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Judith Schalansky – Der Hals der
Giraffe
Liebe Freunde, sehr geehrte Leserinnen und
Leser,
am 25. Januar 2012 um 20.00 Uhr findet unsere nächste
Veranstaltung, eine Lesung mit Judith Schalansky, statt.
Ihr neuer Roman „Der Hals der Giraffe“ wird momentan
im Feuilleton hoch gelobt.

Bildungsroman,
Suhrkamp, 2011, 222
Seiten, ISBN
978-3-518-42177-2,
21,90 €
Es
ist die Geschichte der Inge Lohmark, Biologielehrerin an einem
kleinen Gymnasium in Mecklenburg-Vorpommern. Zynisch
und kalt ist diese Inge Lohmark. Man fühlt sich an die schlimmsten
Lehrergeschöpfe der eigenen Schulzeit erinnert. Sie unterrichtet
Sport und Biologie, und die Naturwissen-schaften haben auch ihr
Weltbild geprägt. Im Herzen glaubt sie an Darwin, der ihr zu einem
Ersatzgott wird. Judith Schalansky hat eine wunderbar-grausame und
mindestens ebenso bemitleidenswerte und anrührende Figur
geschaffen. In drei
Kapiteln, die den Unterrichtseinheiten für das Fach Biologie in der
neunten Klasse entsprechen, lässt Judith Schalansky ihre
Protagonistin gegen die Verblödung ihrer Umwelt ankämpfen. Sie hat
dafür eine grandiose, eindrückliche Stimme entwickelt, die
sarkastisch ist und für den Leser zugleich sehr
lustig.
Judith Schalansky, geboren 1980 in Greifswald,
studierte Kunstgeschichte und Kommunikationsdesign, lebt heute als
freie Autorin und Gestalterin in Berlin. 2006 veröffentlichte sie
ihr typografisches Kompendium Fraktur mon
Amour, das mit mehreren Designpreisen ausgezeichnet
wurde. Für ihren Atlas der abgelegenen
Inseln wurde sie unter anderem mit dem 1. Preis der
Stiftung Buchkunst ausgezeichnet. Sie lebt als freie
Schriftstellerin in Berlin und
Frankfurt.
Bitte beachten Sie, dass die Lesung in der
Wilhelm-von-Oranien-Schule (Raum 184/185) stattfindet – dies hat
zwei Gründe: wir erwarten mehr als 50 Zuhörer und der Roman spielt
an einem Gymnasium.
Damit wir besser planen können, bitten wir Sie um eine
Rückantwort, wenn Sie unsere Lesung besuchen
möchten.
Diese Lesung veranstalten wir gemeinsam mit der
Stadtbücherei Dillenburg.
Wir freuen uns auf Ihren
Besuch!
Volkmar Nix und Johannes
Eckert
Autorenlesung mit Gisa
Klönne
„Nichts als
Erlösung“
am Mittwoch, den 26. Oktober 2011 um 20.00 Uhr
in der
Uhr
im Hotel Bartmanns Haus
(aufgrund des zu erwartenden hohen Andrangs
haben wir uns entschlossen, auf das Hotel am Untertorplatz, ganz in
der Nähe der Buchhandlung,
auszuweichen).
Eintritt
frei!
Liebe Freunde, sehr geehrte Leserinnen und
Leser,
wieder möchten wir Sie zu einer Autorenlesung in
unsere Buchhandlung einladen. Wir haben die Kriminalschriftstellerin
Gisa Klönne gewinnen können, die uns ihren neuen Roman „Nichts als
Erlösung“ vorstellen wird. Es ist der fünfte Band um das Kölner
Ermittlerduo Judith Krieger und Manfred Korzilius, die in „Der Wald
ist Schweigen“ zum ersten Mal in Erscheinung traten.
Ihr neuer Kriminalroman wird Mitte Oktober erscheinen
(Ullstein, 352 Seiten, 19,99 €).
Zum Inhalt ihres neuen Kriminalromanes „Nichts als
Erlösung“:
Ein Toter ohne Gesicht. Eine Familientragödie. Und ein
niemals gesühntes Verbrechen aus der Vergangenheit. - Die Jagd nach
dem Täter führt Hauptkommissarin Judith Krieger von Köln über
Südhessen bis nach Griechenland. Und zu einem lange verschwiegenen
Kapitel deutscher Geschichte: Dem Schicksal der Heimkinder in der
Nachkriegszeit. Doch der Mörder verfolgt seinen eigenen Plan. Einen
Plan, in dem Judith die Hauptrolle spielt
....
Auf die Frage „Warum schreiben Sie Krimis?“ antwortet
Gisa Klönne: „Mich interessiert, was der Tod mit den Überlebenden
macht: Mit den Angehörigen der Opfer, den Tätern und natürlich mit
den Ermittlern.“
Gisa Klönne, 1964 geboren, studierte Anglistik und war
Journalistin. Ihre von Lesern und Presse gleichermaßen gefeierte
Erfolgsserie um Kommissarin Krieger wurde in mehrere Sprachen
übersetzt. 2009 erhielt Gisa Klönne den Friedrich-Glauser-Preis,
neben dem Deutschen
Krimi Preis der wohl wichtigste
Krimipreis im deutschsprachigen
Raum.
