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Aktuell / Termine


Lesung mit Christoph Nix


"Junge Hunde" – 1968 im Dillkreis

am 15. April um 20.00 Uhr in der Buchhandlung Rübezahl



Rund 100 Zuhörer saßen und standen dicht gedrängt in der Buchhandlung Rübezahl, um der Lesung von Christoph Nix zu lauschen.


Der Traum von der Revolution in der Provinz

Der in Herborn und Ehringshausen aufgewachsene Theaterintendant und Autor Christoph Nix las in der Buchhandlung Rübezahl aus seinem Buch "Junge Hunde".

Buchstäblich saß man Christoph Nix zu Füßen, um einer Lesung zu lauschen, die mit revolutionären Gedanken, viel Lokalkolorit und noch mehr Melancholie zu tun hatte. Rund 100 Literaturinteressierte, Zeitzeugen und Freunde fanden am Dienstagabend den Weg in die Buchhandlung Rübezahl, um die literarische Verarbeitung der 1968er Visionen im Dillkreis vom derzeitigen Intendant des Konstanzer Stadttheater wortgewaltig nahe gebracht zu bekommen.

Johannes Eckert und Volkmar Nix, Inhaber der Buchhandlung Rübezahl, die den Autor nach Dillenburg eingeladen hatten, um aus seinem kürzlich erschienenen Roman "Junge Hunde" (Verlag "Das Neue Berlin") zu lesen, zeigten sich von der großen Resonanz überrascht und zugleich erfreut. Und auch Christoph Nix, Jahrgang 1954, war erstaunt, so viel jung gebliebene Gesichter zu sehen, wo er selbst doch schon so alt geworden sei.

Eine kokette Anspielung auf sein Äußeres, das trotz ergrauter Haare und Bauchansatz, immer noch eine verschmitzt wirkenden jugendlichen Elan ausstrahlte. Ganz zu schweigen von seinem wachen Geist, der sich nicht nur in den vorgetragenen Zeilen seiner Geschichte weitab der großen Städte manifestierte. Er, der bis heute in keine Muster passt, keiner Partei angehört, und sich unter Theaterleuten am wohlsten fühlte, las denn auch nicht nur, er zelebrierte wortgewandt Auszüge aus "Junge Hunde", in der sein alter ego Menz von der Revolution träumt.

Von seiner Liebe zu Lisa, von seiner Revolte gegen die Langweile und die Einsamkeit, die er nach dem Tod seines Vaters empfand, erzählt das Buch ebenso, wie von Freundschaften, Lehrern und der Welt der Philosophie, in die der damals 14jährige Menz alias Christoph Nix 1968 eintauchte. Seine Helden hießen Che Guevara und Ho Chi Minh, die auch in ihrer Nähe, in Frankfurt, Aktivitäten auslösten. Der Gymnasiast Menz, der in Dillenburg und Herborn zur Schule geht, wollte da nicht zurückstehen. Mit seinen Freunden probte er den Aufstand, wollte ein richtiger "68er" sein.

Irgendwie ist er es bis heute geblieben, zumal es bei ihm – trotz Professur - kein "Marsch durch die Institutionen gegeben hat. Christoph Menz wirkte herrlich erfrischend und absolut unangepasst, und mochte wohl auch daher seine Zuhörer in eine vorrevolutionäre, melancholische Stimmung zu versetzen. Von Nostalgie kein Spur.

"Ich habe viel Glück gehabt und die richtigen Leute getroffen, die mich ein Stück weit begleitet haben", erklärt er. In seiner Rolle als Theaterchef fühlt er sich gut, wohl weil er Intrigen und Machtspiele nur auf der Bühne inszeniert. Mit Schülern macht er Theater über revolutionäre Gedanken jenseits der bürgerlichen Karriere. In Christoph Nix lebt Menz bis heute fort.

