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Archiv

 

Judith Schalansky – Der Hals der Giraffe

 

 

Liebe Freunde, sehr geehrte Leserinnen und Leser,

 

am 25. Januar 2012 um 20.00 Uhr findet unsere nächste Veranstaltung, eine Lesung mit Judith Schalansky, statt.

 

Ihr neuer Roman „Der Hals der Giraffe“ wird momentan im Feuilleton hoch gelobt.

 

                                   

 

Bildungsroman, Suhrkamp, 2011, 222 Seiten, ISBN 978-3-518-42177-2, 21,90 €

Es ist die Geschichte der Inge Lohmark, Biologielehrerin an einem kleinen Gymnasium in Mecklenburg-Vorpommern. Zynisch und kalt ist diese Inge Lohmark. Man fühlt sich an die schlimmsten Lehrergeschöpfe der eigenen Schulzeit erinnert. Sie unterrichtet Sport und Biologie, und die Naturwissen-schaften haben auch ihr Weltbild geprägt. Im Herzen glaubt sie an Darwin, der ihr zu einem Ersatzgott wird. Judith Schalansky hat eine wunderbar-grausame und mindestens ebenso bemitleidenswerte und anrührende Figur geschaffen. In drei Kapiteln, die den Unterrichtseinheiten für das Fach Biologie in der neunten Klasse entsprechen, lässt Judith Schalansky ihre Protagonistin gegen die Verblödung ihrer Umwelt ankämpfen. Sie hat dafür eine grandiose, eindrückliche Stimme entwickelt, die sarkastisch ist und für den Leser zugleich sehr lustig.

 

Judith Schalansky, geboren 1980 in Greifswald, studierte Kunstgeschichte und Kommunikationsdesign, lebt heute als freie Autorin und Gestalterin in Berlin. 2006 veröffentlichte sie ihr typografisches Kompendium Fraktur mon Amour, das mit mehreren Designpreisen ausgezeichnet wurde. Für ihren Atlas der abgelegenen Inseln wurde sie unter anderem mit dem 1. Preis der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet. Sie lebt als freie Schriftstellerin in Berlin und Frankfurt.

 

Bitte beachten Sie, dass die Lesung in der Wilhelm-von-Oranien-Schule (Raum 184/185) stattfindet – dies hat zwei Gründe: wir erwarten mehr als 50 Zuhörer und der Roman spielt an einem Gymnasium.

Damit wir besser planen können, bitten wir Sie um eine Rückantwort, wenn Sie unsere Lesung besuchen möchten.

 

Diese Lesung veranstalten wir gemeinsam mit der Stadtbücherei Dillenburg.

 

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 

Volkmar Nix und Johannes Eckert

 

 

 

 

Autorenlesung mit Gisa Klönne

 

„Nichts als Erlösung“

 

am Mittwoch, den 26. Oktober 2011 um 20.00 Uhr in der

Uhr im Hotel Bartmanns Haus (aufgrund des zu erwartenden hohen Andrangs haben wir uns entschlossen, auf das Hotel am Untertorplatz, ganz in der Nähe der Buchhandlung, auszuweichen).

 

Eintritt frei!

 

Liebe Freunde, sehr geehrte Leserinnen und Leser,

 

wieder möchten wir Sie zu einer Autorenlesung in unsere Buchhandlung einladen. Wir haben die Kriminalschriftstellerin Gisa Klönne gewinnen können, die uns ihren neuen Roman „Nichts als Erlösung“ vorstellen wird. Es ist der fünfte Band um das Kölner Ermittlerduo Judith Krieger und Manfred Korzilius, die in „Der Wald ist Schweigen“ zum ersten Mal in Erscheinung traten.

Ihr neuer Kriminalroman wird Mitte Oktober erscheinen (Ullstein, 352 Seiten, 19,99 €).

Zum Inhalt ihres neuen Kriminalromanes „Nichts als Erlösung“:

Ein Toter ohne Gesicht. Eine Familientragödie. Und ein niemals gesühntes Verbrechen aus der Vergangenheit. - Die Jagd nach dem Täter führt Hauptkommissarin Judith Krieger von Köln über Südhessen bis nach Griechenland. Und zu einem lange verschwiegenen Kapitel deutscher Geschichte: Dem Schicksal der Heimkinder in der Nachkriegszeit. Doch der Mörder verfolgt seinen eigenen Plan. Einen Plan, in dem Judith die Hauptrolle spielt ....

 

 

Auf die Frage „Warum schreiben Sie Krimis?“ antwortet Gisa Klönne: „Mich interessiert, was der Tod mit den Überlebenden macht: Mit den Angehörigen der Opfer, den Tätern und natürlich mit den Ermittlern.“

 

Gisa Klönne, 1964 geboren, studierte Anglistik und war Journalistin. Ihre von Lesern und Presse gleichermaßen gefeierte Erfolgsserie um Kommissarin Krieger wurde in mehrere Sprachen übersetzt. 2009 erhielt Gisa Klönne den Friedrich-Glauser-Preis, neben dem Deutschen Krimi Preis der wohl wichtigste Krimipreis im deutschsprachigen Raum.