Ihre bisherigen Kriminalromane heißen: „Der Wald ist
Schweigen“ (2005), „Unter dem Eis“ (2006), „Nacht ohne Schatten“
(2008) und „Farben der Schuld (2009).
Wir freuen uns auf Ihren
Besuch!
Lesung mit Peter
Kurzeck
„Vorabend“
Am Mittwoch, dem 25.
Mai 2011 um 20.00 Uhr in der Aula der
Juliane-von-Stolberg-Schule, Maibachstraße 1 (aufgrund des zu
erwartenden hohen Andrangs haben wir uns entschlossen, auf die Aula
ganz in der Nähe der Buchhandlung
auszuweichen).
Wir freuen uns sehr,
einen Hochkaräter unter den lebenden deutschsprachigen Autoren
wieder für eine Veranstaltung gewonnen zu haben.
Peter Kurzeck ist in
Dillenburg kein ganz unbekannter Literat, da er schon zweimal unser
Gast war (zuletzt 1998). Sein neuer Roman heißt
„Vorabend“.
Das reichlich
1000-seitige Buch ist der fünfte Teil einer auf zwölf Bände
angelegten autobiographisch-poetischen Chronik „Das alte
Jahrhundert“, die mit dem 1997 erschienen Roman „Übers Eis“ ihren
Anfang nahm.
Wem wegen des Großen
und Ganzen ehrfürchtiges Zittern überkommt und wem die leserische
Puste auszugehen scheint allein beim Betrachten eines literarischen
Achttausenders, dem sei Mut gemacht durch die Herangehensweise des
Autors. Kurzeck heftet seine Augen auf Alltäglichkeiten und
Erinnerungen, die ihm ohne Ende wie reife Früchte vor seine Füße
fallen. Seine Sprache ist bildkräftig und beweglich, am Mündlichen
orientiert und Kunst, weil sie Fremdheit und Befremdung des Erlebten
und Erinnerten ans Licht holt. Der ungeheuer präzise, gleichzeitig
zärtliche Blick des Schriftstellers archiviert, was geradliniger
Geschichtsschreibung nicht gelingen kann.

Seine Sätze sind
Regentropfen, die das Erinnerungsland befeuchten. Kurzecks „Wolken“
scheinen unerschöpflich:
„Oktober. Nachts oft
Regen. Manchmal mehrfach der gleiche Morgen… Morgendunst. Nebel. Ein
Glockenschlag. Passanten. Der Blick einer
Uhr.“
Am Beginn des Romans
sind wir mit dem Erzähler „Peta“ und seiner vierjährigen Tochter
Carina in Frankfurt unterwegs zum Kinderladen. Das Kind ist begierig
nach den Stimmen auf dem Weg, nach den augenscheinlichen
Begebenheiten an einem Oktobermorgen. Carina verlangt vom Vater, aus
seiner Kindheit zu erzählen. Diese Erzählhaltung durchzieht das
Buch: Gegenwärtiges wird von Erinnerungen
überblendet.
So schreibt Kurzeck
gegen das Vergehen der Zeit an. Er beschwört Jahrzehnte vor dem
Verschwinden von manch Vertrautem herauf. Schlaglichter aus 40
Jahren Bundesrepublik bis in die 80-iger Jahre hinein werden mit
Begebenheiten aus der eigenen Vergangenheit angereichert. 1946
landete unser Gast als Dreijähriger mit seiner Mutter, aus Böhmen
vertrieben, in Staufenberg.
Der Leiter des
Literaturhauses Hamburg, Rainer Moritz, stellt Peter Kurzeck auf
dieselbe Stufe wie Marcel Proust und stellt fest, dass er den
Vergleich mit den bedeutendsten europäischen Erzählern nicht zu
scheuen braucht. Nicht nur nach seiner Meinung ist Peter Kurzeck ein
wichtiger Kandidat für den Georg-Büchner-Preis, dem wichtigsten
deutschen Literaturpreis.

Zur Person: Peter Kurzeck wurde 1943 in
Tachau (Böhmen) geboren und wuchs nach der Vertreibung in
Staufenberg bei Gießen auf.
Heute lebt er in
Frankfurt am Main und in Uzès (Südfrankreich).
Seine wichtigsten
Romane:
Keiner stirbt (1990),
Vor den Abendnachrichten (1996), Übers Eis (1997), Als Gast (2003),
Ein Kirschkern im März (2004), Oktober und wer wir selbst sind
(2007).
Als Hörbuch besonders
zu empfehlen: Ein Sommer, der bleibt (2007).
