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Lesung und
Buchvorstellung
„Die Schule ist ein merkwürdig absurder
Ort“
Judith Schalansky stellte im Forum der WvO
ihren Roman „Der Hals der Giraffe“
vor
DILL-Zeitung,
27.01.2011, Helmut Blecher
Dillenburg (hel). Anpassung ist alles,
weiß Inge Lohmark, die als Biologielehrerin am
Charles-Darwin-Gymnasium in einer schrumpfenden Kreisstadt im
vorpommerschen Hinterland tätig ist. Die Protagonistin in Judith
Schalanskys Roman „Der Hals der Giraffe“ ist eine zynische und
zugleich einen bemitleidenswerte Figur, deren biologistisches
Weltbild ins Wanken gerät, als sie Gefühle für eine Schülerin der 9.
Klasse entwickelt, die über die übliche Hassliebe für die Jugend
hinausgehen. Mit immer absonderlicheren Einfällen versucht sie zu
retten, was nicht mehr zu retten ist. Keineswegs absonderlich,
sondern höchst unterhaltsam und genussvoll, war hingegen die Lesung
mit der 1980 in Greifswald geborenen Autorin, die am Mittwochabend
ihr aktuelles Werk in der Wilhelm-von Oranien-Schule
vorstellte.
Fast 200
Literaturinteressierte fanden auf Einladung der Buchhandlung
Rübezahl und der Stadtbücherei Dillenburg den Weg ins Forum, um aus
erster Hand zu erfahren, wie Judith Schalansky in drei Kapiteln
(„Naturhaushalte“, Vererbungsvorgänge und Entwicklungslehre“) ihre
Kunstfigur Inge Lohmark gegen die Verblödung ihrer Umwelt ankämpfen
lässt. Dafür hat sie eine Sprache gewählt, die sowohl sarkastisch
und bewusst affektiert als auch höchst unterhaltsam und humorvoll
ist.
Ganz anders als ihre bemitleidenswerte,
desillusionierte und dennoch anrührende Romanfigur, steht Judith
Schalansky mitten im Leben. Sie ist so ganz anders als die von ihr
beschriebene Inge Lohmark, die sie mit ihrer klaren, bewusst
affektiert klingenden Stimme zum Leben erweckt. Dass sie in einer
Schule aus ihrem etwas anderen Bildungsroman liest, findet Judith
Schalansky toll und authentisch – Schautafeln und Lesetisch mit
eingeritzten Spuren schulischen Leidensdrucks
inklusive.
„Ein durchkomponierter Roman. Es passt
alles zusammen“, konstatiert Volkmar
Nix von der Buchhandlung Rübezahl in seiner
Begrüßung. Und Judith Schalansky steigt in die Welt ihrer Schule
ein, die wie alle anderen Lehrinstitute ein merkwürdig absurder Ort
ist. „‘Setzen!‘, sagte Inge Lohmark. Und die Klasse setzte sich.“ So
fängt der Roman der Schriftstellerin und Kommunikationsdesignerin
an, die in ihrem Eröffnungskapitel die Figur Inge Lohmark beschreibt
(„eine Person, die in uns allen steckt“) und mit ihr das System des
Fressen und Gefressen werden: Schüler, die das Gefühl vermittelt
bekommen, ausgeliefert zu sein, zerrieben von Leseschwäche und
„Biologie-Allergie“.
„Blindgänger waren in jedem Jahrgang“,
lässt Schalansky ihre Protagonistin sagen, die eine Schar von
Versagern vor sich hat: „Alles war allergrößte Anstrengung.
Originell war die Natur nicht, aber gerecht.“ In Inge Lohmarks, von
Lamarcks Evolutionstheorie geprägten Weltbild, gehören Nähe zu ihren
Schülern oder gar Verständnis nicht hin. „Nichts ist sicher. Sicher
ist nichts“, so lautet ihr Credo. „Ich habe mich auch gefragt, warum
ich so etwas geschrieben habe“, sagt Judith Schalansky. „Es ist wohl
das Aufarbeiten meines Lehrerkinddaseins, weil ich an der Schule
meiner Eltern oft im Lehrerzimmer
herumsaß.“
© VolkmarNix
Judith
Schalansky beim Signieren, sie setzt nicht nur ihren Namen ins Buch,
sondern auch kleines
schönes
Stempelbild
Der zweite Teil ihrer Lesung spielt sich
folgerichtig im Lehrerzimmer ab, wo sich Inge Lohmarks
Überlebensstrategie als eine Beschäftigungstherapie für Todgeweihte
erweist. An Judith Schalanskys „Bildungsroman ist vieles anders: die
äußere Aufmachung mit dem aufgeprägten Giraffenskelett, die
Illustrationen von Quallen, Pantoffeltierchen und Fruchtfliegen.
