sich, wird es bald nicht mehr geben. Die Kinder des Fernsehens nehmen nur noch einen schmalen Ausschnitt ihres Wohnortes wahr; der Dialekt mit seinen reichen Ausdrucksmöglichkeiten des Gefühls und der Umwelt stirbt aus. Vom Stadtteil (Sechshelden ist heute ein Stadtteil) bleibt den heute Heranwachsenden die Erinnerung an ihren privaten Bereich, ansonsten Erinnerungen, die alle Kinder haben: vielleicht an das Sandmännchen, aber nichts sozial Übergreifendes: kein ganzes Dorfspektrum prägt sich mehr ihrem Inneren ein.

Eberhard Betz, ein Verfasser von viel genutzten medizinischen Standardwerken, schrieb auch Gedichte in der Mundart, die er als Kind lernte. Den Dialekt nahm er so genau, daß er zunächst in Holzhäusener Dialekt schrieb; dort wohnten in seiner Kindheit seine Eltern. Sein weit verbreiteter Gedichtband "Aus’m Dellfeld" ist dann im Sechsheldener Dialekt verfaßt.

Seine Gedichte haben Bodenhaftung. Sie verehren nicht im vagen Raum große Gefühle, sie haben konkrete Geschichte und halten fest, was unsere Dörfer waren, was aus ihnen wurde.

So wird in einer gewitzten Gegenüberstellung berichtet vom Alltag einer Mutter im Jahre 1946 und einer Mutter1996. Die Mutter 1946 ist ausgefüllt mit ihren Pflichten in Haus und Landwirtschaft und sie wirtschaftet in ihrer kargen Küche. Ihre Arbeit und die alltäglichen einfachen Gegenstände ihres Lebens haben eine bezwingende Würde: Sie sind noch notwendig. !996 steht die Hausfrau in ihrer modernen Küche mit einem komfortablen Maschinenpark. Jetzt hat sie leichte Herzbeschwerden und schwere Probleme mit der Freizeitgestaltung. Dieses balladenhafte Gedicht, mit dem jeder Lehrer seine Schüler im auch vergnüglichen Sauseschritt durch einige Jahrhunderte ländlicher Kulturgeschichte führen könnte, kennt vermutlich kaum ein Pädagoge in unserer ganzen Region.

Die Flakhelfergeneration – Arzt auf dunklem Pfad

Die Nachkriegsgeschichte des früheren Dillkreises wäre ohne Betz ärmer dokumentiert. Immer wieder erzählt er in seinen zeitgeschichtlichen Romanen die unglaubliche Erfahrung seiner Generation , der jungen Kriegsgeneration, die ungefragt als Schüler in nationalsozialistische Organisationen eingegliedert wurde, ebenso ungefragt in den Krieg ziehen mußte und stark dezimiert heimgekehrt, ein ruiniertes Land vorfand. Ihr jugendlicher Idealismus war betrogen worden; gedemütigt und kriegsversehrt mußte sie schnurstracks an die Aufbaufront. Diese Generation der Flakhelfer waren Kinder der Diktatur. Woran sollten sie sich orientieren?

In der Nachkriegserzählung "Wie Bäume im Sturm " berichtet Betz, wie Umerziehung im amerikanischen Lager auch ging: Antreten mußten die Gefangenen und sagen: "Ich bin ein deutsches Schwein." Dieser Teil der Umerziehung zur Demokratie ist wenig dokumentiert. Er war tabuisiert. Betz erinnert an sie. Wie schwer selbst der "Nation der Menschenrechte" im konkreten Fall, hier im Irak, die Einhaltung dieser Rechte fällt, haben uns die törichten Sieger in Abu Ghureib ins Stammbuch der menschlichen Geschichte geschrieben.

Auch im Roman "Arzt auf dunklem Pfad" erfahren wir auf dem Lebensweg eines Arztes im Dillkreis vom Trauma der Kriegsgeneration, vom Leben der kleinen Westerwalddörfer nach Kriegsende, von der trostlosen Verlassenheit einer Flüchtlingsfamilie in einer armseligen Stube im Westerwald.

Auch eine Heimkehr

Die zweite große Erzählung in diesem Band "Auch eine Heimkehr" enthält ebenfalls markante lokale Ereignisse zur Nachkriegszeit. Da steht vor der Türe des Elternhauses ein blutjunger Kriegsheimkehrer namens Alfred. Ihm fehlt ein Bein. Seine zerlumpten Kleider tragen die Buchstaben PG (d.h. Kriegsgefangener) und darunter das SS-Zeichen. Auch er gehörte zu jener Flakhelfergeneration. Dieser blutjunge Alfred ging nicht freiwillig zur Waffen-SS. Er wurde in keine Verbrechen verstrickt. Eine Folge des Krieges: Seine eine Gesichtshälfte krampft und das wird so bleiben.

