Junge Autoren

Annika van Vugt



Einführung

Unter Kunst versteht mephistopholus eine kurzweilige Zusammenführung von Widersprüchen, eine kurzweilige Überwindung von Differenzen.

Denkt nur über Euch nach, wenn ihr Euch dieses etwas andere Theater zu Gemüte führt. Was macht das mit Euch und wie positioniert Ihr Euch gegenüber dem Was, das Das mit euch macht. Wer oder was ist Was? "Wer", "Wie", "Was", wer keine Fragen stellt bleibt dumm!

Lasst Euch auf die verschiedenen Figuren ein und analysiert ihre Lebensentwürfe, es wird Euch nicht so leicht damit ergehen, es soll auch nicht "light" sein, denn reichhaltige, komplexe Kost ist hier mehr als erwünscht.

mephistopholus rät davon ab, dieses Theater durchzuhasten, als würde man ein wichtiges Stück des Lebens verpassen. Also: Lasst euch Zeit, Ihr verpasst nichts, es geht nicht um Leben und Tod, sowie direkte Intensität des Gefühls. Man wird den Glanz und die Grandiosität dieses Theaters nicht erkennen, wenn man an der Oberfläche verharrt. Das tiefere Analysieren der Materie -aber- erfordert ein großes Maß an Ruhe und vor allem die Fähigkeit Ambivalenzen, als Form von Differenzen, ertragen zu können, die Polaritäten Gut – Böse; Richtig – Falsch, Engel – Teufel, Rot und Blau, Männlich und Weiblich, Links und Rechts etc., im zwischenmenschlichen direkten Austausch durch sanfte Tabubrüche aufzubrechen.

Kunst ermöglicht eine gewaltfreie Form der zwischenmenschlichen Kommunikation.

mephistopholus



Subjekt, Objekt, Prädikat



mit Gedanken an Rousseau und Frau Warrens, das Band und die Prokop’sche Rousseau Interpretation, an den Mythos des großen Erwachsenen und an den sensiblen Schöngeist Gainsbourg sowie seinen kleinen dogmatischen und darüber selbstzerstörerischen Gainsbarre. Die Mutterfigur ist vor allem inspiriert durch die Lektüre der Skripte Gertrud Bäumers, eine der wichtigsten Wortführerinnen der 1. deutschen Frauenbewegung, die wie viele andere Frauen des bürgerlichen Flügels der Frauenbewegung dem Nationalsozialismus leider wohlwollend entgegentrat, weil sie die Intensität des Gefühls in der Vernichtung suchte und nicht in der Liebe.


Kind: Ich bin ein malendes Kind, ich bin ein böses Kind, weil ich mich ausdrücke.

Mutter
: Ich möchte mich spiegeln in dir, Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist ... (wird unterbrochen)

Kind
: ich bin ein böses Kind, weil ich anders bin als du, weil ich Subjekt sein will. Subjekt, Objekt, Prädikat - diese Begriffe lernt man doch schon in der Grundschule. Ich liebe das Prädikat, ich spiele gerne, Mensch ärgere dich nicht aber auch Doktorspiele.

Mutter:
Aber mein Kind, gib mir das Band zurück, es zereist mir meine rosig, rote wunderschöne, seichte, sanfte, Realität, die ich mir erarbeitet habe, hart erkämpft. Opfer habe ich dafür gebracht, Fleiß und Kampfbereitschaft. Endlich bin ich kein Einzelner mehr.

Kind:
Ich bin kein Opfer, ich will nicht so sein wie du. Lass mich so, wie ich bin, lass mich in Ruhe, führe dein eigenes Leben.

Mutter:
Aber mein Kind, lass dich retten. Sei vernünftig und befolge meinen Rat, die ich immer konsequent und zuverlässig alle Regeln des Lebens auch in düsteren Zeiten befolgte. Lass uns in Frieden und Gerechtigkeit in Gemeinschaft leben.

Kind:
Du willst doch eigentlich nur dich selber retten. Es geht ja eigentlich gar nicht um mich, du brauchst mich für deine rosig, rote wunderschöne, seichte, sanfte Realität, die du dir erarbeitet hast, hart erkämpft. Aber dafür bin ich nicht zu haben, lieber möchte ich verzagen.

Mutter:
Du bist geisteskrank, wenn es den Teufel nicht gibt, sind es deine Gene, die dich zu einem solch unliebsamen, erbarmungslosen, undankbaren Menschen machen. Was habe ich da nur geboren, eine Missgeburt bist du, einsperren sollte man dich, fixieren sollte man dich.

Kind:
Aber was sollen da die Nachbarn sagen, deine Kollegen? Du wirst schamlos zu Boden sinken, wenn sie von deiner Missgeburt erfahren. Auslachen werden sie dich. Fertig machen werden sie dich, du wirst keine Komplimente mehr erhalten nur noch Hohngelächter.