Nach ihrem typografischen Werk „Fraktur mon Amour“ und dem
augenfälligen „Atlas der abgelegenen Inseln“, liefert sie nun das
das spannende, von sprachlicher Klarheit und Nüchternheit geprägte
Psychogramm einer Frau ab, der es nicht gelingt, sich wie ihre
mögliche Zwillingsschwester, Angela Merkel, an die neue Zeit nach
der Wende anpassen kann.
„Inge Lohmark ist eine Frau, die sich ein
Weltbild zurechtgezimmert hat, um sich nicht mit ihren eigenen
Abgründen beschäftigen zu müssen. Sie ist defizitär in jeder
Hinsicht“, erklärt Judith Schalansky, die es sichtlich genoss, mit
ihrem antidarwinistischen Manifest auf so großes Interesse beim
Dillenburger Literaturpublikum gestoßen zu sein.
Judith Schalansky: „Der Hals der Giraffe“.
Bildungsroman. Suhrkamp Verlag,
Berlin 2011. 222 S., 21,90
Euro.
.
Spannender Krimiabend mit Gisa
Klönne
Die Kölner Autorin stellte im
Hotel Bartmanns Haus ihren neuen Roman „Nichts als Erlösung“
vor
DILL-Zeitung,
28.10.2011, Helmut Blecher
Dillenburg (hel). „Nichts als Erlösung“
heißt der neue, fünfte Roman der in Köln lebenden
Krimischriftstellerin Gisa Klönne. Abermals schickt sie ihr Kölner
Ermittlerduo Judith Krieger und Manfred Korzilius, die in „Der Wald
ist Schweigen“ 2005 zum ersten Mal in Erscheinung traten, auf eine
knifflige Spurensuche, die mit einem Toten ohne Gesicht beginnt und
in ein niemals gesühntes Verbrechen aus der Vergangenheit mündet.
Gut 70 Krimifreunde wollten am Mittwochabend im großen
Veranstaltungssaal des Hotel Bartmanns Haus mehr über das neue Buch,
der 1964 in Darmstadt geborenen Journalistin, Autorin und Dozentin
wissen, die auf Einladung der Buchhandlung „Rübezahl“ nach
Dillenburg gekommen war. Die Lösung ihres aktuellen Falls
präsentierte Gisa Klönne bei ihrer Lesung verständlicher Weise
nicht, dafür bot sie den Zuhörern einen Einblick in ihre Art der
Recherche und des Schreibens .
„Nicht ist tödlicher als zuviel Harmonie
in Romanen“, erklärt die Ehren-kommissarin der Bonner Kripo, die
bislang viel über die reale Polizeiarbeit in Erfahrungen bringen
konnte, mitgeteilt von auskunftsfreudigen Kripobeamten :
„Normalerweise besteht eine Mordkommission aus 20 Personen“, erklärt
Klönne, die sich der Übersicht wegen auf ihr Ermittlerduo
beschränkt. Dennoch wird der Leser bei ihr mit vielen
Handlungssträngen und Personen, wie einem Sondengänger,
konfrontiert. Detailfreudig, mit pfiffigen Wortschöpfungen nicht
geizend, führt die Autorin ihre Zuhörer in die Gerichtsmedizin und
in den finsteren Wald, wo allerdings keine Leiche vergraben
liegt.
Gisa Klönne skizzierte in
ihrer Lesung, die mit einem gesichtslosen Opfer beginnt und in das
Thema Kindesmisshandlung in Heimen mündet, ein heiß diskutiertes
Stück bundesrepublikanischer Zeitgeschichte, nämlich das Schicksal
von Heimkindern in der Nachkriegszeit. Dabei merkte man Gisa Klönne
bei ihrer Lesung an, dass sie mit viel kreativen Einfällen und
großer Lust ihre Bücher schreibt, die weit über das sattsam bekannte
Krimigenre von Tat und Tataufklärung hinausgehen, um sie nach
Fertigstellung mit noch mehr Freude ihren potentiellen Lesern zu
präsentieren. Immerhin bekommt man von ihr ein Ermittlerduo mit
Ecken und Kanten, und einen bis zur letzten Seite spannenden Fall
mit unerwarteten Wendungen und
Erkenntnissen.
