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Ausstellung
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Ausstellung in der Buchhandlung Rübezahl
"Bilder aus der Synagoge"
von Wilhelm Thielmann
Eröffnung der Ausstellung in der Buchhandlung Rübezahl war
am Sonntag den 4. Februar 2007 um 11.30 Uhr mit einer Einführung
durch Albrecht Thielmann
Die Ausstellung lief vom 5. bis 11. Februar 2007.
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Der aus Herborn stammende Maler Wilhelm Thielmann (1868 bis 1924)
ist als Maler und Zeichner in die Kunstgeschichte eingegangen. Sein
bedeutendes Werk aus der Schwalm ist darüber hinaus ein einzigartiges
Dokument der bäuerlichen Lebenswelt. Seine öffentlich
ausgestellten Werke sind auch in Kunstmuseen in Kassel und Marburg
zu sehen. Im Stadtmuseum Kassel befinden sich auch die Originale
der "Bilder aus der Synagoge". Hundert Jahre ist es her,
daß Thielmann diese Bilder zeichnete als ein reales Abbild
der damaligen Kasseler jüdischen Gemeinde. Thielmann schuf
hier um das Jahr 1897 herum eine einzigartige Dokumentation. Seine
Bilder zeigen gottesdienstliche Handlungen in der berühmten
Großen Synagoge in der Unteren Königstraße und
lassen die Honoratioren und geistigen Führer dieser einst blühenden
liberalen Gemeinde lebendig werden.
Thielmanns Haltung ist ein Beispiel, wie Menschen mit einer ihnen
fremden religiösen Welt und Kultur umgehen könnten: Durch
Einfühlung und Respekt und Freude am Verstehen und nicht durch
Dämonisierung des Fremden. Der so lebensfrohe und menschenfreundliche
Maler Thielmann lebte das Verstehen- und Erfassenwollen, die deutsche
Kulturwelt um ihn herum ging aber mehrheitlich den Weg der Dämonisierung.
Gleichzeitig herrschte die Hochzeit der jüdischen Emanzipation.
Es sei angemerkt: Typisch für die tiefer liegende Zeitstimmung
jener Zeit trotz Emanzipation: Thielmanns Haltung und seine Arbeit
in der jüdischen Gemeinde wurden selbst von seinen Freunden
belustigt in Karikaturen kommentiert. So wird u.a. die Beschneidung
des Malers dargestellt: Wilhelm Thielmann als Knäblein Konrädchen
unter dem Messer eines jüdischen Mohel (Beschneider).
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Rübezahlskulptur und Bilder in der Buchhandlung
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Die zwei Meter große Figur des Rübezahl, aus einem einzigen
sehr dicken Lindenstamm von Michael Steigerwald geschnitzt und mit
der Motorsäge geformt:
Sie ist seit November 2004 der neue Mitarbeiter der Buchhandlung Rübezahl.
Mit einer eigenen Dynamik beherrscht Rübezahl den Raum, ohne
aufdringlich zu sein die Figur wird gerne übersehen, weil
sie sich sehr gut in den Raum einpasst. |
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Blick auf unsere Galerie
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Ansicht Dillenburgs
(von August Stoll)
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Schlicher, der letzte
Bauer
der Kernstadt (von H. Aubel)
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Immer wieder finden Kunstausstellungen in unserer Buchhandlung statt.
Freuen Sie sich mit uns auf die Nächste...
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Zur Lithographie
"Anna von Sachsen und Wilhelm
von Oranien"
Adolf Born Prag 1994
nach einer Idee von Albrecht Thielmann

Lesen Sie die Geschichte der Anna von Sachsen!
Der angesehene Prager Maler und Zeichner Adolf Born hatte 1994 vor
dem Stadtjubiläum von Albrecht Thielmann den Auftrag angenommen,
die Ehe der Anna von Sachsen darzustellen. Die Vorstellungen von Albrecht
Thielmann im Aufsatz "Der schwarze Verräter Wilhelm von
Oranien" und Gespräche mit dem Maler führten zu dem
Auftrag.
