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Aktuell / Termine


Lesung mit Klaus Kordon


"Auf der Sonnenseite"

Am 12. November 2009 um 19.00 Uhr

Aufgrund des zu erwartenden Andrangs findet die Lesung in der Bibliothek der Wilhelm-von-Oranien-Schule statt.


Auf der Sonnenseite - eine deutsch-deutsche Lebensgeschichte aus den Jahren 1973-1989

Das Krokodil sitzt ihm immer noch im Nacken: Auch in seinen neuen Werk erweist Klaus Kordon bzw. sein alter ego Manfred Lenz sich einmal mehr als "wachsamer Zeitgenosse". Er blickt zurück auf sein Leben in den Jahren 1973 bis 1989 und damit auf ein Stück jüngster deutscher Geschichte aus der Sicht eines ehemaligen DDR-Bürgers, der nach seiner Entlassung aus der Stasi-Haft im Westen neu anfängt, voller Hoffnung, auf der "Sonnenseite" gelandet zu sein. Im typischen 'Kordon-Sound', mit feinem Gespür für historische Momente, soziale und politische (Miss-)Verhältnisse entsteht in seinem episodenhaften Roman eine deutsch-deutsche Lebensgeschichte. Geschrieben von einem, der beide deutsche Staaten kennt, der vom "Haifischbecken", von der materiellen Unfreiheit des Kapitalismus und der Doppelmoral der Leute erzählt und dies mit der ideologischen Unfreiheit in der DDR vergleicht. Einer, der glücklich ist, dass er sich im Westen verwirklichen, endlich schreiben kann, dem Leser aber auch erzählt, warum im Osten nicht alles falsch war.

Passend zum 20. Jahrestag des Mauerfalls erscheint "Auf der Sonnenseite" als Fortsetzung des autobiographischen Klassikers "Krokodil im Nacken". Es ist eine bewegt-bewegende Geschichte über das Hineinwachsen in das so ganz andere Leben in der Bundesrepublik der 70er und 80er Jahre und die Entwicklung des (Familien- und Autoren-) Lebens, Werdens und Schaffens von Lenz alias Kordon bis zum Mauerfall. Ein berührender und sehr persönlicher Text, der sowohl jüngere wie ältere Leser zum Erinnern und kritischem Nachdenken über deutsch-deutsche Verhältnisse zwischen Gestern und Heute, zwischen Ost und West anregt.

Klaus Kordon, geboren 1943 in Berlin, wo er heute als freier Schriftsteller lebt, gilt als meisterhaften Chronist deutscher Geschichte. Seine Bücher, in zahlreiche Sprachen übersetzt, wurden mit vielen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Für sein Gesamtwerk erhielt er den Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur zu Berlin und Brandenburg und den Alex-Wedding-Preis der Akademie der Künste.

Beltz 2009, 297 Seiten, ISBN 978-3-407-81059-5, 16,95 €


Unsere aktuellen Buchtipps!

Hans J. Chr. von Grimmeshausen
"Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch"
Aus dem Deutsch des 17. Jahrhunderts und mit einem Nachwort von Reinhard Kaiser

Der großartigste deutsche Roman, der noch zu entdecken bleibt

Ein Roman über den Krieg und das Geld, über das Leben und Lieben, das Hauen und Stechen in einer verkehrten Welt, in der es drunter und drüber geht - ein Weltbuch und Zeitbild, das nichts auslässt und auf der literarischen Klaviatur alle Register zum Klingen bringt.

Ein "Literatur- und Lebensdenkmal der seltensten Art" nannte Thomas Mann diesen ersten großen Roman in deutscher Sprache, in dem es "bunt, wild, roh, amüsant, verliebt und verlumpt" zugehe, "kochend von Leben, mit Tod und Teufel auf Du und Du". Die Titelfigur und den Namen des Dichters kennt jeder - nur gelesen hat das gewaltige Buch so gut wie niemand, denn das barocke Deutsch des Autors ist uns inzwischen fast unzugänglich geworden. Reinhard Kaiser hat das Wagnis unternommen, dieses erste große Volksbuch der Deutschen wieder unters Volk zu bringen: in einer Sprache, die uns nahe ist. Ihm ist das Kunststück geglückt, Rhythmus, Ton und Geist des ursprünglichen Textes, seine Tiefe und seinen übersprudelnden Witz wieder präsent werden zu lassen. Man darf von einem literarischen Wunder sprechen.

Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622 - 1676) gilt als der bedeutendste deutsche Erzähler des 17. Jahrhunderts. Nach einem gefahrvollen Leben als Soldat begann er erst 1665 mit dem Schreiben und hat in kurzer Zeit ein eindrucksvolles Opus geschaffen.

Reinhard Kaiser, geboren 1950 in Viersen. 1968 Beginn des Studiums der Germanistik, Romanistik, Sozialwissenschaften und Philosophie. Seit 1975 Übersetzer und Lektor für verschiedene Verlage. Seit 1989 Arbeit als freier Mitarbeiter für verschiedene Zeitungen und Rundfunkanstalten. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u. a. Ernst Maria Ledig-Rowohlt-Übersetzerpreis 1993, Deutscher Jugendliteraturpreis 1997, Geschwister-Scholl-Preis 2000. Der Autor lebt mit seiner Familie in Frankfurt/Main.

Die andere Bibliothek, Eichborn 2009, 762 S., gebunden 49,95 €
ISBN 978-3-8218-4769-6
Die vergriffene Leinenausgabe ist bei uns noch erhältlich!!!
(65 €)


Lesung mit Stephan Thome am 7. Oktober 2009

"Grenzgang"


"Können Sie noch atmen?"

Stephan Thome las im übervollen "Ausschank" aus "Grenzgang"

Von Guntram Lenz – "Dill-Post"
"Können Sie noch sitzen, können Sie überhaupt noch atmen?", fragt Stephan Thome seine Zuhörer und blickt gleichermaßen ungläubig und besorgt drein. Nach anderthalb Stunden Lesung und Diskussion im Saal des Dillenburger Oranien-Ausschanks, der am Mittwochabend mit einer Sauna hätte konkurrieren können, haben die rund 200 Literaturfreunde noch immer nicht genug von Thomes Romandebüt "Grenzgang" und erklatschen sich den Vortrag einer weiteren Passage aus dem preisgekrönten Roman. Die große Nachfrage nach der Lesung hatte die Veranstalter schon im Vorfeld bewogen, sie aus der gemütlichen "Rübezahl"-Buchhandlung in den benachbarten Saal zu verlegen, aber auch hier reichten die Stühle, Bänke und Tische kaum aus, um allen Zuhörern Platz zu bieten.

Kein anderes literarisches Debüt hatte in den letzten Jahren schon wenige Wochen nach seiner Veröffentlichung für so viel Furore gesorgt wie der Roman des 37-jährigen Biedenkopfers, der sich, wie er in Dillenburg erzählte, ein Jahrzehnt lang vergeblich um einen Verlag bemüht hatte.

Doch nachdem auf Vermittlung eines Literaturagenten der Suhrkamp Verlag, die erste Adresse nicht nur für den literarischen Nachwuchs in Deutschland, "angebissen" hatte, ging alles ganz schnell.

Mitte August erschienen liegt der Roman des studierten Philosophen mit rund 30 000 Exemplaren nun schon in der vierten Auflage vor, und ein Ende ist nicht in Sicht, zumal ihm Anfang dieser Woche der "aspekte"-Literaturpreis" zuerkannt wurde und der "Deutsche Buchpreis", der am Montag am Vorabend der Frankfurter Buchmesse verliehen wird, noch in greifbarer Nähe ist. Verdient hätte Thome ihn allemal, und vielleicht sind seine Chancen seit gestern auch noch gestiegen, nachdem der bisherigen Favoritin Herta Müller ("Atemschaukel") der Literaturnobelpreis zuerkannt wurde. Denn "Grenzgang" (Suhrkamp Verlag, 452 Seiten, 22,80 Euro) ist ein ganz großer Wurf, der über weite Strecken dank Thomes großer Dialogkunst und seiner Fähigkeit zur, gelegentlich augenzwinkernden, Empathie für seine Protagonisten ein unbändiges Lesevergnügen bereitet.