Ihm steht die Spruchkammer für Entnazifizierung bevor. Er ist belastet durch jene Mitgliedschaft (unfreiwillig, wie er verzweifelt erinnert) in der Waffen-SS und einer Geldstrafe verurteilt. Sein ehemaliger Lehrer hat sich in der Spruchkammer in einen Richter gewandelt und übt selbstherrlich Justiz. Eine Laufbahn im öffentlichen Dienst ist unmöglich.

Wird man ihm noch gerecht werden? Seine spätere Laufbahn repräsentiert das merkwürdige " Wirtschaftswunder", das aus den Trümmern erwuchs. Er aber bleibt mitten in diesem "Wunder" ein Mensch, der seine Identität verloren hat. Er fühlt sich als Verbrecher gebrandmarkt.

Betz beschönigt keine Schandtaten: Er hat die Konsequenzen der nationalsozialistischen Ideologie, die in den zweiten Weltkrieg führte, in seiner Erzählung "Gustav" beschrieben. Diese Erzählung erschien mit breiter Wirkung als Fortsetzungsroman in der heimischen Zeitung, wurde gelesen und von manchen aufbewahrt.

Betz plädiert: Die Menschen nicht über einen Kamm scheren, niemanden mit pauschalen Urteilen erschlagen. Das Leben der Menschen in den Zwängen, denen sie ausgesetzt waren, erfassen.

Das fällt meist sehr schwer. Jede Generation formt ihre eigenen Bilder vom Guten und Bösen. Diese Bilder werden zu einer kollektiven Macht, die scheinbare Sicherheit verleihen. Als kollektive Vorgaben werden sie wie Parolen leicht befolgt und ebenso leicht wird man im Kollektiv schuldig. Aber nicht jeder, der ins Kollektiv gezogen wurde, ist schuldig.

Das genaue Prüfen, ob einer in einer Uniform der Bösen auch schuldig wurde, ist eine Forderung der Humanität. Diese ist kein Geschenk, das in den Schoß fällt, sondern eine Anstrengung. Gerechtigkeit durch genaues Hinsehen auf die Person, ihr Alter und die Umstände. So hält es Betz mit seinem Waffen- SS-Mann, dem Kind seiner Generation, die blutjung in jenen Eroberungskrieg gezwungen wurde.

Allerdings: Zu jeder Zeit gab es Menschen, die sich den Trommeln und Befehlen der Diktatoren entzogen und widersetzten. Wer verhalf dem etwas älteren Schreiner Georg Elser 1940 zur Einsicht in die Diktatur und zum Entschluß, sein kühnes Attentat auf Hitler allein zu planen und durchzuführen. Nur der Münchner Nebel hat den Erfolg verhindert. Die politischen Lehren aus der Arbeiterbewegung belehrten ihn. Aber ohne seine Kühnheit und Ausdauer wäre ihm nichts möglich gewesen

Solche Widerständigen müssen einem gegenwärtig sein, wenn man hört und sieht, daß sich Menschen den Parolen ihrer Zeit fügen, früher, wie heute.

Als Eberhard Betz in der Buchhandlung Rübezahl Teile der Erzählung vom jungen Waffen-SS-Mann Alfred vorlas, stellte ich den Älteren im Publikum die Frage: Haben die Soldaten nicht, als sie mit den Panzern über die Grenze nach Rußland fuhren, das Gefühl gehabt:" Wir sind hier Fremde, wir haben hier nichts zu suchen, wir betreten fremdes Territorium?" Meine Frage wurde wohl als ignorant empfunden: "Sie können so was leicht fragen, das war eine ganz andere Zeit" Hier haben wirklich beide Seiten massiv recht.

Die Kriegsgeneration hat und Jungen allerdings eine gerechte Antwort schwer gemacht, denn Widerständler waren im besiegten Volk nicht beliebt: Ein junger Willy Brandt wurde für seinen untadeligen Weg in die Emigration und in die Widerstandarbeit als Vaterlandsverräter denunziert, aus der Mitte der Gesellschaft heraus.