Jetzt hat die Buchhandlung Rübezahl einen Faksimiledruck veröffentlicht.
Die Vorstellungen von Thielmann und ihre zeichnerische Umsetzung werden
hier noch einmal erinnert:
Die Lithographie zeigt eine Darstellung der Ehepaars Wilhelm von Oranien
mit Anna von Sachsen. Das Paar sitzt nicht nebeneinander oder der
Mann schräg und erhöht hinter seiner sitzenden Frau, wie
das für ein repräsentatives Bild erwartet wird. Wilhelm
von Oranien hätte dieses Bild gewiß nicht erworben, denn
es stellt die innere Wirklichkeit seiner Ehe dar und die nahm er selbst
so nicht wahr.
Eine Ehe wie die seine war in seinen Kreisen üblich: Er heiratete
die 16-jährige Anna von Sachsen aus politischer Opportunität.
Er versprach sich durch die Heirat wichtige politische Verbindungen.
Anna brachte mächtige Verwandte mit: Den sächsischen Kurfürsten
und den Großvater von Anna, dem Landgrafen von Hessen und eine
erhebliche Mitgift.
Wußte die sechszehnjährige Anna, daß sie nur ein
politisches Objekt war? Gewiß nicht. Mit großer Geduld
und einem Charme, die Wilhelm eigen war, aber auch mit liebenswürdiger
Heuchelei, warb er um sie.
Anna lebte als Waise bei Verwandten. Es waren selbstsüchtige
Menschen. Sie war bei ihnen seelisch vereinsamt und schwierig geworden.
Sie glaubte nicht nur, was der charmante und so attraktive Wilhelm
zu ihr sagte. Seine Zuneigung war für sie Erlösung.
Warnungen vor dem schönen Wilhelm soll sie weggewischt haben
mit den Worten:" Er ist ein schwarzer Verräter, aber ich
habe keine Ader in meinem Leib, die ihn nicht herzlich lieb hätte."
Anna war als Kind schon schwierig. Von Kränkungen war sie geprägt.
Ihre Briefe zeigen: In Ängsten und Konflikten verdreht sie auch,
wird sie auch intrigant. Wilhelm hielt keine eheliche Treue. Mit solchen
Eheerfahrungen aber verhärtete sie sich. Und sie erkannte, warum
sie geheiratet worden war. Sie tobte sich, jeder Hofetikette zum Hohn,
vor geladener Hofgesellschaft gegen den Prinzen aus. Sie fiel als
Frau aus jener Rolle, die für vornehme Frauen vorgesehen war.
Sie machte aus ihrem Herzen keine Mördergrube: Der bissige Vogel
auf dem Bild zeigt ihre Wut, die aus ihrem Herzen quillt. Die Raserei
wird viel später ihre einzige Sprache werden.
Der umgängliche und freundliche Oranien wurde seiner Frau nicht
mehr "Herr", wobei der Begriff, der Frau "Herr"
werden, die Sache beim Namen nennt.
Eine Erlösung gab es für ihre entstehende Haßliebe
auf Erden nicht. Der Künstler stellt Anna im Brustkorb Oraniens
dar, den er gestaltet, wie einen Käfig. Wir sehen: Sie wohnt
tatsächlich in ihm. Walter von der Vogelweise sang: "Ich
bin in dinem Herzen, verloren ist das Slüsselin". Sie ist
ganz von ihm umfangen. So kann man es ironisch sagen. Das Wort Umfangensein
ist ja doppeldeutig. Einmal meint es Schutz und Geborgensein. Aber
hier ist die Brust des Mannes gepanzert , wie sie bei Menschen ist,
denen die Zuneigung anderer lästig wird. Anna aber will um so
mehr in Wilhelm wohnen, je kälter er und seine Strategien erscheinen.
Sie ist von ihm gefangen. Das ist kein Widerspruch zu ihrer Wut.
Oranien ist ihr Gefängnis. In Beilstein, viel später, wird
ihr Gefängnis sichtbar aus undurchdringlichen Steinmauern sein.
Gefangene ist sie eigentlich schon im Hof zu Breda. Sie war große
Pracht von Dresden her gewohnt. Sie hatte ihre Mitgift miteingebracht.