Ihre bisherigen Kriminalromane heißen: „Der Wald ist Schweigen“ (2005), „Unter dem Eis“ (2006), „Nacht ohne Schatten“ (2008) und „Farben der Schuld (2009).

 

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 


 

Lesung mit Peter Kurzeck

 

„Vorabend“

 

Am Mittwoch, dem 25. Mai 2011 um 20.00 Uhr in der Aula der Juliane-von-Stolberg-Schule, Maibachstraße 1 (aufgrund des zu erwartenden hohen Andrangs haben wir uns entschlossen, auf die Aula ganz in der Nähe der Buchhandlung auszuweichen).

 

Wir freuen uns sehr, einen Hochkaräter unter den lebenden deutschsprachigen Autoren wieder für eine Veranstaltung gewonnen zu haben.

Peter Kurzeck ist in Dillenburg kein ganz unbekannter Literat, da er schon zweimal unser Gast war (zuletzt 1998). Sein neuer Roman heißt „Vorabend“.

Das reichlich 1000-seitige Buch ist der fünfte Teil einer auf zwölf Bände angelegten autobiographisch-poetischen Chronik „Das alte Jahrhundert“, die mit dem 1997 erschienen Roman „Übers Eis“ ihren Anfang nahm.

Wem wegen des Großen und Ganzen ehrfürchtiges Zittern überkommt und wem die leserische Puste auszugehen scheint allein beim Betrachten eines literarischen Achttausenders, dem sei Mut gemacht durch die Herangehensweise des Autors. Kurzeck heftet seine Augen auf  Alltäglichkeiten und Erinnerungen, die ihm ohne Ende wie reife Früchte vor seine Füße fallen. Seine Sprache ist bildkräftig und beweglich, am Mündlichen orientiert und Kunst, weil sie Fremdheit und Befremdung des Erlebten und Erinnerten ans Licht holt. Der ungeheuer präzise, gleichzeitig zärtliche Blick des Schriftstellers archiviert, was geradliniger Geschichtsschreibung nicht gelingen kann.

 

                       

Seine Sätze sind Regentropfen, die das Erinnerungsland befeuchten. Kurzecks „Wolken“ scheinen unerschöpflich:

„Oktober. Nachts oft Regen. Manchmal mehrfach der gleiche Morgen… Morgendunst. Nebel. Ein Glockenschlag. Passanten. Der Blick einer Uhr.“

 

Am Beginn des Romans sind wir mit dem Erzähler „Peta“ und seiner vierjährigen Tochter Carina in Frankfurt unterwegs zum Kinderladen. Das Kind ist begierig nach den Stimmen auf dem Weg, nach den augenscheinlichen Begebenheiten an einem Oktobermorgen. Carina verlangt vom Vater, aus seiner Kindheit zu erzählen. Diese Erzählhaltung durchzieht das Buch: Gegenwärtiges wird von Erinnerungen überblendet.

 

So schreibt Kurzeck gegen das Vergehen der Zeit an. Er beschwört Jahrzehnte vor dem Verschwinden von manch Vertrautem herauf. Schlaglichter aus 40 Jahren Bundesrepublik bis in die 80-iger Jahre hinein werden mit Begebenheiten aus der eigenen Vergangenheit angereichert. 1946 landete unser Gast als Dreijähriger mit seiner Mutter, aus Böhmen vertrieben, in Staufenberg.

 

Der Leiter des Literaturhauses Hamburg, Rainer Moritz, stellt Peter Kurzeck auf dieselbe Stufe wie Marcel Proust und stellt fest, dass er den Vergleich mit den bedeutendsten europäischen Erzählern nicht zu scheuen braucht. Nicht nur nach seiner Meinung ist Peter Kurzeck ein wichtiger Kandidat für den Georg-Büchner-Preis, dem wichtigsten deutschen Literaturpreis.

                         

Zur Person: Peter Kurzeck wurde 1943 in Tachau (Böhmen) geboren und wuchs nach der Vertreibung in Staufenberg bei Gießen auf.

Heute lebt er in Frankfurt am Main und in Uzès (Südfrankreich).

Seine wichtigsten Romane:

Keiner stirbt (1990), Vor den Abendnachrichten (1996), Übers Eis (1997), Als Gast (2003), Ein Kirschkern im März (2004), Oktober und wer wir selbst sind (2007).

Als Hörbuch besonders zu empfehlen: Ein Sommer, der bleibt (2007).