„Nichts als Erlösung“, Ullstein Verlag
352 S. , 19.99 €
Peter Kurzeck oder der unterhaltsame Versuch
der Aufhebung der Zeit
Der Schriftsteller las in der
Aula der Juliane-von-Stolberg-Schule aus seinem Roman
„Vorabend“
Dillenburg (hel). Monumental ist das
Erinnerungsepos „Vorabend“ des in Frankfurt und Südfrankreich
lebenden 68-jährigen Schriftsteller Peter Kurzecks, der am
Mittwochabend auf Einladung der Buchhandlung „Rübezahl“ seinen
jüngsten Roman ca. 70
aufmerksam zuhörenden Literaturfreunden in der Aula der
Juliane-von-Stolberg-Schule vorstellte.
„Vorabend ist der fünfte Teil
einer auf zwölf Bände angelegten autobiografisch-poetischen Chronik,
die 1997 mit "Übers Eis" begann. Für Peter Kurzeck bedeutet dass er
noch ein gutes Stück Arbeit, das er vor sich hat. Seine Leser ziehen
aus der tour de force seiner Erinnerungen einen enormen Gewinn.
Vermag es doch der in Staufenberg bei Gießen aufgewachsene
Schriftsteller - der schon als Kind wusste, dass er einer ist - mit
seinen in die Breite gehenden Lebensäußerungen das Literaturpublikum
zu begeistern.
„Manche Geschichte wartet bis
zum letzten Tag, um erzählt zu werden“, berichtet Peter Kurzeck, um
sogleich mit faszinierender Erzählkunst ein längeres Kapitel aus
seinem monumentalen Werk „Vorabend“ zu lesen. Die Menschen, die
Landschaft, die Dörfer, die Geschäft rund um den Gießener Ring
fächert der Autor auf, lässt eine Zeit – die 1970er Jahre –
auferstehen, die so nicht mehr da ist.
Peter Kurzeck lebt seine
Zeit, seine Gegend, verstrickt sich mit großer Detailfreude darin,
und findet doch zielsicher wieder aus ihr heraus. Man genießt seine
Ironie, seinen Sprachwitz. Goutiert seine vermeintliche
Kuriositätensammlung, die präzise des Leben und das Lebensgefühl
einer ganzen Generation im ländlichen Raum widerspiegelt. In rund 50
Minuten wird der Zuhörer mit einem Panoptikum der Alltagskultur
konfrontiert, das aus Essen, Trinken, Schlafen, Aufwecken und wieder
Essen, Trinken und Schlafen besteht –Supermärkte, Baumärkte,
Volksfeste inklusive.
Vom Gießener Ring, „der wie der Ring des Saturn ist, ist die
nächtliche Stadt ein versinkender Sternenhaufen am Horizont“,
erzählt Kurzeck, der über die Zeit und die Gegend, in der er lebte
alles erzählt, was erzählenswert ist. Und das ist unglaublich viel,
gleicht einem Panoptikum des Lebens, das sich so schnell verändert,
wie die Natur, die von Leitplankenlandschaften mit begradigten
Kurven abgelöst wurde.
„Damals war nicht alles
besser, genau wie heute nicht jeder Fortschritt alles besser macht“,
sagt Peter Kurzeck, der den Figuren in „Vorabend“, die mit dem
Fortschritt ihren angestammten Lebensraum verlieren, ein Denkmal
setzt. Das Alltäglich wird dabei zu großer Prosa. Das scheinbar
Nebensächliche zu einer ungeheuer präzise geschilderten Erlebniswelt
der letzten Jahrzehnte des 20.
Jahrhunderts.
Was nüchterner, sachlicher
Geschichtsschreibung nicht vermag, das Erlebte als Abenteuer
nachzuerleben, das bringt Peter Kurzeck mit seiner bildkräftigen
Sprache, die zu hören und zu lesen ein unglaublicher Genuss ist:
„Man kann die Gegenwart erst verstehen, wenn man weiß, was vor her
war, und wie es dazu gekommen ist.“
Vergleiche mit den bedeutendsten
europäischen Erzählern braucht der in Frankfurt und in Südfrankreich
lebende Autor nicht zu scheuen. Davon konnten sich die Dillenburger
Literaturfreunde im Rahmen seiner mehr als nur unterhaltsamen Lesung
überzeugen.
DILL-Zeitung, 27.05.2011, Helmut Blecher
Unser aktueller
Buchtipp!