Er hat u.a. folgende
Preise erhalten:
Alfred-Döblin-Preis
(1991)
Nans-Erich-Nossack-Preis
(2000)
Goethe-Plakette der
Stadt Frankfurt (2008)
Hörbuch des Jahres
2008 (Hess. Rundfunk)
Zum Buch: „Vorabend“,
Stroemfeld, 1022 Seiten, ISBN 978-3-86600-079-7, 39,80
€
Wir freuen uns auf
Ihren Besuch!
Lesung mit Klaus Kordon"Auf der
Sonnenseite"Am 12. November 2009 um 19.00
Uhr Aufgrund des zu erwartenden Andrangs findet die Lesung in
der Bibliothek der Wilhelm-von-Oranien-Schule statt.
Auf der Sonnenseite - eine deutsch-deutsche
Lebensgeschichte aus den Jahren 1973-1989 Das
Krokodil sitzt ihm immer noch im Nacken: Auch in seinen neuen Werk
erweist Klaus Kordon bzw. sein alter ego Manfred Lenz sich einmal
mehr als "wachsamer Zeitgenosse". Er blickt zurück auf sein Leben in
den Jahren 1973 bis 1989 und damit auf ein Stück jüngster deutscher
Geschichte aus der Sicht eines ehemaligen DDR-Bürgers, der nach
seiner Entlassung aus der Stasi-Haft im Westen neu anfängt, voller
Hoffnung, auf der "Sonnenseite" gelandet zu sein. Im typischen
'Kordon-Sound', mit feinem Gespür für historische Momente, soziale
und politische (Miss-)Verhältnisse entsteht in seinem episodenhaften
Roman eine deutsch-deutsche Lebensgeschichte. Geschrieben von einem,
der beide deutsche Staaten kennt, der vom "Haifischbecken", von der
materiellen Unfreiheit des Kapitalismus und der Doppelmoral der
Leute erzählt und dies mit der ideologischen Unfreiheit in der DDR
vergleicht. Einer, der glücklich ist, dass er sich im Westen
verwirklichen, endlich schreiben kann, dem Leser aber auch erzählt,
warum im Osten nicht alles falsch war.  Passend zum
20. Jahrestag des Mauerfalls erscheint "Auf der Sonnenseite" als
Fortsetzung des autobiographischen Klassikers "Krokodil im Nacken".
Es ist eine bewegt-bewegende Geschichte über das Hineinwachsen in
das so ganz andere Leben in der Bundesrepublik der 70er und 80er
Jahre und die Entwicklung des (Familien- und Autoren-) Lebens,
Werdens und Schaffens von Lenz alias Kordon bis zum Mauerfall. Ein
berührender und sehr persönlicher Text, der sowohl jüngere wie
ältere Leser zum Erinnern und kritischem Nachdenken über
deutsch-deutsche Verhältnisse zwischen Gestern und Heute, zwischen
Ost und West anregt. Klaus Kordon, geboren 1943 in Berlin, wo
er heute als freier Schriftsteller lebt, gilt als meisterhaften
Chronist deutscher Geschichte. Seine Bücher, in zahlreiche Sprachen
übersetzt, wurden mit vielen nationalen und internationalen Preisen
ausgezeichnet. Für sein Gesamtwerk erhielt er den Großen Preis der
Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur zu Berlin und
Brandenburg und den Alex-Wedding-Preis der Akademie der Künste. Beltz 2009, 297 Seiten, ISBN
978-3-407-81059-5, 16,95 €"Freiheit hat hohen
Preis"Klaus Kordon entwirft deutsch-deutsches
ZeitpanoramaVon Gruntram Lenz –
"Dill-Post"Dillenburg. Klaus Kordon hat mehr Bücher
geschrieben, als viele Leute in ihrem ganzen Leben lesen. Allein die
derzeit bei Beltz lieferbaren Titel belaufen sich auf rund drei
Dutzend, hinzu kommt eine Handvoll Hörbücher. So bot die von der
"Rübezahl"-Buchhandlung organisierte Lesung des Berliners am
Donnerstagabend im Forum des Dillenburger Gymnasiums für viele junge
Leute und noch mehr literaturbegeisterte Erwachsene die Begegnung
mit einem der bekanntesten und wichtigsten zeitgenössischen
Jugendbuchautoren. Zwei Jahrzehnte nach dem Mauerfall stellte Kordon
seine beiden jüngsten Zeitpanoramen vor, die eine deutsch-deutsche
Lebensgeschichte über mehr als ein halbes Jahrhundert hinweg
beschreiben. In "Krokodil im Nacken" (800 Seiten, 9,95 Euro),
für das er 2003 den Deutschen Jugendliteraturpreis erhielt, und "Auf
der Sonnenseite" (300 Seiten, 16,95 Euro, beide im Beltz-Verlag
erschienen) erweist sich Kordon, genauer gesagt sein Alter Ego
Manfred Lenz, einmal mehr als wachsamer Zeitgenosse. "Ich
lasse Lenz erleben, fühlen und denken, was ich erlebt, gefühlt und
gedacht habe", sagt der 66-Jährige, und "weil die meisten Memoiren