Er hat u.a. folgende Preise erhalten:

Alfred-Döblin-Preis (1991)

Nans-Erich-Nossack-Preis (2000)

Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt (2008)

Hörbuch des Jahres 2008 (Hess. Rundfunk)

 

Zum Buch: „Vorabend“, Stroemfeld, 1022 Seiten, ISBN 978-3-86600-079-7, 39,80 €

 

 

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 
 

 

Lesung mit Klaus Kordon

"Auf der Sonnenseite"

Am 12. November 2009 um 19.00 Uhr

Aufgrund des zu erwartenden Andrangs findet die Lesung in der Bibliothek der Wilhelm-von-Oranien-Schule statt.


Auf der Sonnenseite - eine deutsch-deutsche Lebensgeschichte aus den Jahren 1973-1989

Das Krokodil sitzt ihm immer noch im Nacken: Auch in seinen neuen Werk erweist Klaus Kordon bzw. sein alter ego Manfred Lenz sich einmal mehr als "wachsamer Zeitgenosse". Er blickt zurück auf sein Leben in den Jahren 1973 bis 1989 und damit auf ein Stück jüngster deutscher Geschichte aus der Sicht eines ehemaligen DDR-Bürgers, der nach seiner Entlassung aus der Stasi-Haft im Westen neu anfängt, voller Hoffnung, auf der "Sonnenseite" gelandet zu sein. Im typischen 'Kordon-Sound', mit feinem Gespür für historische Momente, soziale und politische (Miss-)Verhältnisse entsteht in seinem episodenhaften Roman eine deutsch-deutsche Lebensgeschichte. Geschrieben von einem, der beide deutsche Staaten kennt, der vom "Haifischbecken", von der materiellen Unfreiheit des Kapitalismus und der Doppelmoral der Leute erzählt und dies mit der ideologischen Unfreiheit in der DDR vergleicht. Einer, der glücklich ist, dass er sich im Westen verwirklichen, endlich schreiben kann, dem Leser aber auch erzählt, warum im Osten nicht alles falsch war.

Passend zum 20. Jahrestag des Mauerfalls erscheint "Auf der Sonnenseite" als Fortsetzung des autobiographischen Klassikers "Krokodil im Nacken". Es ist eine bewegt-bewegende Geschichte über das Hineinwachsen in das so ganz andere Leben in der Bundesrepublik der 70er und 80er Jahre und die Entwicklung des (Familien- und Autoren-) Lebens, Werdens und Schaffens von Lenz alias Kordon bis zum Mauerfall. Ein berührender und sehr persönlicher Text, der sowohl jüngere wie ältere Leser zum Erinnern und kritischem Nachdenken über deutsch-deutsche Verhältnisse zwischen Gestern und Heute, zwischen Ost und West anregt.

Klaus Kordon, geboren 1943 in Berlin, wo er heute als freier Schriftsteller lebt, gilt als meisterhaften Chronist deutscher Geschichte. Seine Bücher, in zahlreiche Sprachen übersetzt, wurden mit vielen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Für sein Gesamtwerk erhielt er den Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur zu Berlin und Brandenburg und den Alex-Wedding-Preis der Akademie der Künste.

Beltz 2009, 297 Seiten, ISBN 978-3-407-81059-5, 16,95 €


"Freiheit hat hohen Preis"

Klaus Kordon entwirft deutsch-deutsches Zeitpanorama
Von Gruntram Lenz – "Dill-Post"

Dillenburg. Klaus Kordon hat mehr Bücher geschrieben, als viele Leute in ihrem ganzen Leben lesen. Allein die derzeit bei Beltz lieferbaren Titel belaufen sich auf rund drei Dutzend, hinzu kommt eine Handvoll Hörbücher. So bot die von der "Rübezahl"-Buchhandlung organisierte Lesung des Berliners am Donnerstagabend im Forum des Dillenburger Gymnasiums für viele junge Leute und noch mehr literaturbegeisterte Erwachsene die Begegnung mit einem der bekanntesten und wichtigsten zeitgenössischen Jugendbuchautoren. Zwei Jahrzehnte nach dem Mauerfall stellte Kordon seine beiden jüngsten Zeitpanoramen vor, die eine deutsch-deutsche Lebensgeschichte über mehr als ein halbes Jahrhundert hinweg beschreiben.

In "Krokodil im Nacken" (800 Seiten, 9,95 Euro), für das er 2003 den Deutschen Jugendliteraturpreis erhielt, und "Auf der Sonnenseite" (300 Seiten, 16,95 Euro, beide im Beltz-Verlag erschienen) erweist sich Kordon, genauer gesagt sein Alter Ego Manfred Lenz, einmal mehr als wachsamer Zeitgenosse.

"Ich lasse Lenz erleben, fühlen und denken, was ich erlebt, gefühlt und gedacht habe", sagt der 66-Jährige, und "weil die meisten Memoiren eh Romane sind, habe ich mir gedacht, dann kann ich gleich Romane schreiben".