Joachim Meyerhoff
Alle Toten fliegen hoch -
Amerika
"Mit
achtzehn ging ich für ein Jahr nach Amerika. Noch heute erzähle ich
oft, dass es ein Basketballstipendium war, aber das stimmt nicht.
Meine Großeltern haben den Austausch bezahlt." So beginnt der erste
Roman von Joachim Meyerhoff, der seinen Ich-Erzähler aus der
norddeutschen Provinz in die Weiten des amerikanischen Westens,
ebenfalls in die Provinz, führt - und in ein Wechselbad der Gefühle.
Dort begegnet er einer erzkonservativen und tief religiösen
Gastfamilie, lernt einen zur Todesstrafe verurteilten Häftling
kennen und hat (natürlich) seinen ersten Sex.

Ein
urkomischer Entwicklungsroman, der vom Erwachsenwerden in den
achtziger Jahren berichtet. In diesem autobiografischen Roman
erzählt Meyerhoff seine eigene Geschichte bzw. die seiner Familie.
In sehr sympathischer, unaufgeregter, lustiger, aber auch
nachdenklicher Art berichtet er von seinen Geschwistern, seiner
Großmutter, seinem Vater oder seinem Austauschjahr in Amerika, und
präsentiert dabei die hohe Kunst des Erzählens. Schon der
Buchumschlag entführt den Leser tief in die achtziger
Jahre.
Joachim
Meyerhoff ist Schauspieler und Regisseur und seit 2005
Ensemblemitglied des Wiener
Burgtheaters.
Kiepenheuer & Witsch, 2011, 319 Seiten, ISBN 978-3-462-04292-4, 18,95
€
Der Leser begleitet zwei
Ehepaare, die zum Essen in einem teuren Restaurant verabredet sind.
Gemäß der Speisefolge sind die Kapitel von „Aperitif“ bis
„Trinkgeld“ eingeteilt. Ich-Erzähler ist Paul, der sich mit
seiner Frau einig darüber ist, dass es angenehmer wäre, den Abend
anders zu verbringen. Paul graut es vor den vielen selbstverliebten,
publikumswirksamen Inszenierungen seines Bruders Serge, dem
männlichen Part des anderen Paares. Sehr amüsant werden die
Macken dieses Mannes in Pauls Gedanken und Gesprächen mit seiner
Frau durch den Kakao gezogen. Warum sie denn überhaupt dort
hingehen, ist zunächst völlig unklar - wo sie doch eigentlich
überhaupt keine Lust dazu haben. Erst später stellt sich heraus,
dass Serge ein hochrangiger Politiker ist.
Dem Leser bleibt
zunächst gar keine andere Wahl, als die beschriebene Welt aus Pauls
Sicht wahrzunehmen und mit der sehr intimen Innenansicht von Paul
diesen auch als sympathisch zu erleben und sich mit ihm zu
identifizieren. Die sehr lästerlichen und witzigen Anmerkungen
zu dem anderen Paar, dem aufgeblasenen Personal des Restaurants und
dem teuren Essen sind einfach lustig und der eine oder andere
Gedanke dazu kommt dem Leser vielleicht auch sehr bekannt vor.
So
nach und nach kommt während des Essens und in Rückblenden von Paul
heraus, worum es eigentlich geht. Sehr langsam entfalten sich
für den Leser die ganzen Schichten von Pauls Persönlichkeit und die
der anderen zum Teil auch. Schockierende Vorgänge werden offenbar.
Erst ganz am Schluss ist das ganze Ausmaß der fürchterlichen
Vorgänge und des Umgangs damit sichtbar. Noch in den letzten Sätzen
gibt es dazu eine gänsehauttaugliche Eröffnung.
Ein geniales
Buch - ein echtes Meisterwerk! Gerade dieser allmähliche Einstieg in
die Vorgänge ist hervorragend gelungen. Von Anfang an witzig,
interessant und sehr spannend geschrieben, gewinnt das Buch enorm an
Fahrt, mit jeder Seite mehr, ohne, dass auch nur einmal die Spannung
abflacht. Am Ende bleiben für den Leser die Gedanken daran, was sein
darf und was nicht und wie mit Katastrophen umgegangen werden
sollte.
Hermann Koch, geboren 1953, ist
Kolumnist, Komiker, Fernsehmacher und Romancier. Seit 1989
veröffentlichte er in den Niederlanden fünf hoch gelobte
Romane.