Was macht sie ohne Wilhelm und ohne Hofstaat? Sie ist völlig
verstrickt in Abhängigkeiten, wie jede Frau in der früheren
Gesellschaft. Sie ist in einem goldenen Käfig gefangen.
Später, inzwischen auf der etwas bescheideneren Dillenburg, schafft
Anna ihre Befreiung scheinbar. Sie verläßt tatsächlich
endlich diesen Oranien. Kann sie jetzt loslassen, wie man heute sagt.
Noch weniger: Ihr Kampf mit Oranien wird verbissen. Sie will ihre
Mitgift mitnehmen, tun, was ihr Recht ist. Im Prozeß um diese
Mitgift verstrickt sie sich in eine unendliche quälende Auseinandersetzung.
Natürlich steht ihre Mitgift auch für das Gefühl, um
das Oranien sie betrogen hat. Sie will es zurück. Sie verschanzt
sich in ihrem Käfig.
Sie fühlt sich ohnmächtig. Sie beißt auf Granit. Wo
sie recht hat, wo man ihr unrecht tut: sie sieht eine Übermacht
gegen sich gerichtet: Ihr Anwalt wird ihr Geliebter, natürlich,
denn er verkörpert ihr Recht, ihre Rettung. Wer liebt nicht die
Rettung. Diesen Ehebruch des Anwalts mit der Nochehefrau Oraniens
aber verfolgte die patriarchalische Gesellschaft zunächst ohne
Gnade. Wilhelm hatte es da unbeschwerter mit Damen.
Ein Satz in einem Brief zeugt von Annas Verzweiflung in dieser Zeit:
Es sei ihr nicht möglich, einen christlichen Gedanken in diesem
Land der Nassauer zu fassen, die Blumen auf dem Felde wüchsen
ihr zum Nachteil und seien ihre Verräter.
Adolf Born entwirft die Szenerie eines Alptraums von Annas Kampf:
Sie sieht in diesem Traum den oranischen Hofstaat, gegen den sie anrennt,
der ihr das Recht verweigert, als eine Ansammlung von törichten
Hofschranzen. Ein Höfling hat einen Eselskopf, in den Annas Herzvogel
hackt, ein anderer hat einen Fischkopf, die Dame aber ist oben ohne,
wie es den Herren gefällig ist. Alle stehen im Düsteren
wie eine Ansammlung von nächtlichen Vampiren, die ihr das Herzblut
aussaugen werden. Selbst die Blumen sind ihre Verräter, schrieb
sie ja.
Ihr Geist hielt diesem Druck bald nicht mehr stand: Sie sah in der
Wirklichkeit an allen Ecken nur noch Verräter, gegen die sie
sich tobsüchtig wehrte. Ihr Weg führte in die Verlassenheit,
in völlige Isolation und Gefangenschaft und in einen düsteren
Tod, in die Auslöschung. Ihr Grab im Dom zu Meißen hat
kein Grabmal, trägt keine Inschrift. Ihr Leben sollte vergessen
werden.
Über ihre entstehende Geisteskrankheit gibt es Spekulationen,
die auch ihre verständnislose Umwelt freisprechen sollen. Was
sie erlebte, machte sie ohne Zweifel krank. Ihre Lebensbedingungen
in jener Zeit sind zuerst zu befragen. Anna erwies sich als ein Mensch,
der im politischen Kalkül nicht funktionierte, wie es der patriarchalischen
Gesellschaft nützlich gewesen wäre. Ihr Leben ist ein düsteres
Lehrstück über die Opfer der patriarchalischen Ordnung.
Der lange vornehme dunkelrotviolette Umhang, den Adolf Born um die
Schultern von Wilhelm legt, würde majestätisch die Misere
der Prinzenfamilie umhüllen, wie das so üblich ist, wenn
der Künstler uns nicht gleichzeitig den Blick in das Innere der
Ehe freilegen würde.
Die Lithographie (Faksimile-Druck, 60 x 40 cm) ist im Buchladen
Rübezahl erhältlich und kostet 9,50 €.

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