"Ich habe die DDR von Anfang an mitbekommen, war bei der Staatsgründung sechs Jahre alt", berichtet Kordon und liest dann, wie es dem kleinen Manfred alias Klaus in den ersten Schuljahren unter Lehrern ergangen ist, die Wasser predigten und Wein tranken, im Unterricht den Westen verteufelten, sich aber nachts in Westberlins Kinos vergnügten.
Jahre später hält es Manfred nicht mehr in der DDR aus, will über Bulgarien in den Westen fliehen, wird erwischt und landet im Stasi-Knast. Nach einem Jahr hinter Gittern werden er und seine Frau von der Bundesrepublik frei gekauft und versuchen sich, zunächst mehr schlecht als recht, im West-Wunderland zurechtzufinden. Packende Erinnerungen an 50 Jahre deutsch-deutsche Befindlichkeiten Dabei müssen sie schmerzhaft erkennen, dass es auch auf der vermeintlichen Sonnenseite Schatten gibt. Mit dem Mauerfall und einem Gang durchs Brandenburger Tor endet die autobiographische Geschichte vom Hineinwachsen in das so ganz andere Westleben, die zum Nachdenken über deutsch-deutsche Verhältnisse anregt.
"Politiker sagen immer nur das, was ihnen nützt, egal ob im Osten oder im Westen", ist Kordons Erkenntnis, die er "Erfahrung fürs Leben" nennt; "wir haben einen hohen Preis für unsere Freiheit bezahlt, aber im Nachhinein betrachtet, war es nicht zu teuer", ist seine ernüchternde Bilanz.

Über eine Stunde lang hingen am Donnerstagabend die rund 200 Zuhörer an den Lippen des 66-Jährigen, der sich als spannender Erzähler erwies und bei seinem Bericht aus dem prallen Leben, seinen literarisierten Erinnerungen nur zu gut wusste, wovon er sprach.

Und auch nach der Lesung galt es noch, jede Menge Fragen zu beantworten, schließlich hat man nicht jeden Tag Gelegenheit, mit einem renommierten Jugendbuchautor ins Gespräch zu kommen. Und dass seine beiden jüngsten Romane keine typischen Jugendbücher geworden sind, kann Kordon nur recht sein. "Ich mag es ohnehin, nicht, wenn etwas eingeengt in Schubladen liegt."


Unsere aktuellen Buchtipps!

Hans J. Chr. von Grimmeshausen
"Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch"
Aus dem Deutsch des 17. Jahrhunderts und mit einem Nachwort von Reinhard Kaiser

Der großartigste deutsche Roman, der noch zu entdecken bleibt

Ein Roman über den Krieg und das Geld, über das Leben und Lieben, das Hauen und Stechen in einer verkehrten Welt, in der es drunter und drüber geht - ein Weltbuch und Zeitbild, das nichts auslässt und auf der literarischen Klaviatur alle Register zum Klingen bringt.

Ein "Literatur- und Lebensdenkmal der seltensten Art" nannte Thomas Mann diesen ersten großen Roman in deutscher Sprache, in dem es "bunt, wild, roh, amüsant, verliebt und verlumpt" zugehe, "kochend von Leben, mit Tod und Teufel auf Du und Du". Die Titelfigur und den Namen des Dichters kennt jeder - nur gelesen hat das gewaltige Buch so gut wie niemand, denn das barocke Deutsch des Autors ist uns inzwischen fast unzugänglich geworden. Reinhard Kaiser hat das Wagnis unternommen, dieses erste große Volksbuch der Deutschen wieder unters Volk zu bringen: in einer Sprache, die uns nahe ist. Ihm ist das Kunststück geglückt, Rhythmus, Ton und Geist des ursprünglichen Textes, seine Tiefe und seinen übersprudelnden Witz wieder präsent werden zu lassen. Man darf von einem literarischen Wunder sprechen.

Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622 - 1676) gilt als der bedeutendste deutsche Erzähler des 17. Jahrhunderts. Nach einem gefahrvollen Leben als Soldat begann er erst 1665 mit dem Schreiben und hat in kurzer Zeit ein eindrucksvolles Opus geschaffen.

Reinhard Kaiser, geboren 1950 in Viersen. 1968 Beginn des Studiums der Germanistik, Romanistik, Sozialwissenschaften und Philosophie. Seit 1975 Übersetzer und Lektor für verschiedene Verlage. Seit 1989 Arbeit als freier Mitarbeiter für verschiedene Zeitungen und Rundfunkanstalten. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u. a. Ernst Maria Ledig-Rowohlt-Übersetzerpreis 1993, Deutscher Jugendliteraturpreis 1997, Geschwister-Scholl-Preis 2000. Der Autor lebt mit seiner Familie in Frankfurt/Main.