Das Grenzgang-Ritual, das dem Roman den Titel gegeben hat, lässt im Sieben-Jahres-Rhythmus Dorfbewohner die Grenzen ihrer Gemarkung abwandern, und dabei wird dann auch tüchtig über die Stränge geschlagen. Das traditionelle Volksfest bildet bei Thome, der eigentlich Schmidt heißt, aber als Autor den Mädchennamen seiner Mutter angenommen hat, um Verwechslungen zu vermeiden, nur die Folie für die ebenfalls in Sieben-Jahre-Schritten erzählte Geschichte zweier Zeitgenossen und von deren Scheitern auf Raten.
Thomas Weidmann, ein Studienrat in der hessischen Provinz, der in Berlin nicht Professor werden konnte, lernt Kerstin Werner kennen, eine geschiedene Theaterpädagogin, deren Pläne für ein eigenes Tanzstudio sich zerschlagen haben. Stattdessen muss sie sich mit ihrem pubertierenden Sohn rumärgern, dessen Klassenlehrer Weidmann ist, und ihre demenzkranke Mutter pflegen.

Beide Mittvierziger haben zu viel erlebt, um sich über das Leben und die Liebe noch Illusionen hinzugeben. "Mit Mitte vierzig ist man zu jung, um alt zu sein, aber zu alt, um sich noch jung zu fühlen, und es stimmt, verdammt noch mal, dass die kurzen Röcke im Klassenraum, die knappen Tops und T-Shirts seiner Schülerinnen ihm an manchen Tagen zu schaffen machen", heißt es da über Thomas.

Und auch Kerstin weiß nur zu gut, dass "ab einem bestimmten Maß an Frustration das Lustempfinden selbst kränkend wirkt und von da an das Verlangen in abebbenden Wellenbewegungen verläuft, bis es schließlich weder abgestorben noch am Leben ist, sondern erstarrt, wie eingefroren".

Sätze wie dieser finden sich immer wieder in diesem Romandebüt, das eine kleine Sensation ist, und man möchte sie sich auf der Zunge zergehen lassen. Und wenn man mit Einsichten wie Kerstins Erkenntnis konfrontiert wird – "Wir sind aus dem Alter raus, wir haben zu viele Rechnungen gesehen, um noch an Gratisangebote zu glauben" –, mag man sich nicht vorstellen, dass Thomes Meisterwerk um ein Haar gar keinen Verlag gefunden hätte.


Zur Person:

Stephan Thome wurde 1972 in Biedenkopf/Hessen geboren. Er studierte Philosophie, Religionswissenschaft und Sinologie an der FU Berlin und an verschiedenen Universitäten in der VR China, Taiwan und Japan. Seit 2005 lebt und arbeitet er in Taipeh/Taiwan.


Zum Roman:

Alle sieben Jahre steht Bergenstadt kopf: Man feiert Grenzgang, das traditionelle dreitägige Volksfest, und dabei werden nicht nur die Gemeindegrenzen abgeschritten. Auch abends im Festzelt wird ausprobiert, wie weit man gehen kann. Alle sind dabei, nur zwei stehen am Rand: Thomas Weidmann und Kerstin Werner. Er ist nach gescheiterter Uni-Karriere als Lehrer ans Gymnasium Bergenstadt zurückgekehrt. Sie versorgt nach gescheiterter Ehe ihre demenzkranke Mutter und hat Ärger mit ihrem pubertierenden Sohn. Vor sieben Jahren beim letzten Grenzgang sind sich die beiden schon einmal begegnet, und damals ist etwas passiert, woran sich die beiden auch noch bei diesem Fest nur mit gemischten Gefühlen erinnern.

Grenzgang ist das furiose Debüt eines jungen Autors, der von Anfang an aufs Ganze geht: Spannungsreich und voller überraschender Wendungen erzählt Stephan Thome von der Jagd nach dem Glück, die seine Figuren aus Berlin und Köln in die hessische Provinz und von dort in einen Swinger-Club an der Frankfurter Peripherie führt. Schnell wird klar, wie leicht vermeintliche Sicherheiten abhanden kommen können und wie dünn das Eis ist, auf dem Lebensentwürfe gründen – und daß es trotzdem keine Alternative zum Kampf um das eigene Glück gibt.

Suhrkamp 2009, 453 Seiten, ISBN 978-3-518-42116-1, 22,80 €


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Frühere Termine und Mitteilungen


Lesung mit Christoph Nix

"Junge Hunde" – 1968 im Dillkreis

am 15. April 2008 um 20.00 Uhr in der Buchhandlung Rübezahl



Rund 100 Zuhörer saßen und standen dicht gedrängt in der Buchhandlung Rübezahl, um der Lesung von Christoph Nix zu lauschen.


Der Traum von der Revolution in der Provinz

Der in Herborn und Ehringshausen aufgewachsene Theaterintendant und Autor Christoph Nix las in der Buchhandlung Rübezahl aus seinem Buch "Junge Hunde".