Kiepenheuer & Witsch, 2010, 308 Seiten, 978-3-462-04183-5, 19,95 €
Buchtipp! Ian McEwan
"Solar"
Ian McEwan, bekannt vor allem durch seine
beide grandiosen Romane „Abbitte“ und „Saturday“, hat einen neuen
großen Roman vorgelegt: „Solar“ Der erste Roman, der den Klimawandel
zum Thema hat. Trotz dieses ernsten Themas ist es ein an vielen
Stellen auch komischer Roman, dessen Hauptfigur, der Physiker und
Nobelpreisträger Michael Beard ist. Michael Beard ist kein Held, für
den man schwärmen könnte, aber bösartig ist er auch nicht. Er ruht
sich schon seit vielen Jahren auf seinen Lorbeeren aus, hat zahllose
Affären, ist leidenschaftlicher Esser und Trinker, ein zügelloser
Mensch. Nachdem seine fünfte Ehe zerbrochen ist, da seine Frau
ausnahmsweise einmal ihn betrogen hat, gerät seine Welt ins Wanken.
Durch einen Zufall gelangt er an Pläne für die künstliche
Photosynthese, Pläne die eine Lösung der weltweiten Energieprobleme
versprechen könnten. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten
werden
 „Solar“ führt
den Leser von London in die Arktis und bis nach New Mexico. Ian
McEwans Roman ist eine ebenso gnadenlose wie vielschichtige
Abrechnung mit der Politik, dem Wissenschaftsbetrieb – und einer
Sorte Mann. Für seinen Roman hat sich der britische Schriftsteller
lange mit dem Klimawandel und erneuerbaren Energien beschäftigt, hat
Physiker befragt und Machtkämpfe beobachtet. Aus seinem Wissen um
Fakten und Menschen ist ein großer Roman über ein tagespolitisches
Thema entstanden.
Diogenes 2010, 405 Seiten, ISBN
978-3-257-06765-1, 21.90 €
"Einladung zur musikalischen Lesung am Jazz-Weekend Peter
Kleiß und Patrick Zapf. Am 25. September um 16.00 Uhr im
Oranien-Ausschank (Hauptstraße 91), Eintritt frei!"
„Peter ist ein Tiger-Elch“, sagte sein Freund, der
schwedische Posaunist und Sänger Nils Landgren einmal über ihn,
„seine Rhythmen haben dieses Leichte, Federnde wie der Gang eines
Tigers und wenn er auf der Bühne steht, strahlt er Ruhe und
Souveränität aus, wie ein Elch bei uns in Värmland.“ Peter Kleiß ist
gebürtiger Dillenburger, lebt seit mehr als 25 Jahren im Saarland.
Dort ist er der Jazzredakteur des Saarländischen Rundfunks und
leitet das Jazz Festival „Experience“ in St. Ingbert. Jazz, vor
allem die Rhythmen dieser Musik, sind die Basis seiner Gedichte.
Ihnen vertraut er seine Geschichten an, denn sein Fach ist das
narrative Gedicht, das rhythmische Erzählen, wobei die Texte zum
Schluß oft eine unerwartete Wendung nehmen, neue Sichtweisen
eröffnen, Negatives kann plötzlich positiv werden und umgekehrt.
Rhythmische Überraschungen könnte man seine Gedichte auch nennen.
Die beiden Gedichtbände „Haste Worte“ (10,00 €) und „Zeit und
Rhythmus“ (22,00 €) sind im Geistkirch-Verlag
erschienen.

Zu
erzählen hat er ohnehin mehr als genug. Mit zwölf leitete er seine
erste Jazzband, mit sechzehn spielte er Tenorsaxophon in einer
Soulband, den legendären „Softers“ die mit deutschen und
afro-amerikanischen Musikern besetzt war. Dennoch schaffte er das
Abitur an der Wilhelm-von-Oranien-Schule. Dann Studium der
Politikwissenschaften, Philosophie und Germanistik in Marburg mit
anschließender Promotion über Literaturkritik im Vormärz. Studium
und Promotion verdiente er sich mit Radiosendungen über Jazz und
Literatur im WDR, NDR und HR.
In der Zusammenarbeit mit dem
Pianisten Patrick Zapf kommen seine Texte erst so richtig zur
Geltung. Kleiß im O-Ton: „Patrick versteht eigentlich mehr von dem
was ich sagen will, als ich selber. Er setzt die musikalischen
Akzente so einfühlsam und sensibel, dass ich manchmal denke, er hat
die Gedanken vor mir gehabt.