Die andere Bibliothek, Eichborn 2009, 762 S., gebunden 49,95 €
ISBN 978-3-8218-4769-6


Lesung mit Stephan Thome am 7. Oktober 2009

"Grenzgang"


"Können Sie noch atmen?"

Stephan Thome las im übervollen "Ausschank" aus "Grenzgang"

Von Guntram Lenz – "Dill-Post"
"Können Sie noch sitzen, können Sie überhaupt noch atmen?", fragt Stephan Thome seine Zuhörer und blickt gleichermaßen ungläubig und besorgt drein. Nach anderthalb Stunden Lesung und Diskussion im Saal des Dillenburger Oranien-Ausschanks, der am Mittwochabend mit einer Sauna hätte konkurrieren können, haben die rund 200 Literaturfreunde noch immer nicht genug von Thomes Romandebüt "Grenzgang" und erklatschen sich den Vortrag einer weiteren Passage aus dem preisgekrönten Roman. Die große Nachfrage nach der Lesung hatte die Veranstalter schon im Vorfeld bewogen, sie aus der gemütlichen "Rübezahl"-Buchhandlung in den benachbarten Saal zu verlegen, aber auch hier reichten die Stühle, Bänke und Tische kaum aus, um allen Zuhörern Platz zu bieten.

Kein anderes literarisches Debüt hatte in den letzten Jahren schon wenige Wochen nach seiner Veröffentlichung für so viel Furore gesorgt wie der Roman des 37-jährigen Biedenkopfers, der sich, wie er in Dillenburg erzählte, ein Jahrzehnt lang vergeblich um einen Verlag bemüht hatte.

Doch nachdem auf Vermittlung eines Literaturagenten der Suhrkamp Verlag, die erste Adresse nicht nur für den literarischen Nachwuchs in Deutschland, "angebissen" hatte, ging alles ganz schnell.

Mitte August erschienen liegt der Roman des studierten Philosophen mit rund 30 000 Exemplaren nun schon in der vierten Auflage vor, und ein Ende ist nicht in Sicht, zumal ihm Anfang dieser Woche der "aspekte"-Literaturpreis" zuerkannt wurde und der "Deutsche Buchpreis", der am Montag am Vorabend der Frankfurter Buchmesse verliehen wird, noch in greifbarer Nähe ist. Verdient hätte Thome ihn allemal, und vielleicht sind seine Chancen seit gestern auch noch gestiegen, nachdem der bisherigen Favoritin Herta Müller ("Atemschaukel") der Literaturnobelpreis zuerkannt wurde. Denn "Grenzgang" (Suhrkamp Verlag, 452 Seiten, 22,80 Euro) ist ein ganz großer Wurf, der über weite Strecken dank Thomes großer Dialogkunst und seiner Fähigkeit zur, gelegentlich augenzwinkernden, Empathie für seine Protagonisten ein unbändiges Lesevergnügen bereitet.

Das Grenzgang-Ritual, das dem Roman den Titel gegeben hat, lässt im Sieben-Jahres-Rhythmus Dorfbewohner die Grenzen ihrer Gemarkung abwandern, und dabei wird dann auch tüchtig über die Stränge geschlagen. Das traditionelle Volksfest bildet bei Thome, der eigentlich Schmidt heißt, aber als Autor den Mädchennamen seiner Mutter angenommen hat, um Verwechslungen zu vermeiden, nur die Folie für die ebenfalls in Sieben-Jahre-Schritten erzählte Geschichte zweier Zeitgenossen und von deren Scheitern auf Raten.
Thomas Weidmann, ein Studienrat in der hessischen Provinz, der in Berlin nicht Professor werden konnte, lernt Kerstin Werner kennen, eine geschiedene Theaterpädagogin, deren Pläne für ein eigenes Tanzstudio sich zerschlagen haben. Stattdessen muss sie sich mit ihrem pubertierenden Sohn rumärgern, dessen Klassenlehrer Weidmann ist, und ihre demenzkranke Mutter pflegen.

Beide Mittvierziger haben zu viel erlebt, um sich über das Leben und die Liebe noch Illusionen hinzugeben. "Mit Mitte vierzig ist man zu jung, um alt zu sein, aber zu alt, um sich noch jung zu fühlen, und es stimmt, verdammt noch mal, dass die kurzen Röcke im Klassenraum, die knappen Tops und T-Shirts seiner Schülerinnen ihm an manchen Tagen zu schaffen machen", heißt es da über Thomas.

Und auch Kerstin weiß nur zu gut, dass "ab einem bestimmten Maß an Frustration das Lustempfinden selbst kränkend wirkt und von da an das Verlangen in abebbenden Wellenbewegungen verläuft, bis es schließlich weder abgestorben noch am Leben ist, sondern erstarrt, wie eingefroren".