Buchstäblich saß man Christoph Nix zu Füßen, um einer Lesung zu lauschen, die mit revolutionären Gedanken, viel Lokalkolorit und noch mehr Melancholie zu tun hatte. Rund 100 Literaturinteressierte, Zeitzeugen und Freunde fanden am Dienstagabend den Weg in die Buchhandlung Rübezahl, um die literarische Verarbeitung der 1968er Visionen im Dillkreis vom derzeitigen Intendant des Konstanzer Stadttheater wortgewaltig nahe gebracht zu bekommen.

Johannes Eckert und Volkmar Nix, Inhaber der Buchhandlung Rübezahl, die den Autor nach Dillenburg eingeladen hatten, um aus seinem kürzlich erschienenen Roman "Junge Hunde" (Verlag "Das Neue Berlin") zu lesen, zeigten sich von der großen Resonanz überrascht und zugleich erfreut. Und auch Christoph Nix, Jahrgang 1954, war erstaunt, so viel jung gebliebene Gesichter zu sehen, wo er selbst doch schon so alt geworden sei.

Eine kokette Anspielung auf sein Äußeres, das trotz ergrauter Haare und Bauchansatz, immer noch eine verschmitzt wirkenden jugendlichen Elan ausstrahlte. Ganz zu schweigen von seinem wachen Geist, der sich nicht nur in den vorgetragenen Zeilen seiner Geschichte weitab der großen Städte manifestierte. Er, der bis heute in keine Muster passt, keiner Partei angehört, und sich unter Theaterleuten am wohlsten fühlte, las denn auch nicht nur, er zelebrierte wortgewandt Auszüge aus "Junge Hunde", in der sein alter ego Menz von der Revolution träumt.

Von seiner Liebe zu Lisa, von seiner Revolte gegen die Langweile und die Einsamkeit, die er nach dem Tod seines Vaters empfand, erzählt das Buch ebenso, wie von Freundschaften, Lehrern und der Welt der Philosophie, in die der damals 14jährige Menz alias Christoph Nix 1968 eintauchte. Seine Helden hießen Che Guevara und Ho Chi Minh, die auch in ihrer Nähe, in Frankfurt, Aktivitäten auslösten. Der Gymnasiast Menz, der in Dillenburg und Herborn zur Schule geht, wollte da nicht zurückstehen. Mit seinen Freunden probte er den Aufstand, wollte ein richtiger "68er" sein.

Irgendwie ist er es bis heute geblieben, zumal es bei ihm – trotz Professur - kein "Marsch durch die Institutionen gegeben hat. Christoph Menz wirkte herrlich erfrischend und absolut unangepasst, und mochte wohl auch daher seine Zuhörer in eine vorrevolutionäre, melancholische Stimmung zu versetzen. Von Nostalgie kein Spur.

"Ich habe viel Glück gehabt und die richtigen Leute getroffen, die mich ein Stück weit begleitet haben", erklärt er. In seiner Rolle als Theaterchef fühlt er sich gut, wohl weil er Intrigen und Machtspiele nur auf der Bühne inszeniert. Mit Schülern macht er Theater über revolutionäre Gedanken jenseits der bürgerlichen Karriere. In Christoph Nix lebt Menz bis heute fort.

(obiger Text mit Foto: Helmut Blecher, Dillzeitung)


Der Autor

Christoph Nix, geboren 1954 in Ehringshausen, machte 1973 in Herborn sein Abitur. Er studierte Rechtswissenschaft in Gießen, promovierte 1988, wurde 1990 zum Professor ernannt, unterrichtete u.a. an der Humboldt-Universität. 1991 übernahm er eine Regieassistenz am Berliner Ensemble, 1994 wurde er Intendant in am Theater in Nordhausen, 1999 am Kasseler Staatstheater. Seit 2006 ist er Intendant am Stadttheater Konstanz. Er veröffentlichte rechtswissenschaftliche (Kommentar zum Kinder- und Jugendhilfegesetz) und kriminalgeschichtliche Bücher (Deutsche Kurzschlüsse) sowie Erzählungen (Als hätten sie den Westerwald mit Olivenbäumen bepflanzt).