Patrick Zapf, auch in Dillenburg geboren,
begann bereits im Alter von sechs Jahren seine musikalische
Ausbildung, zunächst auf der elektronischen Orgel. Später kam der
Wechsel zum Klavier. Er absolvierte ein Studium der Fächer Musik
(Klavier u. Gesang) und Geschichte in Gießen. Schon vor dem Studium
begann seine Leidenschaft für Jazz. Musik der Pianisten und
Keyboarder Joe Zawinul, Chick Corea und Herbie Hancock sowie vieler
anderer Musiker erregten seine Aufmerksamkeit. Bekannt ist er dem
heimischen Publikum für seine „Mitarbeit“ beim „Groove‘n Sound
Orchestra“, „Santana Spirit“ und anderen Bands. Dies ist eine
gemeinsame Veranstaltung mit der Stadtbücherei Dillenburg und dem
Förderkreis Dillenburg e.V..
"Die Geschichte des Breitscheider
Flugplatzes"
Am 8. September um 20.00 UhrDie fast 75-jährige Geschichte des Breitscheider Flugplatzes
wird jetzt erstmals in einer Broschüre auf 48 Seiten dokumentiert.
Initiatior, Hauptautor und Projektleiter ist der in Breitscheid
geborene Privatpilot Ulrich Thielmann (Neuhäusel). Er wurde bei
seiner Arbeit ganz wesentlich unterstützt von den Co-Autoren Mario
Isack (Hellenhahn) und Manfred Thielmann (Erdbach).

In ihrer Broschüre haben die Autoren bisher
unbekannte historische Erkenntnisse zur Vorkriegs- und
Kriegsgeschichte aufgezeichnet. Die Geschichte des Breitscheider
Flugplatzes, der in 1936 von der Wehrmacht unter der Tarnbezeichnung
"Musterviehweide" angelegt wurde, steht stellvertretend für viele
andere Flugplätze in Deutschland. Ebenfalls zur Vorbereitung des
Kriegs wurden die benachbarten Flugplätze Lippe (heute
Siegerland-Flughafen) und Ailertchen sowie die zu den Flugplätzen
gehörenden Funkanlagen auf der Fuchskaute angelegt. Der
Feldflugplatz Breitscheid führte in den ersten Kriegsjahren ein eher
beschauliches Dasein. Das änderte sich im September 1944, als die
Alliierten immer näher an die deutschen Westgrenzen rückten und
gleichzeitig die Bombenangriffe intensivierten. Im September 1944
verlegte die Deutsche Luftwaffe 30 Höhenjäger vom Typ Me 109 nach
Breitscheid, um von hier aus in den Luftkampf an der Westfront
einzugreifen. Intensive Recherchen von Mario Isack zur
Kriegsgeschichte des Flugplatzes sowie die Befragung von Zeitzeugen
und Recherchen von Manfred und Ulrich Thielmann führten zu den neuen
Erkenntnissen. So werden nahezu alle lokalen Luftangriffe in der
Dokumentation beschrieben. Der schlimmste, von US-Bomberverbänden
geflogene Angriff, der dem Flugplatz galt, der aber die Dörfer
Breitscheid und Gusternhain traf, ereignete sich am 11. März
1945.

Die 48
Seiten starke Dokumentation "Die Geschichte des Breitscheider
Flugplatzes - Ehemaliger Einsatzhafen der Wehrmacht und heutiger
Verkehrslandeplatz" umfasst jedoch nicht nur die Kriegsgeschichte
des Flugplatzes. Ulrich Thielmann geht auch auf die Zeit vor dem
Zweiten Weltkrieg ein, stellt die fliegerische Entwicklung im
ehemaligen Dillkreis vor und liefert Beschreibungen der damals in
Breitscheid stationierten Flugzeuge. Darüber hinaus wird die
wechselvolle Entwicklung des Flugplatzes nach dem 2. Weltkrieg
beschrieben. Die Dokumentation ist dem in 2009 verstorbenen
Nachkriegs-Motorflugpionier Richard Strieder (Mengerskirchen)
gewidmet. Am 8. September werden Ulrich Thielmann als auch die
Co-Autoren ihr Werk vorstellen und ihren Verlag Schreibwerkstatt
SCHRIFT:gut (Westernohe) präsentieren. Mittels eines Beamers sollen
Bilder aus der Geschichte des Flugplatzes gezeigt werden. Die
48-seitige Broschüre „Die Geschichte des Breitscheider Flugplatzes“
(gedruckt bei Weidenbach) kostet 9,50 €.
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