Sätze wie dieser finden sich immer wieder in diesem Romandebüt, das eine kleine Sensation ist, und man möchte sie sich auf der Zunge zergehen lassen. Und wenn man mit Einsichten wie Kerstins Erkenntnis konfrontiert wird – "Wir sind aus dem Alter raus, wir haben zu viele Rechnungen gesehen, um noch an Gratisangebote zu glauben" –, mag man sich nicht vorstellen, dass Thomes Meisterwerk um ein Haar gar keinen Verlag gefunden hätte.


Zur Person:

Stephan Thome wurde 1972 in Biedenkopf/Hessen geboren. Er studierte Philosophie, Religionswissenschaft und Sinologie an der FU Berlin und an verschiedenen Universitäten in der VR China, Taiwan und Japan. Seit 2005 lebt und arbeitet er in Taipeh/Taiwan.


Zum Roman:

Alle sieben Jahre steht Bergenstadt kopf: Man feiert Grenzgang, das traditionelle dreitägige Volksfest, und dabei werden nicht nur die Gemeindegrenzen abgeschritten. Auch abends im Festzelt wird ausprobiert, wie weit man gehen kann. Alle sind dabei, nur zwei stehen am Rand: Thomas Weidmann und Kerstin Werner. Er ist nach gescheiterter Uni-Karriere als Lehrer ans Gymnasium Bergenstadt zurückgekehrt. Sie versorgt nach gescheiterter Ehe ihre demenzkranke Mutter und hat Ärger mit ihrem pubertierenden Sohn. Vor sieben Jahren beim letzten Grenzgang sind sich die beiden schon einmal begegnet, und damals ist etwas passiert, woran sich die beiden auch noch bei diesem Fest nur mit gemischten Gefühlen erinnern.

Grenzgang ist das furiose Debüt eines jungen Autors, der von Anfang an aufs Ganze geht: Spannungsreich und voller überraschender Wendungen erzählt Stephan Thome von der Jagd nach dem Glück, die seine Figuren aus Berlin und Köln in die hessische Provinz und von dort in einen Swinger-Club an der Frankfurter Peripherie führt. Schnell wird klar, wie leicht vermeintliche Sicherheiten abhanden kommen können und wie dünn das Eis ist, auf dem Lebensentwürfe gründen – und daß es trotzdem keine Alternative zum Kampf um das eigene Glück gibt.

Suhrkamp 2009, 453 Seiten, ISBN 978-3-518-42116-1, 22,80 €


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Einladungen

Wir versenden Einladungen zu unseren Veranstaltungen. Wer brieflich oder per E-Mail eingeladen werden möchte, die/den bitten wir um eine kurze Mitteilung, gerne per E-Mail.
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Frühere Termine und Mitteilungen


Lesung mit Christoph Nix

"Junge Hunde" – 1968 im Dillkreis

am 15. April 2008 um 20.00 Uhr in der Buchhandlung Rübezahl



Rund 100 Zuhörer saßen und standen dicht gedrängt in der Buchhandlung Rübezahl, um der Lesung von Christoph Nix zu lauschen.


Der Traum von der Revolution in der Provinz

Der in Herborn und Ehringshausen aufgewachsene Theaterintendant und Autor Christoph Nix las in der Buchhandlung Rübezahl aus seinem Buch "Junge Hunde".

Buchstäblich saß man Christoph Nix zu Füßen, um einer Lesung zu lauschen, die mit revolutionären Gedanken, viel Lokalkolorit und noch mehr Melancholie zu tun hatte. Rund 100 Literaturinteressierte, Zeitzeugen und Freunde fanden am Dienstagabend den Weg in die Buchhandlung Rübezahl, um die literarische Verarbeitung der 1968er Visionen im Dillkreis vom derzeitigen Intendant des Konstanzer Stadttheater wortgewaltig nahe gebracht zu bekommen.

Johannes Eckert und Volkmar Nix, Inhaber der Buchhandlung Rübezahl, die den Autor nach Dillenburg eingeladen hatten, um aus seinem kürzlich erschienenen Roman "Junge Hunde" (Verlag "Das Neue Berlin") zu lesen, zeigten sich von der großen Resonanz überrascht und zugleich erfreut. Und auch Christoph Nix, Jahrgang 1954, war erstaunt, so viel jung gebliebene Gesichter zu sehen, wo er selbst doch schon so alt geworden sei.

Eine kokette Anspielung auf sein Äußeres, das trotz ergrauter Haare und Bauchansatz, immer noch eine verschmitzt wirkenden jugendlichen Elan ausstrahlte. Ganz zu schweigen von seinem wachen Geist, der sich nicht nur in den vorgetragenen Zeilen seiner Geschichte weitab der großen Städte manifestierte. Er, der bis heute in keine Muster passt, keiner Partei angehört, und sich unter Theaterleuten am wohlsten fühlte, las denn auch nicht nur, er zelebrierte wortgewandt Auszüge aus "Junge Hunde", in der sein alter ego Menz von der Revolution träumt.