Die Obrigkeit und die Untertanen

Betz schrieb drei Geschichtsromane, der jüngste wird in diesem Band veröffentlicht. Alle sind in Dörfern und kleinen Städten Dorf angesiedelt. Zwei im heimischen Raum. Der Roman" Bauernkappe und Fürstenhut" ist einer Sechsheldener Chronik aus dem 18 Jahrhundert nacherzählt und spielt zur Zeit des letzten Dillenburger Fürsten Christian. Fürstlich war in dieser Zeit der Stand der Dillenburger Schlossherrn, denn im 30-jährigen Krieg wurde der Frontwechsel und teure Kriegseinsatz des Landesherrn auf dem Schloß lediglich mit der Beförderung in den fürstlichen Stand belohnt. Auch seine Untertanen wurden damit in eine höhere Stufe gehoben. Sie durften höhere Abgaben leisten, denn ein fürstlicher Hofstaat mußte auch fürstlich gehalten werden. Von der Lebenswelt dieser armen Bauern erfahren wir durch jenen Bauernjungen im Roman, der Kammerdiener beim Fürsten wurde.

Einen großen Stoff über das untertänige Leben unserer bäuerlichen Vorfahren fand Betz auch dokumentiert in der schwäbischen Alb, in der Nähe von Hechingen. Die Herren aus dem Fürstenhaus von Hohenzollern hatten ohne Rechtsgrundlage eine Grenze gegen die Pirsch, die freie Jagd gezogen und beschnitten damit den verarmten Untertanen in der kargen Alb ein angestammtes Naturrecht. Auch den immensen Wildschaden mußten sie dulden. Einige nehmen die Willkür nicht hin. Ein Jagdaufseher kommt durch einen unglücklichen Schuß durch heimlich jagenden Bauern zu Tode. Zynische Rechtssprechung und eine grausame Strafe soll an einem jungen Burschen ein Exempel für alle Zeiten statuieren.

Betz gelingt der Kunstgriff, das Verhältnis von Obrigkeit und Untertanen im zentralen wunden Punkt der feudalen Machtverhältnisse dramatisch zu entfalten: Die Kampfparole im Bauernkrieg wird sonnenklar:" Die Herren machen es selbst, dass ihnen der arme Mann Feind wird."

Die Beschreibung einer Folterszene von Betz könnte den wohligen Schauer erkalten lassen, wenn unsere heimischen Historiker auf historischen Märkten geschmäcklerische Wiederholungen der Folter und des Scheiterhaufens inszenieren.

Wir erfahren in diesem Roman wie auch im "Hüttenplatz" viel von der Welt der stolzen Handwerker, deren kunstvolle Arbeitsweise Betz genau beschreibt. Ihre Produkte haben noch eine Aura, verkörpern einen Wert, weil sie noch notwendig sind in jenen Zeiten , als es noch keine Wegwerfgesellschaft gab. Wir hören Bibelworte, die von den frommen Bauern aufmerksam gelernt und bedacht werden, um in ihnen Gerechtigkeit und Seelenfrieden zu finden.
Wie ich am Anfang sagte: Durch jeden Fortschritt geht viel Wissen verloren. Eberhard Betz erinnert daran.

Albrecht Thielmann




Malukkes Experiment

Erinnerung an Heimat - mit Hilfe von Elektroden

Der Autor Prof. Dr. med. Eberhard Ludwig Betz wuchs in Sechshelden auf und war bis 1993 auch Direktor eines Lehr- und Forschungsinstituts in Tübingen. Er ist Verfasser zahlreicher Fachbücher und wurde später, eine für unsere Heimatgeschichte so fruchtbare Entscheidung, Autor zahlreicher Romane, die beeindruckend die Welt unserer heimischen Vorfahren schildern. Das Leben in den Jahrzehnten um 1520, 1750 wird anschaulich. So erzählte er zuletzt aus der Zeit der Reformation in Dillenburg in "Hüttenplatz Mord und Erinnerung"( Weidenbach-Verlag.) Die Nassauischen Annalen würdigten jüngst das Werk in einem großen Aufsatz. Sein Hauptmerk richtet sich allerdings auf die Nachkriegsgeschichte. Seine Kriegs- und Nachkriegschronik unserer Region ist sein bleibendes und noch nicht ganz wahrgenommenes Verdienst. Immer wieder berichtet er von der extremen Erfahrung seiner Generation, die als Jugendliche in den Krieg ziehen mußten und stark dezimiert heimgekehrt, ein ruiniertes Land vorfanden. Im Frühjahr erschien dazu seine Erzählung "Das Ende und ein Anfang, eine Heimkehr an die Dill".

Er ließ den Kontakt zu seinem Heimatdorf nie abreißen, seine Mundart verlernte er nicht. Das schönste, was er seiner alten Heimat schenkte, sind seine zur Zeit vergriffenen weit verbreiteten Dialektgedichte "Aus’m Dellfeld" die mit ihrem Witz und Charme zum festen Bestand unseres Heimatgedächtnisses wurden. Sie werden erweitert wieder erscheinen.