(obiger Text mit Foto: Helmut Blecher, Dillzeitung)


Der Autor

Christoph Nix, geboren 1954 in Ehringshausen, machte 1973 in Herborn sein Abitur. Er studierte Rechtswissenschaft in Gießen, promovierte 1988, wurde 1990 zum Professor ernannt, unterrichtete u.a. an der Humboldt-Universität. 1991 übernahm er eine Regieassistenz am Berliner Ensemble, 1994 wurde er Intendant in am Theater in Nordhausen, 1999 am Kasseler Staatstheater. Seit 2006 ist er Intendant am Stadttheater Konstanz. Er veröffentlichte rechtswissenschaftliche (Kommentar zum Kinder- und Jugendhilfegesetz) und kriminalgeschichtliche Bücher (Deutsche Kurzschlüsse) sowie Erzählungen (Als hätten sie den Westerwald mit Olivenbäumen bepflanzt).


Das Buch

In seinem neuen Buch "Junge Hunde" erzählt Christoph Nix die Geschichte eines Gymnasiasten in Herborn. Man schreibt das Jahr 1968, und was in der Welt passiert, findet zum Missfallen der wirtschaftswundergläubigen Erwachsenen Widerhall bei den jungen Leuten. Durch deren Träume von Widerstand und Aufbruch geistern Che Guevara, Ho Chi Minh und die Frankfurter Studenten - mit ihnen wollen sie gleichziehen. Warum soll für die Provinz, den Dillkreis, nicht auch gelten, dass man die Welt verändern kann? Er und seine Freunde proben den Aufstand, was sie zumindest für die Mädchen interessant macht. Er erlebt seine erste Liebe und muss sich gewaltig anstrengen, sein revolutionäres Feuer am Lodern zu halten.



Ein Kapitel geht zu Ende


31.12.2007 (www.mittelhessen.de, kaw/s)

In der Buchhandlung "Rübezahl" geht heute ein Kapitel zu Ende: Albrecht Thielmann übergibt die Schlüssel an Johannes Eckert und Volkmar Nix. Die beiden Buchhändler führen fortan das Geschäft am Hüttenplatz.



Albrecht Thielmann hatte vor ziemlich genau 30 Jahren die Buchhandlung gegründet. Damals hatte er in der Maibachstraße Räume für seinen Laden bezogen. Mit Brettern hatte Thielmann das Innenleben der Buchhandlung selbst gezimmert. Das Mobiliar stammte vom Sperrmüll.

"Damals gab es in der Maibachstraße kein Geschäft. Jeder hat mir gesagt, dass ein Laden dort nicht funktionieren kann", erinnert sich Thielmann an die Anfänge. Wer für die Stadtautobahn war, ging nicht bei "Rübezahl" einkaufen. Auf etwa 70 Quadratmetern, die sich über mehrere, sehr verwinkelte Räume erstreckten, wagte er dennoch den Schritt in die Selbstständigkeit. Zeitgleich mit der Gründung des Geschäfts engagierte sich der Buchhändler in der Bürgerinitiative gegen die von der Stadt beschlossene Stadtautobahn.

Dies habe auch dazu geführt, dass die damals Verantwortlichen, mit wenigen Ausnahmen, "Rübezahl" nicht besucht hätten, berichtet Thielmann heute.

Eine große Auswahl an Kinder- und Jugendbüchern sowie die fachkundige Beratung machten die Buchhandlung bekannt. Für den Kinderbuchsektor steht denn auch der Name "Rübezahl".

Schon wenige Jahre später - die alten Häuser in der Maibachstraße wurden abgerissen - zog das Fachgeschäft an seinen jetzigen Standort am Hüttenplatz. Einige der alten Regale, Kommoden und Schränke sowie ein großer Spiegel aus der Maibachstraße tun nach wie vor dort ihre Dienste.

Für Albrecht Thielmann seien Bücher nicht nur bedrucktes Papier gewesen. Mit verschiedenen Veranstaltungen wie Lesungen und Kunstausstellungen zeigte er, "was ein Buch ist", erläutert er. Die zusätzlichen Angebote für Literatur und Kulturfreunde etablierten "Rübezahl" als eine literarische und heimatkundliche Begegnungsstätte - über 200 Veranstaltungen fanden bisher in den Räumen statt.

Nun übernehmen die langjährigen Angestellten Johannes Eckert und Volkmar Nix das Geschäft. Johannes Eckert machte seine Lehre beim Oranien-Verlag und seit dem Jahr 1994 bei "Rübezahl". Volkmar Nix begann seine Buchhändlerlehre vor 21 Jahren in dem Geschäft, das er nun mitleiten wird. Beide absolvierten die Frankfurter Buchhändlerschule.

