Junge Autoren

Pressebericht


Klicker spielen mit "künstlichen Augen"

Freie Lesung mit Heimatgeschichten und "Hemingwayprosa"



Die Zeitschrift SPLAT und die Buchhandlung Rübezahl veranstalteten ihre zweite freie Lesung, die Tradition werden soll. 8 Autoren konnte der Buchhändler Albrecht Thielmann vor einem aufgeschlossenen Publikum begrüßen und er zitierte Walser: "Ich schreibe über das, was mir fehlt.”

Der Philosophiestudent Christian Kauferstein, der SPLAT herausgibt, führte nun souverän und mit Uhr durch den Abend, denn manche Autoren hatten zahlreiche Manuskripte dabei und der Rahmen von einer viertel Stunde war dafür knapp bemessen, entstanden doch oft noch Gespräche nach jedem Vortrag. Unterschiedliche Erfahrungen der Autoren manifestierten sich und standen oft unverbunden nebeneinander. Doch ergaben alle Beiträge zusammen ein aussagekräftiges Stimmungsbild unserer Zeit.

Die Schülerin Nadine Sucharda las die ungeschminkte Geschichte eines elternlosen Mädchens, das zurückblickt auf heimatlose "Kifferzeiten" und Selbstmordversuch, religöser Suche und Selbstfindung. Frau Luise Aurand, die viele durch Ihr Wort am Sonntag kennen, las dagegen eine erdachte Geschichte, die im Hintergrund des Zachäuskapitels aus dem Lukas-Evangelium spielt. Die Kinder des Zachäus erleben und erzählen lebensnah aus ihrer kindlichen Sicht das Auftreten von Jesus.

Mit Augen Klicker spielen

Die auseinander liegenden Erfahrungen der Vortragenden bestimmten den ganzen Abend und erzeugten aber auch Spannung. Heimatgeschichte und Hemingwayprosa waren die Gegensätze. Gertrud Schäfer rekonstruierte im Roman "Das Herz in der Buche" das Leben ihres Großvates in Merkenbach. So ganz andere Verhältisse für Jugendliche herrschten damals in Merkenbach für die Mädchen, als wie sie Nadine Sucharda für heute schilderte.

Frau Marianne Neuhaus las aus ihrem großen Fundus an Gedichten und Erinnerungen einen Text aus der Nachkriegszeit in Edingen. Ihre ungeschminkten Erinnerungen erfreuten durch Wahrheitstreue und Lebendigkeit. In "Als das Frontlazarett aufgebaut wurde" erinnert, wie die Edinger mit einem amerikanischen Lazaret konfrontiert wurden. Sie erzählt dabei von künstlichen Augen, mit denen Kinder Klicker spielten und von Männern, die in den Büschen suchten. So ganz anders waren nun die Texte des Bankers Mattias Novak und Andreas Topp.

Von Hemingway lernen

Matthias Novaks Geschichte berichtet vom Männergespräch über Frauen und Trinken in der Kneipe am Freitag abend. Zynismus und Irritation werden deutlich. Der Dillenburger Student Andeas Topp las den Prolog seines noch unvollendeten Romans vor. Er ist Mitherausgeber der Literaturzeitschrift SPLAT. In einer knappen und präzisen Sprache schilderte er eindrucksvolle Bilder vom Aufbruch junger Leute aus einer bedrückenden Provinzstadt: Z.B. die friedliche Idylle eines Morgens auf einer Waldlichtung mit äsenden Rehen, die jäh durch den Tod eines dieser Rehe, getötet durch den Schuß eines Jägers, zerstört wird.

Engagierte Literatur

Der Finanzbeamte Harald Moos las aus Gedichten und einem Theaterstück. Gewalt gegen Menschen, bei uns und in Südamerika, durch Rassismus oder eine Diktatur hervorgerufen, das ist das Thema von Moos, an dem er hartnäckig festhält. Moos berichtete von seiner Arbeit und Freundschaft mit amnesty-Mitgliedern. Im besten Donsbacher Dialekt erinnerte der Donsbacher auch an Donsbacher Orginale.

Auch Gedichte und Erzählungen gegen die Gleichgültigkeit trug Eike Schniebs vor. Unser schnelles Erlahmen der Anteilnahme bei Katastrophen in der Welt behandelte ein Text.

Aber wie Moos schlug er nach seinen realistischen Arbeiten eine andere Seite seines Wesens auf und las Witzig-Skurriles, das an Morgenstern gemahnte.

Im Herbst gibt es eine Fortsetzung dieser fast drei Stunden dauernden Lesung, bei der auch das Gesellige nicht zu kurz kam.

2002 erschienen in Dill-Post und DillZeitung


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