eh Romane sind, habe ich mir gedacht, dann kann ich gleich Romane
schreiben". "Ich habe die DDR von Anfang an mitbekommen, war
bei der Staatsgründung sechs Jahre alt", berichtet Kordon und liest
dann, wie es dem kleinen Manfred alias Klaus in den ersten
Schuljahren unter Lehrern ergangen ist, die Wasser predigten und
Wein tranken, im Unterricht den Westen verteufelten, sich aber
nachts in Westberlins Kinos vergnügten. Jahre später hält es
Manfred nicht mehr in der DDR aus, will über Bulgarien in den Westen
fliehen, wird erwischt und landet im Stasi-Knast. Nach einem Jahr
hinter Gittern werden er und seine Frau von der Bundesrepublik frei
gekauft und versuchen sich, zunächst mehr schlecht als recht, im
West-Wunderland zurechtzufinden. Packende Erinnerungen an 50 Jahre
deutsch-deutsche Befindlichkeiten Dabei müssen sie schmerzhaft
erkennen, dass es auch auf der vermeintlichen Sonnenseite Schatten
gibt. Mit dem Mauerfall und einem Gang durchs Brandenburger Tor
endet die autobiographische Geschichte vom Hineinwachsen in das so
ganz andere Westleben, die zum Nachdenken über deutsch-deutsche
Verhältnisse anregt. "Politiker sagen immer nur das, was ihnen
nützt, egal ob im Osten oder im Westen", ist Kordons Erkenntnis, die
er "Erfahrung fürs Leben" nennt; "wir haben einen hohen Preis für
unsere Freiheit bezahlt, aber im Nachhinein betrachtet, war es nicht
zu teuer", ist seine ernüchternde Bilanz. Über eine Stunde
lang hingen am Donnerstagabend die rund 200 Zuhörer an den Lippen
des 66-Jährigen, der sich als spannender Erzähler erwies und bei
seinem Bericht aus dem prallen Leben, seinen literarisierten
Erinnerungen nur zu gut wusste, wovon er sprach. Und auch
nach der Lesung galt es noch, jede Menge Fragen zu beantworten,
schließlich hat man nicht jeden Tag Gelegenheit, mit einem
renommierten Jugendbuchautor ins Gespräch zu kommen. Und dass seine
beiden jüngsten Romane keine typischen Jugendbücher geworden sind,
kann Kordon nur recht sein. "Ich mag es ohnehin, nicht, wenn etwas
eingeengt in Schubladen liegt."
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Unsere
aktuellen Buchtipps!
Hans J. Chr. von
Grimmeshausen "Der abenteuerliche Simplicissimus
Deutsch" Aus dem Deutsch des 17. Jahrhunderts und mit einem
Nachwort von Reinhard Kaiser
Der großartigste
deutsche Roman, der noch zu entdecken bleibt
Ein Roman über
den Krieg und das Geld, über das Leben und Lieben, das Hauen und
Stechen in einer verkehrten Welt, in der es drunter und drüber geht
- ein Weltbuch und Zeitbild, das nichts auslässt und auf der
literarischen Klaviatur alle Register zum Klingen bringt.
Ein
"Literatur- und Lebensdenkmal der seltensten Art" nannte Thomas Mann
diesen ersten großen Roman in deutscher Sprache, in dem es "bunt,
wild, roh, amüsant, verliebt und verlumpt" zugehe, "kochend von
Leben, mit Tod und Teufel auf Du und Du". Die Titelfigur und den
Namen des Dichters kennt jeder - nur gelesen hat das gewaltige Buch
so gut wie niemand, denn das barocke Deutsch des Autors ist uns
inzwischen fast unzugänglich geworden. Reinhard Kaiser hat das
Wagnis unternommen, dieses erste große Volksbuch der Deutschen
wieder unters Volk zu bringen: in einer Sprache, die uns nahe ist.
Ihm ist das Kunststück geglückt, Rhythmus, Ton und Geist des
ursprünglichen Textes, seine Tiefe und seinen übersprudelnden Witz
wieder präsent werden zu lassen. Man darf von einem literarischen
Wunder sprechen.
Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen
(1622 - 1676) gilt als der bedeutendste deutsche Erzähler des 17.
Jahrhunderts. Nach einem gefahrvollen Leben als Soldat begann er
erst 1665 mit dem Schreiben und hat in kurzer Zeit ein
eindrucksvolles Opus geschaffen.
Reinhard Kaiser, geboren
1950 in Viersen. 1968 Beginn des Studiums der Germanistik,
Romanistik, Sozialwissenschaften und Philosophie. Seit 1975
Übersetzer und Lektor für verschiedene Verlage. Seit 1989 Arbeit als
freier Mitarbeiter für verschiedene Zeitungen und Rundfunkanstalten.
Zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u. a. Ernst Maria
Ledig-Rowohlt-Übersetzerpreis 1993, Deutscher Jugendliteraturpreis
1997, Geschwister-Scholl-Preis 2000. Der Autor lebt mit seiner
Familie in Frankfurt/Main.
Die andere Bibliothek,
Eichborn 2009, 762 S., gebunden 49,95 € ISBN
978-3-8218-4769-6
Lesung mit Stephan Thome am 7. Oktober 2009
"Grenzgang"
"Können Sie noch atmen?"
Stephan Thome las
im übervollen "Ausschank" aus "Grenzgang"
Von Guntram Lenz
– "Dill-Post" "Können Sie noch sitzen, können Sie überhaupt
noch atmen?", fragt Stephan Thome seine Zuhörer und blickt
gleichermaßen ungläubig und besorgt drein. Nach anderthalb Stunden
Lesung und Diskussion im Saal des Dillenburger Oranien-Ausschanks,
der am Mittwochabend mit einer Sauna hätte konkurrieren können,
haben die rund 200 Literaturfreunde noch immer nicht genug von
Thomes Romandebüt "Grenzgang" und erklatschen sich den Vortrag einer
weiteren Passage aus dem preisgekrönten Roman. Die große Nachfrage
nach der Lesung hatte die Veranstalter schon im Vorfeld bewogen, sie
aus der gemütlichen "Rübezahl"-Buchhandlung in den benachbarten Saal
zu verlegen, aber auch hier reichten die Stühle, Bänke und Tische
kaum aus, um allen Zuhörern Platz zu bieten.
Kein anderes
literarisches Debüt hatte in den letzten Jahren schon wenige Wochen
nach seiner Veröffentlichung für so viel Furore gesorgt wie der
Roman des 37-jährigen Biedenkopfers, der sich, wie er in Dillenburg
erzählte, ein Jahrzehnt lang vergeblich um einen Verlag bemüht
hatte.
Doch nachdem auf Vermittlung eines Literaturagenten
der Suhrkamp Verlag, die erste Adresse nicht nur für den
literarischen Nachwuchs in Deutschland, "angebissen" hatte, ging
alles ganz schnell.
Mitte August erschienen liegt der Roman
des studierten Philosophen mit rund 30 000 Exemplaren nun schon in
der vierten Auflage vor, und ein Ende ist nicht in Sicht, zumal ihm
Anfang dieser Woche der "aspekte"-Literaturpreis" zuerkannt wurde
und der "Deutsche Buchpreis", der am Montag am Vorabend der
Frankfurter Buchmesse verliehen wird, noch in greifbarer Nähe ist.
Verdient hätte Thome ihn allemal, und vielleicht sind seine Chancen
seit gestern auch noch gestiegen, nachdem der bisherigen Favoritin
Herta Müller ("Atemschaukel") der Literaturnobelpreis zuerkannt
wurde. Denn "Grenzgang" (Suhrkamp Verlag, 452 Seiten, 22,80 Euro)
ist ein ganz großer Wurf, der über weite Strecken dank Thomes großer
Dialogkunst und seiner Fähigkeit zur, gelegentlich augenzwinkernden,
Empathie für seine Protagonisten ein unbändiges Lesevergnügen
bereitet.
Das Grenzgang-Ritual, das dem Roman den Titel
gegeben hat, lässt im Sieben-Jahres-Rhythmus Dorfbewohner die
Grenzen ihrer Gemarkung abwandern, und dabei wird dann auch tüchtig
über die Stränge geschlagen. Das traditionelle Volksfest bildet bei
Thome, der eigentlich Schmidt heißt, aber als Autor den Mädchennamen
seiner Mutter angenommen hat, um Verwechslungen zu vermeiden, nur
die Folie für die ebenfalls in Sieben-Jahre-Schritten erzählte
Geschichte zweier Zeitgenossen und von deren Scheitern auf
Raten. Thomas Weidmann, ein Studienrat in der hessischen Provinz,
der in Berlin nicht Professor werden konnte, lernt Kerstin Werner
kennen, eine geschiedene Theaterpädagogin, deren Pläne für ein
eigenes Tanzstudio sich zerschlagen haben. Stattdessen muss sie sich
mit ihrem pubertierenden Sohn rumärgern, dessen Klassenlehrer
Weidmann ist, und ihre demenzkranke Mutter pflegen.
Beide
Mittvierziger haben zu viel erlebt, um sich über das Leben und die
Liebe noch Illusionen hinzugeben. "Mit Mitte vierzig ist man zu
jung, um alt zu sein, aber zu alt, um sich noch jung zu fühlen, und
es stimmt, verdammt noch mal, dass die kurzen Röcke im Klassenraum,
die knappen Tops und T-Shirts seiner Schülerinnen ihm an manchen
Tagen zu schaffen machen", heißt es da über Thomas.
Und auch
Kerstin weiß nur zu gut, dass "ab einem bestimmten Maß an
Frustration das Lustempfinden selbst kränkend wirkt und von da an
das Verlangen in abebbenden Wellenbewegungen verläuft, bis es
schließlich weder abgestorben noch am Leben ist, sondern erstarrt,
wie eingefroren".