Von seiner Liebe zu Lisa, von seiner Revolte gegen die Langweile und die Einsamkeit, die er nach dem Tod seines Vaters empfand, erzählt das Buch ebenso, wie von Freundschaften, Lehrern und der Welt der Philosophie, in die der damals 14jährige Menz alias Christoph Nix 1968 eintauchte. Seine Helden hießen Che Guevara und Ho Chi Minh, die auch in ihrer Nähe, in Frankfurt, Aktivitäten auslösten. Der Gymnasiast Menz, der in Dillenburg und Herborn zur Schule geht, wollte da nicht zurückstehen. Mit seinen Freunden probte er den Aufstand, wollte ein richtiger "68er" sein.

Irgendwie ist er es bis heute geblieben, zumal es bei ihm – trotz Professur - kein "Marsch durch die Institutionen gegeben hat. Christoph Menz wirkte herrlich erfrischend und absolut unangepasst, und mochte wohl auch daher seine Zuhörer in eine vorrevolutionäre, melancholische Stimmung zu versetzen. Von Nostalgie kein Spur.

"Ich habe viel Glück gehabt und die richtigen Leute getroffen, die mich ein Stück weit begleitet haben", erklärt er. In seiner Rolle als Theaterchef fühlt er sich gut, wohl weil er Intrigen und Machtspiele nur auf der Bühne inszeniert. Mit Schülern macht er Theater über revolutionäre Gedanken jenseits der bürgerlichen Karriere. In Christoph Nix lebt Menz bis heute fort.

(obiger Text mit Foto: Helmut Blecher, Dillzeitung)


Der Autor

Christoph Nix, geboren 1954 in Ehringshausen, machte 1973 in Herborn sein Abitur. Er studierte Rechtswissenschaft in Gießen, promovierte 1988, wurde 1990 zum Professor ernannt, unterrichtete u.a. an der Humboldt-Universität. 1991 übernahm er eine Regieassistenz am Berliner Ensemble, 1994 wurde er Intendant in am Theater in Nordhausen, 1999 am Kasseler Staatstheater. Seit 2006 ist er Intendant am Stadttheater Konstanz. Er veröffentlichte rechtswissenschaftliche (Kommentar zum Kinder- und Jugendhilfegesetz) und kriminalgeschichtliche Bücher (Deutsche Kurzschlüsse) sowie Erzählungen (Als hätten sie den Westerwald mit Olivenbäumen bepflanzt).


Das Buch

In seinem neuen Buch "Junge Hunde" erzählt Christoph Nix die Geschichte eines Gymnasiasten in Herborn. Man schreibt das Jahr 1968, und was in der Welt passiert, findet zum Missfallen der wirtschaftswundergläubigen Erwachsenen Widerhall bei den jungen Leuten. Durch deren Träume von Widerstand und Aufbruch geistern Che Guevara, Ho Chi Minh und die Frankfurter Studenten - mit ihnen wollen sie gleichziehen. Warum soll für die Provinz, den Dillkreis, nicht auch gelten, dass man die Welt verändern kann? Er und seine Freunde proben den Aufstand, was sie zumindest für die Mädchen interessant macht. Er erlebt seine erste Liebe und muss sich gewaltig anstrengen, sein revolutionäres Feuer am Lodern zu halten.



Ein Kapitel geht zu Ende

31.12.2007 (www.mittelhessen.de, kaw/s)

In der Buchhandlung "Rübezahl" geht heute ein Kapitel zu Ende: Albrecht Thielmann übergibt die Schlüssel an Johannes Eckert und Volkmar Nix. Die beiden Buchhändler führen fortan das Geschäft am Hüttenplatz.



Albrecht Thielmann hatte vor ziemlich genau 30 Jahren die Buchhandlung gegründet. Damals hatte er in der Maibachstraße Räume für seinen Laden bezogen. Mit Brettern hatte Thielmann das Innenleben der Buchhandlung selbst gezimmert. Das Mobiliar stammte vom Sperrmüll.

"Damals gab es in der Maibachstraße kein Geschäft. Jeder hat mir gesagt, dass ein Laden dort nicht funktionieren kann", erinnert sich Thielmann an die Anfänge. Wer für die Stadtautobahn war, ging nicht bei "Rübezahl" einkaufen. Auf etwa 70 Quadratmetern, die sich über mehrere, sehr verwinkelte Räume erstreckten, wagte er dennoch den Schritt in die Selbstständigkeit. Zeitgleich mit der Gründung des Geschäfts engagierte sich der Buchhändler in der Bürgerinitiative gegen die von der Stadt beschlossene Stadtautobahn.

Dies habe auch dazu geführt, dass die damals Verantwortlichen, mit wenigen Ausnahmen, "Rübezahl" nicht besucht hätten, berichtet Thielmann heute.