Der neue Roman von Betz ist für Betz- Leser ungewohnt. Der kubistische Kopf auf dem Buchdeckel, gemalt von Picasso, zeigt, daß Betz hier einen neuen Weg geht. Das Bild signalisiert: Die Teile des Kopfes können sich verselbständigen. Sie haben Funktionen, die ganz verschiedene Teile des Menschen leiten. Und doch bleibt Betz auch hier dem ihm eigenen Thema, der Rekonstruktion von Heimat, treu und bereichert es als Arzt und Forscher mit seinem Wissen über moderne Gedächtnis- und Hirnforschung, sowie deren Folgen.
Es war jetzt zu lesen, Grey, Deutschlands zweitgrößte Werbeagentur, arbeitet mit dem Hirnforscher Prof. Elger zusammen. Im Sinne unserer Kunden müssen wir deren Kunden besser kennenlernen, begründet der Grey-Mann die Zusammenarbeit: Die Hirnforschung könne den Zugang zur Gefühlswelt der Konsumenten verbessern.

Bei Betz sind es allerdings noch neugierige Forscher, die ohne derlei Absichten mit einem neuen, genialen Verfahren der Gehirnbeeinflussung experimentieren. Der Hirnforscher Malukke hat eine Methode erfunden, mittels eines einfach anwendbaren elektromagnetischen Impulsverfahrens über Elektroden am Kopf längst vergangene, vergessen geglaubte oder auch nicht lange zurückliegende Ereignisse ganz intensiv wieder erleben zu lassen. Menschen, die sich diesem Verfahren unterziehen, haben das Gefühl, sie erleben das Ereignis jetzt. Im Roman lassen vier Forscher an sich selbst das neue Verfahren zuerst ausprobieren. Wie schon gesagt, bleibt Betz selbst in diesem Laborszenario unserer Landschaft treu. Die Forscher stammen offensichtlich aus unserer Gegend, denn ihre Labor- Erlebnisse spielen sich hier in unserer Landschaft ab und handeln, wie so oft bei Betz, vom Krieg und von der Nachkriegszeit.

Der Autor beschreibt nebenbei, was moderne, sogenannte, bildgebende Verfahren an neuen Erkenntnissen über eventuelle künftige Schmerzbehandlung in Aussicht stellen. Einer der Beteiligten erlebt sogar eine Zukunftschau auf diesem Gebiet.

Auch idyllische ländliche Szenen tauchen auf, schön, wie sie einmal waren, wenn man von ihnen träumt. Dabei hindert ein Computerprogramm, mißliche Erinnerungen in der Wahrnehmung aufzutauchen, indem es Erregungsänderungen im zuständigen Gehirnteil auslöst.

Kleine Vorlesung: Freier Wille?

Das heutzutage heftig diskutierte Problem, wie weit die im Gehirn ablaufenden Prozesse vom Willen völlig frei beeinflußbar sind , wird von einem der vier Forscher intensiv erlebt und er berichtet, während er selbst als Versuchsperson den elektromagnetischen Reizungen ausgesetzt ist. Seine bildhafte Antwort fußt auf einem umfassenden Wissen der heutigen Hirnforschung und versetzt den Leser in eine überraschende Vorlesung. Was bleibt in diesem weitgehend automatisch funktionierenden, materiellen Beziehungsgeflecht vom freien Willen übrig? Nicht viel, das wird deutlich.

Was machen Dr. Malukkes Kollegen?

Den Forschern wird bewußt: Wie weit soll der Mensch seine Forschung treiben? Kann der Forscher voraussehen, was er mit seinen Verfahren schließlich bewirkt? : Quidquid agis, prudenter agas et respice finem!, was heißt: Was immer du tust, tue es mit Fleiß und bedenke das Ende! – auch wenn er gar nicht weiß, ob das Ende ein Segen oder ein Fluch für die Menschheit sein wird? Ich denke, nicht nur Firmen wir Grey warten auf die Ergebnisse solcher sympathischen Forscher. Viele Regimes dieser Erde verspüren Heißhunger auf solche tiefgreifenden Möglichkeiten der Manipulation.

Text Buchrückseite:

Bei Experimenten mit einem neuen, genialen Verfahren der Gehirnbeeinflussung erleben vier Forscher längst vergessen geglaubte, anrührende Geschichten aus ihrer Vergangenheit. Es sind sogenannte Déja-vu- Erlebnisse. Einer der Forscher, Dr. Malukke, findet sich sogar in die Zukunft versetzt.

Der neue Roman von Professor Eberhard Betz, mit genauer Sachkenntnis der Hirnforschung geschrieben, erhellt wenig bekannte Grenzbereiche der menschlichen Willensfreiheit. Mit Realismus und Science–Fiction wird klarer, was künftig möglich sein könnte.