Die neuen Inhaber wollen das Profil der Buchhandlung nach bewährter Manier weiter prägen. Dabei setzen sie weiterhin auf die Kundenpflege und die individuelle Beratung. Dazu gehört auch, auf die Lesegewohnheiten und die bevorzugten Stilrichtungen der Kunden einzugehen.

Albrecht Thielmann geht mit dem heutigen Tage allerdings nicht ganz in den "Rübezahl"-Ruhestand: Er wird künftig den Verlag der Buchhandlung betreuen, der seit gut drei Jahren besteht und bisher vier Bücher herausgebracht hat.

Im kommenden Jahr solle ein biografischer Roman des Pfarrers Fritz Philippi veröffentlicht werden. Die Geschichte spiele um 1900 in Breitscheid und werde ergänzt mit Erinnerungen eines bekannten heimischen Pfarrers an die letzten Jahrzehnte in Dillenburg.


Unsere aktuellen Buchtipps!

Érik Orsenna & Isabelle Autissier
Grosser Süden, eine Reise in die Welt der Antarktis


Érik Orsenna ist Wirtschaftswissenschaftler, Romancier, er war Berater von François Mitterand, ist Mitglied der Akadémie Française, er ist Weltenbummler und Autor feinsinniger Reportagen über den Zustand unserer Welt. 1988 bekam er den Prix Goncourt, im letzten Jahr den Corine-Preis für sein Buch über die Baumwollkulturen dieser Erde mit dem Titel: "Weiße Plantagen". Mit Isabelle Autissier, die als erste Frau in einer Regatta die Welt alleine umsegelt hat, ist er in den äußersten Süden unseres Planeten, in die Antarktis aufgebrochen.

Weiß, weiß und immer wieder weiß ist das Eis der Antarktis, für dessen verschiedene Beschaffenheiten die Polarforschung mannigfaltige Namen gefunden hat. Höckereis, Eisnadeln, Eisschlamm, Packeis, Grieseis, Nilas und Schelf. Eisberge indes sind längst nicht nur weiß, sie schimmern smaragdgrün oder aquamarinblau, manchmal sind sie gar schwarz vom Lavastaub wie auf Deception Island. Die kleine Insel im Vorhof der Antarktis galt lange Zeit als Drehscheibe des Walfangs, bis Vulkanausbrüche in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts dem Schlachten ein Ende machten.

Érik Orsenna, der sich selbst gern als einen "berufsmäßigen Flaneur" bezeichnet, nimmt uns in seinem neuen Buch mit auf eine Reise durch die Antarktis. Und er will vor allem mit dem Vorurteil aufräumen, dass der südlichste Teil der Erde eine monotone Eiswüste sei.

C.H.Beck, 2008, 235 Seiten, ISBN 978-3-406-56958-6, 18,90 €


Cormac McCarthy
Kein Land für alte Männer


Im heißen und kargen Südwesten von Texas befindet sich Llewelyn Moss auf der Jagd nach Antilopen, doch schon bald wird er vom Jäger zum Gejagten. Grund dafür sind 2,4 Millionen Dollar in einem Koffer, die Moss zufällig findet und an sich nimmt. Dass mit dem Geld etwas nicht in Ordnung ist, hätte sich Moss eigentlich denken können, denn die erschossenen Menschen und Hunde sowie ein Beutel voller Heroin zeigen deutlich, dass hier ein Drogendeal aus dem Ruder gelaufen ist. Doch soweit denkt der glückliche Finder nicht – leider. Denn nun hat er nicht nur der Kopfgeldjäger Carson Wells und den Sheriff Ed Tom Bell im Nacken sitzen, sondern auch den psychopathischen Auftragskiller Anton Chigurh. Und der lässt nicht mit sich spaßen…"No country for old men" lässt sich lesen als Plädoyer gegen ausufernde Gewalt in einem Land, in dem viel zu viele Menschen ihre eigene Waffe besitzen und diese auch gebrauchen.

Rowohlt, 2008, 283 Seiten, ISBN 978-3-498-04502-9, 19,90 €


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