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Hüttenplatz
14 35683 Dillenburg Telefon 0 27
71-72 38 Telefax 0 27 71-82 91
46 Montag -
Freitag 8:30 -
12:30 14:00 -
18:00 Samstag 9:00 -
13:00
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Rübezahl
von Roderich
Feldes
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Fast könnte man die Sentenz des Brantschen
Büchernarren "Denn es genügt schon meinem Sinn, / Wenn ich umringt
von Büchern bin" billigen, wenn man die drei Stufen in den
Verkaufsraum der Buchhandlung "Rübezahl" in Dillenburg hinuntergeht,
denn nirgendwo sonst im Land zwischen Dill und Lahn gibt es einen
Bücherort, der wohltuender zum Verweilen, Betrachten und Blättern
einlädt.
In dem restaurierten Fachwerkhaus am Hüttenplatz,
etwas tiefer als parterre, hinter unauffälligen Schaufenstern
zwischen Eichenbalken, die schon einen ersten Blick in die
Bücherwelt gestatten, hinter solid gearbeiteten, längs- und
quergestellten Holzregalen steht ein bequemes Sofa mit einem Tisch
davor, auf dem Neuerscheinungen liegen, darüber ein verschnörkelter
Aufsatz und eine Uhr, die schon dem letzten Herzog von Nassau, der
vor 120 Jahren im Wald neben meinem Geburtshaus seinen letzten
Auerhahn schoß, die Zeit hätte zerticken können. Wie ein Haus im
Haus, halb Küche, halb Kanzel, Herz in der Mitte, die Verkaufstheke,
die feste Burg des Geschäftes mit den Reihen der bestellten Bücher,
aus denen Zettel ragen, und Grossisten-Kataloge. Rundum Regale, die
Nischen bilden, in die man sich zurückziehen kann, um Romane,
Sachbücher, Klassiker, Unterhaltendes, Spannendes zu betrachten. Ein
ausgestopfter Fuchs, der aufrecht ein Tablett für Bücher
präsentiert, markiert die Grenze zwischen Erwachsenen- und Kinder-
und Jugendliteratur.
Einige Kunden treiben gleich auf diese
Nischen zu und scheinen sich in der literarischen Atmosphäre zu
rekeln, so als wehe etwas von dem Inhalt der Bücher durch die Luft
und sie könnten es einatmen.
Einige gehen zur Verkaufstheke
zu Herrn Thielmann, dem Inhaber der Buchhandlung, stellen Fragen,
suchen Sekundärliteratur, ein alternatives Kochbuch zum alternativen
Preis, Romane über Arbeiter oder das Dritte Reich oder heimisch
Deftiges, Lebenshilfen, bißchen Geschichte, Bilderbücher. Herr
Thielmann berät, faßt Inhalte kurz, gibt Nachhilfe in
Literaturgeschichte, erzählt von seinen Lieblingsbüchern. Und wenn
dann auch nur 2,80 DM in der Ladenkasse klingeln nach einer
Literaturstunde: Es hat sich gelohnt. Er hat einen Leser gewonnen,
nicht unbedingt einen Kunden, aber einen Leser, der bereit ist, sich
manchmal abzusondern und so etwas Unzeitgemäßes, fast Verdächtiges
anzustellen wie das Lesen eines Buches.
Einige Autoren werden
besonders gepflegt: Luise Rinser, Hermann Hesse, Erich Fromm, Astrid
Lindgren, Christine Nöstlinger, Martin Walser, Helga M. Novak. Auch
ich gehöre zu den gepflegten, was nicht nur den Vorteil einer
augenfälligen Präsentation mit sich bringt, sondern auch Einladungen
zu Lesungen, die in der Buchhandlung stattfinden.
Wenn nach
solchen Abenden einige Zuhörer zwei Häuser weitergehen zum
Jugoslawen, freut sich jeder auf den nächsten Besuch der kleinen
Literaturinsel, ohne die in unserer Gegend zwischen Westerwald und
Rothaargebirge ein schillernder Kulturtupfen fehlen
würde.
August 1986
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