Das Buch

In seinem neuen Buch "Junge Hunde" erzählt Christoph Nix die Geschichte eines Gymnasiasten in Herborn. Man schreibt das Jahr 1968, und was in der Welt passiert, findet zum Missfallen der wirtschaftswundergläubigen Erwachsenen Widerhall bei den jungen Leuten. Durch deren Träume von Widerstand und Aufbruch geistern Che Guevara, Ho Chi Minh und die Frankfurter Studenten - mit ihnen wollen sie gleichziehen. Warum soll für die Provinz, den Dillkreis, nicht auch gelten, dass man die Welt verändern kann? Er und seine Freunde proben den Aufstand, was sie zumindest für die Mädchen interessant macht. Er erlebt seine erste Liebe und muss sich gewaltig anstrengen, sein revolutionäres Feuer am Lodern zu halten.



Ein Kapitel geht zu Ende

31.12.2007 (www.mittelhessen.de, kaw/s)

In der Buchhandlung "Rübezahl" geht heute ein Kapitel zu Ende: Albrecht Thielmann übergibt die Schlüssel an Johannes Eckert und Volkmar Nix. Die beiden Buchhändler führen fortan das Geschäft am Hüttenplatz.



Albrecht Thielmann hatte vor ziemlich genau 30 Jahren die Buchhandlung gegründet. Damals hatte er in der Maibachstraße Räume für seinen Laden bezogen. Mit Brettern hatte Thielmann das Innenleben der Buchhandlung selbst gezimmert. Das Mobiliar stammte vom Sperrmüll.

"Damals gab es in der Maibachstraße kein Geschäft. Jeder hat mir gesagt, dass ein Laden dort nicht funktionieren kann", erinnert sich Thielmann an die Anfänge. Wer für die Stadtautobahn war, ging nicht bei "Rübezahl" einkaufen. Auf etwa 70 Quadratmetern, die sich über mehrere, sehr verwinkelte Räume erstreckten, wagte er dennoch den Schritt in die Selbstständigkeit. Zeitgleich mit der Gründung des Geschäfts engagierte sich der Buchhändler in der Bürgerinitiative gegen die von der Stadt beschlossene Stadtautobahn.

Dies habe auch dazu geführt, dass die damals Verantwortlichen, mit wenigen Ausnahmen, "Rübezahl" nicht besucht hätten, berichtet Thielmann heute.

Eine große Auswahl an Kinder- und Jugendbüchern sowie die fachkundige Beratung machten die Buchhandlung bekannt. Für den Kinderbuchsektor steht denn auch der Name "Rübezahl".

Schon wenige Jahre später - die alten Häuser in der Maibachstraße wurden abgerissen - zog das Fachgeschäft an seinen jetzigen Standort am Hüttenplatz. Einige der alten Regale, Kommoden und Schränke sowie ein großer Spiegel aus der Maibachstraße tun nach wie vor dort ihre Dienste.

Für Albrecht Thielmann seien Bücher nicht nur bedrucktes Papier gewesen. Mit verschiedenen Veranstaltungen wie Lesungen und Kunstausstellungen zeigte er, "was ein Buch ist", erläutert er. Die zusätzlichen Angebote für Literatur und Kulturfreunde etablierten "Rübezahl" als eine literarische und heimatkundliche Begegnungsstätte - über 200 Veranstaltungen fanden bisher in den Räumen statt.

Nun übernehmen die langjährigen Angestellten Johannes Eckert und Volkmar Nix das Geschäft. Johannes Eckert machte seine Lehre beim Oranien-Verlag und seit dem Jahr 1994 bei "Rübezahl". Volkmar Nix begann seine Buchhändlerlehre vor 21 Jahren in dem Geschäft, das er nun mitleiten wird. Beide absolvierten die Frankfurter Buchhändlerschule.

Die neuen Inhaber wollen das Profil der Buchhandlung nach bewährter Manier weiter prägen. Dabei setzen sie weiterhin auf die Kundenpflege und die individuelle Beratung. Dazu gehört auch, auf die Lesegewohnheiten und die bevorzugten Stilrichtungen der Kunden einzugehen.

Albrecht Thielmann geht mit dem heutigen Tage allerdings nicht ganz in den "Rübezahl"-Ruhestand: Er wird künftig den Verlag der Buchhandlung betreuen, der seit gut drei Jahren besteht und bisher vier Bücher herausgebracht hat.

Im kommenden Jahr solle ein biografischer Roman des Pfarrers Fritz Philippi veröffentlicht werden. Die Geschichte spiele um 1900 in Breitscheid und werde ergänzt mit Erinnerungen eines bekannten heimischen Pfarrers an die letzten Jahrzehnte in Dillenburg.