Mutter:
Oh mein Kind, wie Recht du in diesem Punkte doch hast und noch mehr. Ich habe dir Unrecht getan. Bemitleiden soll man dich, der du geboren in einer krankmachenden Atmosphäre. Du trägst keine Schuld an deinen unliebsamen Seiten. Aber du kannst dieses Syndrom mit Einsicht bekämpfen bis am End deine verborgene Grandiosität zu Tage tritt. Ein Wunderjunge wird es heißen, Biographien werden noch Jahrzehnte über deinen sonderbaren Weg vom Dunklen ins Helle berichten. Ja, ich wusste es, irgendwann kommt die göttliche Erleuchtung, schon wenn man daran glaubt.

Kind
: Aber Mutter, es ist nicht nur eine Phase, es ist eine totalitäre Phase. Es gibt für mich weder Hell noch Dunkel, dieses Denken habe ich zu meinem Dogma gemacht.



Mutterbrust (chanson)

Ich kann es kaum glauben
Ich brauch’ dazu neue Augen
Ich konstruiere mir eine Mutterbrust
Von der ich bisher nicht gewusst
Eigens kreierte Honigmilch
Küsst meinen keuschen Mund
Eigens kreierte Honigmilch
Fließt genüsslich herab in meinen Schlund
Ich repariere das
Was in meiner Kindheit missglückte
Ich resigniere nicht
An der emotionalen Lücke
Die eigene Milch
Die schmeckt mir viel besser
Die eigene Milch
Die macht mich zum pompösen Texter
Kreiert euch eure eigene Mutterbrust
Wenn ihr leidet am ewigen Frust
Die Milch, sie ist getränkt mit Kreativität
Die Milch, sie liefert euch die fehlende Vitalität
Refrain: Mutterbrust, oh Mutterbrust
Warum hab ich vorher nicht von dir gewusst
Mutterbrust, oh Mutterbrust
Du bist mein erster richtiger Kuss.



Der Zyniker (Paris September 2007)

Ein bisschen Zynismus,
im richtigen Rhythmus,
exakt dosiert,
so als sei nichts passiert,
ist besser als ein scharfes Messer,
viel treffender,
treffen,
die Worte tief ins Mark,
manchmal so arg,
dass Identitäten kurzweilig stürzen,
in gärende Pfützen,
die stinken,
bis zum abgrundtiefen Versinken.
Der Zyniker labt sich an diesen Szenen,
die sich in seiner Phantasie ausdehnen,
zu phantastischen Geschichten,
ja sogar exzellenten Gedichten,
die berichten,
vom gehemmten, verklemmten Menschen,
elegantem, heuchlerischen Gedenken,
dem Gold an Handgelenken,
und feinen, halbherzigen Geschenken.







Gartenarbeit (Sommer 2007/La Bourguette)

Meine Intellektuellenhände sind übersäht mit Blasen,
wie ein gepflegter grüner Rasen,
aus dem plötzlich fremde Gewächse sprießen.
Die Blasen sind wie wunderschöne Noten,
sie erzählen von der Intensität des Gefühls.







Eine Ode an Gainsbarre ( August 2007 St. Martin/Paris)

Ich sehne mich nach Augenblicken,
die sich auf einander beziehen,
die sich in stechender Schärfe treffen,
um sich zu vereinen,
und die darin verweilen,
wie Wellen,
die orgiastisch zögernd wandern,
um irgendwann neu zu kommen,
und dann wieder zu gehen.
Ich sehne mich nach der Melange hauchfeuchter Gerüche,
den speziellen Dunst der entsteht,
wenn man sich ganz in der Kunst bewegt.
Dieser wunderbare Glanz der Wortgebilde,
die sich befruchten und danach trachten, aufzugehen in Szenen,
so ähnlich wie für manche der heißersehnte Stoß in die Venen.
Mythische Perfektion entsteht über die Offenheit,
Gegenüber der eigenen Aversion,
die wie die Obsession,
im extrem gedachten Fall,
wie ein harter Aufprall,
Gegebenes von Vergangenem spaltet,
sowie darüber tödlichen Irrsinn verwaltet.



Die Suche (Herbst 2005)
Es gilt,
sich von all den Mechanismen,
die uns dazu treiben krampfhaft vorauszuplanen,
geschickt zu kalkulieren,
ja das Leben fast statistisch zu erheben,
zu befreien.

Die Suche nach der Liebe,
nach dem Sinn des Lebens,
lässt uns das Leben sinnlos,
nicht liebenswert erscheinen.

Aber sobald wir beginnen die Suche aufzugeben,
die Angst vorm Scheitern über Bord zu werfen,
beginnen wir zu leben.




Die Autorin Annika van Vugt aus Siegbach schreibt seit einigen Jahren kleinere Texte und Gedichte. Sie ist Studentin (24 Jahre alt) der Erziehungswissenschaften, der Soziologie und der Ethnologie an der Philipps-Universität in Marburg und war in ihrer Jugendzeit Schülerin des Johanneum-Gymnasiums.
"Über meinen Studentenstatus hinaus und meiner Mitgliedschaft in der Forschungsgruppe Tiefenhermeneutik von Prof. Ulrike Prokop, verstehe ich mich als Künstlerin, da ich an jedweder Produktion von Ausdruck und Kunst im weitesten Sinne interessiert bin. Einige Beispiele kann man auf meiner homepage "begutäugeln".

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