Sätze wie dieser finden sich immer wieder
in diesem Romandebüt, das eine kleine Sensation ist, und man möchte
sie sich auf der Zunge zergehen lassen. Und wenn man mit Einsichten
wie Kerstins Erkenntnis konfrontiert wird – "Wir sind aus dem Alter
raus, wir haben zu viele Rechnungen gesehen, um noch an
Gratisangebote zu glauben" –, mag man sich nicht vorstellen, dass
Thomes Meisterwerk um ein Haar gar keinen Verlag gefunden hätte.
Zur Person:
Stephan Thome wurde 1972 in
Biedenkopf/Hessen geboren. Er studierte Philosophie,
Religionswissenschaft und Sinologie an der FU Berlin und an
verschiedenen Universitäten in der VR China, Taiwan und Japan. Seit
2005 lebt und arbeitet er in Taipeh/Taiwan.
Zum
Roman:
Alle sieben Jahre steht Bergenstadt kopf: Man
feiert Grenzgang, das traditionelle dreitägige Volksfest, und dabei
werden nicht nur die Gemeindegrenzen abgeschritten. Auch abends im
Festzelt wird ausprobiert, wie weit man gehen kann. Alle sind dabei,
nur zwei stehen am Rand: Thomas Weidmann und Kerstin Werner. Er ist
nach gescheiterter Uni-Karriere als Lehrer ans Gymnasium Bergenstadt
zurückgekehrt. Sie versorgt nach gescheiterter Ehe ihre demenzkranke
Mutter und hat Ärger mit ihrem pubertierenden Sohn. Vor sieben
Jahren beim letzten Grenzgang sind sich die beiden schon einmal
begegnet, und damals ist etwas passiert, woran sich die beiden auch
noch bei diesem Fest nur mit gemischten Gefühlen
erinnern.
Grenzgang ist das furiose Debüt eines jungen
Autors, der von Anfang an aufs Ganze geht: Spannungsreich und voller
überraschender Wendungen erzählt Stephan Thome von der Jagd nach dem
Glück, die seine Figuren aus Berlin und Köln in die hessische
Provinz und von dort in einen Swinger-Club an der Frankfurter
Peripherie führt. Schnell wird klar, wie leicht vermeintliche
Sicherheiten abhanden kommen können und wie dünn das Eis ist, auf
dem Lebensentwürfe gründen – und daß es trotzdem keine Alternative
zum Kampf um das eigene Glück gibt.
Suhrkamp 2009, 453
Seiten, ISBN 978-3-518-42116-1, 22,80 €
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Lesung mit Christoph
Nix
"Junge Hunde" – 1968 im
Dillkreis
am 15. April 2008 um 20.00 Uhr in der
Buchhandlung Rübezahl

Rund 100 Zuhörer saßen und standen dicht
gedrängt in der Buchhandlung Rübezahl, um der Lesung von Christoph
Nix zu lauschen.
Der Traum von der Revolution in
der Provinz
Der in Herborn und Ehringshausen
aufgewachsene Theaterintendant und Autor Christoph Nix las in der
Buchhandlung Rübezahl aus seinem Buch "Junge
Hunde".
Buchstäblich saß man Christoph Nix zu Füßen, um einer
Lesung zu lauschen, die mit revolutionären Gedanken, viel
Lokalkolorit und noch mehr Melancholie zu tun hatte. Rund 100
Literaturinteressierte, Zeitzeugen und Freunde fanden am
Dienstagabend den Weg in die Buchhandlung Rübezahl, um die
literarische Verarbeitung der 1968er Visionen im Dillkreis vom
derzeitigen Intendant des Konstanzer Stadttheater wortgewaltig nahe
gebracht zu bekommen.
Johannes Eckert und Volkmar Nix,
Inhaber der Buchhandlung Rübezahl, die den Autor nach Dillenburg
eingeladen hatten, um aus seinem kürzlich erschienenen Roman "Junge
Hunde" (Verlag "Das Neue Berlin") zu lesen, zeigten sich von der
großen Resonanz überrascht und zugleich erfreut. Und auch Christoph
Nix, Jahrgang 1954, war erstaunt, so viel jung gebliebene Gesichter
zu sehen, wo er selbst doch schon so alt geworden sei.
Eine
kokette Anspielung auf sein Äußeres, das trotz ergrauter Haare und
Bauchansatz, immer noch eine verschmitzt wirkenden jugendlichen Elan
ausstrahlte. Ganz zu schweigen von seinem wachen Geist, der sich
nicht nur in den vorgetragenen Zeilen seiner Geschichte weitab der
großen Städte manifestierte. Er, der bis heute in keine Muster
passt, keiner Partei angehört, und sich unter Theaterleuten am
wohlsten fühlte, las denn auch nicht nur, er zelebrierte wortgewandt
Auszüge aus "Junge Hunde", in der sein alter ego Menz von der
Revolution träumt.