Eine große Auswahl an Kinder- und Jugendbüchern sowie die fachkundige Beratung machten die Buchhandlung bekannt. Für den Kinderbuchsektor steht denn auch der Name "Rübezahl".

Schon wenige Jahre später - die alten Häuser in der Maibachstraße wurden abgerissen - zog das Fachgeschäft an seinen jetzigen Standort am Hüttenplatz. Einige der alten Regale, Kommoden und Schränke sowie ein großer Spiegel aus der Maibachstraße tun nach wie vor dort ihre Dienste.

Für Albrecht Thielmann seien Bücher nicht nur bedrucktes Papier gewesen. Mit verschiedenen Veranstaltungen wie Lesungen und Kunstausstellungen zeigte er, "was ein Buch ist", erläutert er. Die zusätzlichen Angebote für Literatur und Kulturfreunde etablierten "Rübezahl" als eine literarische und heimatkundliche Begegnungsstätte - über 200 Veranstaltungen fanden bisher in den Räumen statt.

Nun übernehmen die langjährigen Angestellten Johannes Eckert und Volkmar Nix das Geschäft. Johannes Eckert machte seine Lehre beim Oranien-Verlag und seit dem Jahr 1994 bei "Rübezahl". Volkmar Nix begann seine Buchhändlerlehre vor 21 Jahren in dem Geschäft, das er nun mitleiten wird. Beide absolvierten die Frankfurter Buchhändlerschule.

Die neuen Inhaber wollen das Profil der Buchhandlung nach bewährter Manier weiter prägen. Dabei setzen sie weiterhin auf die Kundenpflege und die individuelle Beratung. Dazu gehört auch, auf die Lesegewohnheiten und die bevorzugten Stilrichtungen der Kunden einzugehen.

Albrecht Thielmann geht mit dem heutigen Tage allerdings nicht ganz in den "Rübezahl"-Ruhestand: Er wird künftig den Verlag der Buchhandlung betreuen, der seit gut drei Jahren besteht und bisher vier Bücher herausgebracht hat.

Im kommenden Jahr solle ein biografischer Roman des Pfarrers Fritz Philippi veröffentlicht werden. Die Geschichte spiele um 1900 in Breitscheid und werde ergänzt mit Erinnerungen eines bekannten heimischen Pfarrers an die letzten Jahrzehnte in Dillenburg.



Ausstellung in der Buchhandlung Rübezahl


"Bilder aus der Synagoge"
von Wilhelm Thielmann


Eröffnung der Ausstellung in der Buchhandlung Rübezahl war am Sonntag den 4. Februar 2007 um 11.30 Uhr mit einer Einführung durch Albrecht Thielmann
Die Ausstellung lief vom 5. bis 11. Februar 2007.




Der aus Herborn stammende Maler Wilhelm Thielmann (1868 bis 1924) ist als Maler und Zeichner in die Kunstgeschichte eingegangen. Sein bedeutendes Werk aus der Schwalm ist darüber hinaus ein einzigartiges Dokument der bäuerlichen Lebenswelt. Seine öffentlich ausgestellten Werke sind auch in Kunstmuseen in Kassel und Marburg zu sehen. Im Stadtmuseum Kassel befinden sich auch die Originale der "Bilder aus der Synagoge". Hundert Jahre ist es her, daß Thielmann diese Bilder zeichnete als ein reales Abbild der damaligen Kasseler jüdischen Gemeinde. Thielmann schuf hier um das Jahr 1897 herum eine einzigartige Dokumentation. Seine Bilder zeigen gottesdienstliche Handlungen in der berühmten Großen Synagoge in der Unteren Königstraße und lassen die Honoratioren und geistigen Führer dieser einst blühenden liberalen Gemeinde lebendig werden.

Thielmanns Haltung ist ein Beispiel, wie Menschen mit einer ihnen fremden religiösen Welt und Kultur umgehen könnten: Durch Einfühlung und Respekt und Freude am Verstehen und nicht durch Dämonisierung des Fremden. Der so lebensfrohe und menschenfreundliche Maler Thielmann lebte das Verstehen- und Erfassenwollen, die deutsche Kulturwelt um ihn herum ging aber mehrheitlich den Weg der Dämonisierung. Gleichzeitig herrschte die Hochzeit der jüdischen Emanzipation.

Es sei angemerkt: Typisch für die tiefer liegende Zeitstimmung jener Zeit trotz Emanzipation: Thielmanns Haltung und seine Arbeit in der jüdischen Gemeinde wurden selbst von seinen Freunden belustigt in Karikaturen kommentiert. So wird u.a. die Beschneidung des Malers dargestellt: Wilhelm Thielmann als Knäblein Konrädchen unter dem Messer eines jüdischen Mohel (Beschneider).