Von seiner Liebe zu Lisa, von seiner
Revolte gegen die Langweile und die Einsamkeit, die er nach dem Tod
seines Vaters empfand, erzählt das Buch ebenso, wie von
Freundschaften, Lehrern und der Welt der Philosophie, in die der
damals 14jährige Menz alias Christoph Nix 1968 eintauchte. Seine
Helden hießen Che Guevara und Ho Chi Minh, die auch in ihrer Nähe,
in Frankfurt, Aktivitäten auslösten. Der Gymnasiast Menz, der in
Dillenburg und Herborn zur Schule geht, wollte da nicht
zurückstehen. Mit seinen Freunden probte er den Aufstand, wollte ein
richtiger "68er" sein.
Irgendwie ist er es bis heute
geblieben, zumal es bei ihm – trotz Professur - kein "Marsch durch
die Institutionen gegeben hat. Christoph Menz wirkte herrlich
erfrischend und absolut unangepasst, und mochte wohl auch daher
seine Zuhörer in eine vorrevolutionäre, melancholische Stimmung zu
versetzen. Von Nostalgie kein Spur.
"Ich habe viel Glück
gehabt und die richtigen Leute getroffen, die mich ein Stück weit
begleitet haben", erklärt er. In seiner Rolle als Theaterchef fühlt
er sich gut, wohl weil er Intrigen und Machtspiele nur auf der Bühne
inszeniert. Mit Schülern macht er Theater über revolutionäre
Gedanken jenseits der bürgerlichen Karriere. In Christoph Nix lebt
Menz bis heute fort.
(obiger Text mit Foto: Helmut
Blecher, Dillzeitung)
Der Autor
Christoph Nix, geboren 1954 in Ehringshausen, machte 1973
in Herborn sein Abitur. Er studierte Rechtswissenschaft in Gießen,
promovierte 1988, wurde 1990 zum Professor ernannt, unterrichtete
u.a. an der Humboldt-Universität. 1991 übernahm er eine
Regieassistenz am Berliner Ensemble, 1994 wurde er Intendant in am
Theater in Nordhausen, 1999 am Kasseler Staatstheater. Seit 2006 ist
er Intendant am Stadttheater Konstanz. Er veröffentlichte
rechtswissenschaftliche (Kommentar zum Kinder- und
Jugendhilfegesetz) und kriminalgeschichtliche Bücher (Deutsche
Kurzschlüsse) sowie Erzählungen (Als hätten sie den Westerwald mit
Olivenbäumen bepflanzt).
Das Buch
In seinem neuen Buch "Junge Hunde" erzählt Christoph Nix
die Geschichte eines Gymnasiasten in Herborn. Man schreibt das Jahr
1968, und was in der Welt passiert, findet zum Missfallen der
wirtschaftswundergläubigen Erwachsenen Widerhall bei den jungen
Leuten. Durch deren Träume von Widerstand und Aufbruch geistern Che
Guevara, Ho Chi Minh und die Frankfurter Studenten - mit ihnen
wollen sie gleichziehen. Warum soll für die Provinz, den Dillkreis,
nicht auch gelten, dass man die Welt verändern kann? Er und seine
Freunde proben den Aufstand, was sie zumindest für die Mädchen
interessant macht. Er erlebt seine erste Liebe und muss sich
gewaltig anstrengen, sein revolutionäres Feuer am Lodern zu
halten.
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Ein Kapitel geht zu
Ende
31.12.2007 (www.mittelhessen.de,
kaw/s)
In der Buchhandlung "Rübezahl" geht heute ein
Kapitel zu Ende: Albrecht Thielmann übergibt die Schlüssel an
Johannes Eckert und Volkmar Nix. Die beiden Buchhändler führen
fortan das Geschäft am Hüttenplatz.

Albrecht
Thielmann hatte vor ziemlich genau 30 Jahren die Buchhandlung
gegründet. Damals hatte er in der Maibachstraße Räume für seinen
Laden bezogen. Mit Brettern hatte Thielmann das Innenleben der
Buchhandlung selbst gezimmert. Das Mobiliar stammte vom
Sperrmüll.
"Damals gab es in der Maibachstraße kein Geschäft.
Jeder hat mir gesagt, dass ein Laden dort nicht funktionieren kann",
erinnert sich Thielmann an die Anfänge. Wer für die Stadtautobahn
war, ging nicht bei "Rübezahl" einkaufen. Auf etwa 70 Quadratmetern,
die sich über mehrere, sehr verwinkelte Räume erstreckten, wagte er
dennoch den Schritt in die Selbstständigkeit. Zeitgleich mit der
Gründung des Geschäfts engagierte sich der Buchhändler in der
Bürgerinitiative gegen die von der Stadt beschlossene Stadtautobahn.
Dies habe auch dazu geführt, dass die damals
Verantwortlichen, mit wenigen Ausnahmen, "Rübezahl" nicht besucht
hätten, berichtet Thielmann heute.
Eine große Auswahl an
Kinder- und Jugendbüchern sowie die fachkundige Beratung machten die
Buchhandlung bekannt. Für den Kinderbuchsektor steht denn auch der
Name "Rübezahl".
Schon wenige Jahre später - die alten Häuser
in der Maibachstraße wurden abgerissen - zog das Fachgeschäft an
seinen jetzigen Standort am Hüttenplatz. Einige der alten Regale,
Kommoden und Schränke sowie ein großer Spiegel aus der Maibachstraße
tun nach wie vor dort ihre Dienste.
Für Albrecht Thielmann
seien Bücher nicht nur bedrucktes Papier gewesen. Mit verschiedenen
Veranstaltungen wie Lesungen und Kunstausstellungen zeigte er, "was
ein Buch ist", erläutert er. Die zusätzlichen Angebote für Literatur
und Kulturfreunde etablierten "Rübezahl" als eine literarische und
heimatkundliche Begegnungsstätte - über 200 Veranstaltungen fanden
bisher in den Räumen statt.
Nun übernehmen die langjährigen
Angestellten Johannes Eckert und Volkmar Nix das Geschäft. Johannes
Eckert machte seine Lehre beim Oranien-Verlag und seit dem Jahr 1994
bei "Rübezahl". Volkmar Nix begann seine Buchhändlerlehre vor 21
Jahren in dem Geschäft, das er nun mitleiten wird. Beide
absolvierten die Frankfurter Buchhändlerschule.
Die neuen
Inhaber wollen das Profil der Buchhandlung nach bewährter Manier
weiter prägen. Dabei setzen sie weiterhin auf die Kundenpflege und
die individuelle Beratung. Dazu gehört auch, auf die
Lesegewohnheiten und die bevorzugten Stilrichtungen der Kunden
einzugehen.
Albrecht Thielmann geht mit dem heutigen Tage
allerdings nicht ganz in den "Rübezahl"-Ruhestand: Er wird künftig
den Verlag der Buchhandlung betreuen, der seit gut drei Jahren
besteht und bisher vier Bücher herausgebracht hat.
Im
kommenden Jahr solle ein biografischer Roman des Pfarrers Fritz
Philippi veröffentlicht werden. Die Geschichte spiele um 1900 in
Breitscheid und werde ergänzt mit Erinnerungen eines bekannten
heimischen Pfarrers an die letzten Jahrzehnte in
Dillenburg.
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Ausstellung in
der Buchhandlung Rübezahl
"Bilder
aus der Synagoge" von Wilhelm Thielmann
Eröffnung der
Ausstellung in der Buchhandlung Rübezahl war am Sonntag den 4.
Februar 2007 um 11.30 Uhr mit einer Einführung durch Albrecht
Thielmann Die Ausstellung lief vom 5. bis 11. Februar 2007.
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Der aus Herborn stammende Maler Wilhelm Thielmann
(1868 bis 1924) ist als Maler und Zeichner in die Kunstgeschichte
eingegangen. Sein bedeutendes Werk aus der Schwalm ist darüber
hinaus ein einzigartiges Dokument der bäuerlichen Lebenswelt. Seine
öffentlich ausgestellten Werke sind auch in Kunstmuseen in Kassel
und Marburg zu sehen. Im Stadtmuseum Kassel befinden sich auch die
Originale der "Bilder aus der Synagoge". Hundert Jahre ist es her,
daß Thielmann diese Bilder zeichnete als ein reales Abbild der
damaligen Kasseler jüdischen Gemeinde. Thielmann schuf hier um das
Jahr 1897 herum eine einzigartige Dokumentation. Seine Bilder zeigen
gottesdienstliche Handlungen in der berühmten Großen Synagoge in der
Unteren Königstraße und lassen die Honoratioren und geistigen Führer
dieser einst blühenden liberalen Gemeinde lebendig werden.
Thielmanns Haltung ist ein Beispiel, wie Menschen mit einer
ihnen fremden religiösen Welt und Kultur umgehen könnten: Durch
Einfühlung und Respekt und Freude am Verstehen und nicht durch
Dämonisierung des Fremden. Der so lebensfrohe und
menschenfreundliche Maler Thielmann lebte das Verstehen- und
Erfassenwollen, die deutsche Kulturwelt um ihn herum ging aber
mehrheitlich den Weg der Dämonisierung. Gleichzeitig herrschte die
Hochzeit der jüdischen Emanzipation.
Es sei angemerkt:
Typisch für die tiefer liegende Zeitstimmung jener Zeit trotz
Emanzipation: Thielmanns Haltung und seine Arbeit in der jüdischen
Gemeinde wurden selbst von seinen Freunden belustigt in Karikaturen
kommentiert. So wird u.a. die Beschneidung des Malers dargestellt:
Wilhelm Thielmann als Knäblein Konrädchen unter dem Messer eines
jüdischen Mohel (Beschneider).
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